Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke alter und neuer Zeit als Hülfsmittel für akademische Vorlesungen erworben
Person:
Pyl, Karl Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607685
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1608027
zu entsprechen, nicht aber auch eine sittliche Wirkung aus- 
zuüben, so muss ich darauf erwiedern, dass es allerdings 
Kunstwerke gibt, denen dieser sittliche Einfluss fehlt, und die 
bei einer schönen Technik auch auf die Achtung des Künstlers 
und Kunstgelehrten Anspruch machen können. Allein immer 
muss ich in dem Mangel einer sittlichen Wirkung einen Haupt- 
fehler der Kungtübung erkennen. Denn das Kunstwerk im 
Geiste des Künstlers entsprungen, gedacht und komponirt 
muss, wenn es schön ausgeführt ist, im Geiste des Beschauers 
dieselben Gedanken erwecken, die den Künstler zu seinem 
Werke begeistert haben. 
Dass aber dazu, um einen schönen grossen Gedanken zu 
fassen, auch eine sittliche Kraft nothwendig ist, wird niemand 
leugnen wollen und können, und also muss auch, wenn der 
Künstler von dieser sittlichen Kraft getragen wird, sein Kunst- 
werk dieselbe sittliche _Wirkung ausüben, deren Geist ihn 
beseelt hat. (Vgl. Gerhard Berl. Ant. Bildw. p.5. Göttling 
Gesammelte Abh. l. p. 221). Wie eine gesunde Seele in einem 
gesunden Körper wohnen muss, so muss auch das Schönheits- 
geflihl von einer sittlichen Kraft getragen werden, denn nur, 
wenn beide vereint wirken, kann das Leben des Menschen 
jene Harmonie haben, welche nöthig ist, um den Zweck des 
Daseins zu erfüllen. Und wahrlich .Niemand bedarf so sehr 
dieser sittlichen Kraft und dieser hiunanen Bildung, dieser 
Harmonie des Lebens, als ein Künstler, der berufen ist, für 
Gegenwart und Zukunft die Denkmäler der Grösse seiner 
Zeit und seines Vaterlandes und Volkes zu begründen, an 
denen die Nachwelt sich stärken und erbauen soll. 
Wenn man sich gegen diese sittliche WVirkung der Kunst 
ausgesprochen hat, so mag dies vielleicht darin seinen Grund 
haben, dass man unter dieser von mir geforderten Sittlichkeit 
eine engherzige kleinliche Moral verstand und sich dagegen 
ltNi-ubte, die Kunst als untergeordnetes Mittel für Moralvor- 
schuften anmgehn, wie dies bei der Litteratur der Alten im 
Vürigen Jahrhundert in einseitiger Auffassung geschah- 
Auwlgngs im auch hiervor zu warnen, dass man eben 
1 .
        

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