Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke alter und neuer Zeit als Hülfsmittel für akademische Vorlesungen erworben
Person:
Pyl, Karl Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607685
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1608011
technischen Standpunkt mehr in den Hintergrund treten und 
ging von einem andern Gesichtspunkt au, nämlich von der 
sittlichschönen Wirkung, die ein Kunstwerk auf den Beschauer 
ausübt. Ich verstehe unter sittlichschöner Wirkung: dass 
das Kunstwerk als eine schöne Darstellung eines edlen Ge- 
dankens auf den Geist und das Gemiith des Beschauers einen 
solchen Einfluss haben soll, dass es zugleich mit der aistheti- 
sehen auch dessen sittliche Bildung kräftige und erhebe, ähn- 
lich wie in den Meisterwerken der alten und neueren Dichter 
bei ihrer Lectiire und dramatischen Darstellung nicht allein 
eine aisthetische sondern auch vorzugsweise eine ethische 
Bildung liegt. Wie dies geschieht, werde ich nachher noch 
berühren. 
Indem es mir nun für meine Sammlung geboten war 
mit wenigen Mitteln möglichst viel zu erreichen, so richtete 
ich mein Hauptaugenmerk bei der Wahl der Gegenstände 
darauf, meinen Schülern von solchen Kunstwerken eine leben- 
dige Anschauung zu geben, deren Hauptwesen neben ihrer 
technischen und historischen Bedeutung in diesem sittlich 
erhebenden Einfluss lag, den sie zugleich. mit ihrer aistheti- 
sehen Wirkung auf das Gemiith ausiibten.  
Denn die technische und historische Betrachtung lässt 
sich, wenn auch ilnvollkommen doch noch eher aus Abbildun- 
gen und Lehrbüchern ergänzen. während die von mir beab- 
sichtigte sittlichschöne Wirkung nur durch lebendige An- 
schauung und nicht durch die meistens sehr verkleinerten 
Umrisse erreicht werden kann. 
Der von mir gewählte Gesichtspunkt fällt theils unter 
die Gegenständliche, theils aber unter die Historische Be- 
trachtungsweise und zwar unter letztere insofern, als in den 
meisten Fällen gerade vorzugsweise diejenigen Kunstwerke 
eine sittlichschöne Wirkung ausüben, welche in der Zeit der 
höchsten Kunsthliithen entstanden, oder doch wenigstens als 
Nachahmungen älterer Denkmäler solcher Zeit anzusehen sind. 
Wenn von manchen Kritikern freilich behauptet wird, 
das Kunstwerk habe nur den Anforderungen der Schönheit
        

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