Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke alter und neuer Zeit als Hülfsmittel für akademische Vorlesungen erworben
Person:
Pyl, Karl Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607685
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1608165
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Erstaunen zu geschehen pflegt, und dieser Umstand 
bestätigt uns die Lage, in welcher Ariadne darge- 
stellt sein soll, dass sie nämlich dem Theseus, schmerz- 
lich und erstaunt zugleich, von der Höhe der Fels- 
insel nachschaut.  
Andererseits ist es wahrscheinlich, dass unsere 
Statue, ebenso wie die gleichartige in Venedig (Hett- 
ner p. 88.) einen Gegenstand in der linken Hand 
hielt. Das Attribut der andern Statue soll unkennt- 
lich sein, es liegt aber nahe, der Ariadne den be- 
kannten Garnknäul in die Hand zu geben, mit dem 
sie dem Theseus den Ausgang aus dem Labyrinthe 
möglich machte. Da der Restaurator die Flöte nur 
angedeutet hat, so kann dieselbe sogar als Rolle für 
den Faden der Ariadne gelten. 
Fragen wir nun nach dem Eindruck, den diese 
Statue auf den Beschauer macht, so ist derselbe 
ein ganz entgegengesetzter als der, den die anderen 
6 Götterbilder machen. Während in Hera und P0- 
seidon die göttliche Majestät, in Apollo u. Athene 
die siegende Götterkraft, in Artemis die mildreiche 
Hülfe und in Aphrodite die siegende Anmuth der 
Göttin am wirksamsten hervortritt, mit einem Worte 
in allen 6 Gestalten uns die über menschliche Kraft er- 
habene Göttlichkeit imponirt, sehen wir in Ariadne 
die Leiden einer Heroine verkörpert, die ihrem gelieb- 
ten Helden Theseus entsagen muss, weil der Gott 
Dionysos es verlangtt). Weil sie sich aber einem 
göttlichen Rathschlusse unterwirft, so ist in ihren Ge- 
i) Ygl. Höhl. Odyas. XI 324 c. Schal. 
58. Pausan. X. 29. 2. Catull. LXIV. 252. 
Hesiod. Theogt940. Diodnr. 
O. Jahn Beitr. p. 277.
        

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