Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601078
Jean Andre Anneessens. 77 
 
mit dem Gehalte von 960 Livres zu 40 Gros muschelformige Vase, welche das Wasser aus 
flandrischer Münze. Wauters (Art. in der Bio- den Nasen jener Delphine empfängt, wird ihrer- 
graphie nationale) vermuthet, die Prinzessin seits von zwei verschlungenen Delphinen getra- 
habe mit dieser Ernennung das an dem Vater gen, welche das Wasser durch den Rachen in 
begangene Unrecht wieder gut machen wollen; das untere Bassin weiter führen. Das Ganze ein 
allein das ist kaum glaublich, denn noch im geschicktes Beispiel von der Kunst des Rokoko. 
J. 1744 erhielt die Rechnungs-Kammer die Er- Dass sich der Ruf des Baumeisters allmälig 
mächtigung; eine Besitzung des Vaters, dessen auch über Brüssel hinaus verbreitet hatte, be- 
Güter mit Beschlag belegt worden, zu veräussern. zeugt ein Auftrag, der ihm von Lii ttich zukam. 
Man hatte also offenbar in dieser Hinsicht für die Dort hatte im J. 1734 eine heftige Feuersbrunst 
Erben des alten Anneessens keine Rücksicht. den bischöiiiehen Palast zum grossen Theile 
Als Hofarchitekt hatte A. alle Arbeiten zu über- zerstört; insbesondere die oberen Stockwerke 
wachen, die in den Palästen, Schlössern, Münz- der beiden Flügel im ersten Hofe und die vor- 
stiitten, Mühlen, Pachthäusern , Brücken etc. dere Fassade gegen die Kathedrale von St. Lam- 
vorgenommen wurden. Ihm wurde die Herrich- bert. A. wurde 1736 von den Lütticher Land- 
tuug des Palastes von Oranien oder Nassau ständen ausersehcn, auf ihre Kosten nach einem 
anvertraut, wohin sich die Erzherzogin Marie neuen von ihm selbst entworfenen Plane den 
Elisabeth 1731 zurückzog, als der Palast abge- zerstörten Theil des Palastes wieder aufzubauen. 
brannt war, den nach einander die Herzoge von Aus dieser Zeit stammt die neue Fassade, die 
Brabant und Burgund, Karl V., und die Erzher- jetzt in Folge des Abbruchs der alten Kathedrale 
zoge Albrecht und Isabella bewohnt hatten. Im in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbar ist. Sie 
Oktober 1743 erhielt erden Auftrag, sofort einen steht mit dem übrigen Gebäude, das aus der 
vollständigen Plan davon aufzunehmen, weil ersten Hälfte des 16. Jahrh. stammt, nicht in 
man einen Neubau vorhatte, in dem der neue Einklang, auch ist sie in ihrer Massigkeit zu 
Statthalter Karl von Lothringen wohnen sollte. schwerfiillig, doch fehlt es ihr nicht an einer 
Doch wurden nur eine Orangerie und Stallungen gewissen Grösse. Die Mitte bildet ein reicher 
erbaut. Als dann im J. 1744 bei der Ankunft Porticus mit Säulen gemischter Ordnung und 
des Prinzen und seiner Gemalin in Brüssel zu korinthischen Pilastern, darüber ein Giebeldaeh, 
deren Empfang ein Theater errichtet wurde, das von beiden Seiten mit grosseix Figuren und 
waren die Skulpturen und Malereien daran von mit dem Wappen Georg Ludwigs de Berghes, 
A. entworfen, wie dieser auch alle Dekorationen des regierenden Bischofs geziert ist. Nach 
zu den verschiedenen kirchlichen Festlichkeiten Saumery (s. die Literatur) hat es den Anschein, 
für das Fürstenhaus in der Kirche Ste. Gudule als wenn die Fassade schon 1738 vollendet ge- 
geordnet hatte (1740 Obsequien für Kaiser Wesen; allein nach den Urkunden steht fest, 
Karl  Von ihm war ferner aus dem J. 1741 dass dies erst 1740 der Fall War. Nicht ohne 
die Zeichnung zu dem Mausoleum der Erzherzogin Interesse ist die Nachricht über die Bezahlung 
Maria Elisabeth im Chor derselben Kirche. Als des Künstlers. Laut Beschluss der Stände vom 
weiterhin Prinz Karl von Lothringen das Schloss 24. Sept. 1738 War man mit dem Meister über- 
Tervueren (3 Meilen von Brüssel) zu seiner Som- eingekommen, ihm 2000 Gulden als Honorar für 
mer-Residenz erwählte, wurden daselbst grosse Seine MüheWaltllngi Reisen, Pläne etß- zu Zahlen, 
Umänderungen und Anbauten vorgenommen, doch sollten in dieser Summe die auf die innere 
welche zum größeren Theil A_ auszuführen Ausstattung bezüglichen Zeichnungen und Rei- 
hatw sen nicht einbegriäen sein. 
Von andern Arbeiten unseres Künstlers ist zu Im J. 1747 machte A. für die Abteikirche von 
erwähnen: Der Umbau der Klostergebäude von Afiiighem, drei Meilen von Brüssel, die Zeich- 
Grimberghe bei Brüssel, den im J. 1710 der Abt nungen für zwei neue Kapellen. Auch wurde er 
Hermann de Munck unternommen hatte; insbe- 1751 beauftragt, den Bau der neuen Kirche in 
sondere leitete A. den stattlichen Neubau der Etterbeek, die zum Kapitel von S. Gertraude in 
Wohnung des Abtes. Eine Abbildung desselben Nivelles gehörte und einige Jahre vorher begon- 
lindet sich im Werke des Sanderus, Brabantia nen worden, zu überwachen. 
sacra. Doch wurde der Bau zu Anfang dieses Das Datum seines Todes, das die Biographie 
Jahrh. wieder niedergerissen. nationale gibt, ist falsch : er starb 1754. Sein Zeit- 
Im J. 1714 wurde A. vom Brüsseler Magistrat genosse, der Kanonikus J. F. Foppens (14761), 
beauftragt, Zeichnungen zu zwei Brunnen anzu- erzählt in seiner Chronique abregee de la ville 
fertigen, welche im Hofe des Stadthauses an der de Bruxelles, nachdem er vom Vater und den 
Fassade des dem Thurme gegenüberliegenden Ereignissen des Jahres 1719 gesprochen, auch 
Baukörpers aufgestellt werden sollten. Diese den Tod unseres Meisters: der Sohn des erwähn- 
Brunnen sind noch vorhanden. Ueber jedem ten Anneessens war ein sehr tüchtiger Architekt 
liegt die Figur eines Greises (aus weissem Mar- und Ingenieur, geschätzt von Allen undbesonders 
inor), einen Fluss vorstellend, zwischen Schilf von dem Herzog Karl von Lothringen, der ihm 
auf eine Urne gestützt, begleitet von zwei auf die Leitung der Neubauten in seinem Schlosse 
Delphinen sitzenden Tritonen (aus Bronze). Eine von Tervueren anvertraute. Er kam elendiglich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.