Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke alter und neuer Zeit als Hülfsmittel für akademische Vorlesungen erworben
Person:
Pyl, Karl Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607685
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1608030
sowenig über der sittlichen Wirkung die schöne Form zurück- 
setze. Denn Beides, schöne Form und sittlicher Gehalt sind 
wie Leib und Seele untrennbar, und in der Blüthezeit der 
Kunstentwicklung auch immer mit einander verbunden, und 
nur in den Zeiten des Verfalles tritt das Eine auf Kosten des 
Andern hervor. Diese Sittlichkeit im höheren Sinne, diese 
Vereinigung des Sittlich-Schönen nennen wir Humanität, das 
Ziel alles menschlichen Strebens, die Bestimmung der mensch- 
lichen Natur, deren höchste Ausbildung wir im Christenthum 
im Menschensohne als Urbild verehren. Schon die mensch- 
liche Schönheit der Gestalt an und für sich als Wohnsitz 
einer schönen Seele, wirkt sittlich belebend und bildend auf 
den Besehauer, der sein schöneres Selbst darin erblickt. 
Wenn aber in den Denkmalen die menschliche Gestalt 
nur benutzt wurde, um eine üppige Laune zu befriedigen, so 
schloss ich sie, mochten sie auch in der Technik noch so 
schön sein, von meiner Sammlung aus, weil solche Kunstwerke 
nicht von einer sittlichschönen Idee ausgingen, wie sie mir 
als zum Wesen der Kunst nothwendig erscheint und die nicht 
in einer einseitigen Moral sondern in einer sittlichen Kraft 
und Begeisterung für Alles Grosse, Erhabene und Tiichtige, in 
der Humanität besteht. 
lch wählte daher, um meinem oben angegebenen Plan zu 
genügen, für die Griechische Skulptur solche Götter und 
Hcroengestalten, die aus der religiösen Begeisterung ihrer 
Zelt hervorgegangen, mithin also schon durch ihre religiöse 
Weihe vor Allen zu einer sittlichen Wirkung berufen sind. 
Zuerst also wirkliche Cnltusbilder, deren Charakter man 
leicht in der Erhabenheit der Zügc und einer würdigen 
Haltung und Gewanduilg erkennt, wie sie Gegenständen der 
Verehrung nothwendig ist. Eine zweite Gattung sind diejeni- 
gen, welche ich Votivbilder nennen möchte. Ich bezeichne 
damit solche, die nicht zur eigentlichen Gottesverehrung 
dienten, die aber aus dem Antrieb, die Gottheit zu verherrli- 
chen, an öffentlichen Orten aufgestellt wurden. Sie sind 
ebenfall würdig gehalten, aber nicht in der ernsten Ruhe
        

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