Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke alter und neuer Zeit als Hülfsmittel für akademische Vorlesungen erworben
Person:
Pyl, Karl Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607685
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1608489
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Die Anordnung Dürers im Ganzen ist gerade umgekehrt, 
indem der Richterstuhl v. Z. a. g. rechts steht, auch hat Dürer 
4 Personen mehr aufgenommen. 
Veritas und 
Poenitentiu. 
Poenn. mit 
Schwert und 
Helm 
Error und 
Festinntio. 
Insidia 
lnvidin 
Frnus. 
Calumuia 
schleppt den 
Insons. 
Ignorantia u. 
Suspicio flü- 
stern dem Kö- 
nig Midas 
auf d. Thron 
in die Ohren 
Die Gruppe am Thron ist fast in beiden Bildern gleich, 
nur dass Dürer den Midas als Prototyp für einen ungerech- 
ten Richter angenommen hat, während die Figur bei Raphael 
weiblich zu sein scheint; auch die zweite Gruppe ist gleich 
artig. Statt derlnsidia, lnvidia und Fraus sehen wir den 
Greis, den ich als Aberglaube bezeichnet und die verhiillte 
sich umsehende Gestalt mit einem falschen Blick. Dies ist 
Insidia 
oder 
Hinterlist. 
Der 
Greis 
kann 
aber 
auch 
der 
Neid sein und seine Magerkeit auf die Annahme des Volks- 
glaubens hindeuten, dass der Neid den Menschen abzehre. 
Die Personen der Fraus, Poena, Festinatio und Error 
fehlen bei Raphael. Dagegen wäre es leicht möglich, dass 
die Figur vor derWahrheit bei Raphael, welche sich Gesicht 
und Haare mit den Nägeln berührt, die Poenitentia sei, 
welche den ungerechten Richter für seinen falschen Urtheils- 
Spruch trifft. Dann wäre das zerkratzen. des Gesichts und 
Zerraufen des Haares eine symbolische Bezeichnung für die 
Schmerzen der Reue. Das Kostüm bei Dürer zeigt eine rei- 
chere Gewandung als bei Raphael und ist im deutschen Stil 
gehalten. Auch war es natürlich, dass Dürer sein für den 
Schmuck eines festlichen Saals bestimmtes Gemälde sorgfäl- 
tiger ausführte, als Raphael seine einfache Zeichnung. 
Der Geschmack an solchen Allegorischen Darstellungen 
scheint in jener Zeit vorherrschend gewesen zu sein. Nicht 
allein bei Raphael sind uns solche Darstellungen bekannt, son- 
dern auch in demselben Rathhailssaal ist der Triumphzug Kaiser 
Max I. von Dürer dargestellt, von 24 Tugenden umgeben.
        

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