Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg
Person:
Leitschuh, Franz Friedrich Müller, Christoph Germanisches Museum <Nürnberg>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1613322
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614465
Frühmittelalterliche Prachteinbande bewahrt das Mu- 
seum im Original nicht, wohl aber eine Reihe von Ab- 
güssen, die durch Bemalung, die hier unumgänglich nötig 
ist, die Originale, so weit als möglich vor Augen führen 
und ersetzen können. Diesen älteren kirchlichen Einbän- 
den schliessen sich die Ledereinbande des 14. und 15. 
]ahrhunderts an, bei welchen die Fläche des Deckels, 
der Ort, wo der Schmuck angebracht wurde, also das 
Ornament, welches in das Leder eingeschnitten oder aus 
demselben herausgetrieben ist, durch mächtige Metall- 
beschläge geschützt wurde. Einzelne Einbände aus ge- 
triebenem, edlem Metalle, mit Emailschmuck und Steinen, 
teilweise mit Samtunterlage, finden sich auch hier, so ist 
namentlich als reicher Metallband bemerkenswert ein im 
Museum aufbewahrter, aus dem Ende des 15. Jahr- 
hunderts stammender Deckel, dessen rot unterlegte, durch- 
brochene Silberarbeit in der Mitte eine Madonna unter 
spätgotischem Baldachin zeigt. 
Mit der Erfindung der Buchdruckerkunst bildete sich 
jedoch neben den vielen Arten, in denen sich die Bücher- 
einbände zeigen, neben den Beuteln und Kapseln, neben 
den einfachen Pergamentumschlägen ein eigentlicher Biblio- 
thekeinband aus, wie wir ihn in der Scheurlschen Bücher- 
sammlung treffen, darauf eingerichtet, dass die Bücher 
fortan neben einander gestellt und leicht aus der Reihe 
herausgezogen werden können. Die Beschläge, weil un- 
praktisch und hinderlich, Helen ganz weg, und ebenso 
erwies sich die Reliefverzierung als unzweckmässig. 
Der Lederüberzug der Holzdecke erscheint gleichfalls, 
da mit den Einbänden kein Prunk beabsichtigt ist, über- 
flüssig und vereinfacht sich auf einen Streifen am Rücken. 
Der Wechsel des Geschmacks rief zwar in der 
eigentlichen Verzierung von der Renaissance zum Ro- 
.koko mannigfache Veränderungen hervor, ohne jedoch 
den eigentlichen Charakter zu verwandeln. Für die spätere 
Periode, sowie für die der weissen, braunen und bunt- 
bemalten Ledereinbände, der Pergamentbände u. s. w. sind 
in der Sammlung reichlich Muster vorhanden.
        

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