Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600963
{S9I9BÄQF1AEEPÄQEQ; 
lor aber in ihren sechziger Jahren das Angen- 
licht. In der Regsamkeit und mannigfaltigen 
Bildung ihres Geistes fand sie seitdem neue 
Hiilfsqnellen des Lebens; sie blieb der Mittel- 
punkt einer gewählten Gesellschaft, und wie 
dadurch ihr eigenes Dasein erheitert wurde, so 
fühlten sich durch ihr geist- und inhaltvolles 
Gespräch Künstler und Gelehrte gefördert. Es 
wird glaubwürdig erzählt, Van Dyck habe bei 
seinem Genneser Aufenthalte in ihrem Hanse 
viel verkehrt und oft behauptet, dass er aus den 
Kunstgesprächen mit der Blinden mehr Beleh- 
rung empfangen als von bedeutenden Meistern 
mit dem trefflichsten Augenlicht. Wäre freilich 
die gewöhnliche Annahme (die übrigens durch 
nichts begründet ist) richtig, dass nämlich Sofo- 
nisba schon 1620 gest. sei, so könnte Van Dyck 
sie unmöglich gekannt haben, da er erst im 
Herbste 1621 nach Italien kam und den Winter 
von 1621 auf 22 in Genua zubrachte. Allein 
sicher lebte  wie auch Dallaway annimmt- 
die Künstlerin fast bis in die Mitte der zwanzi-l 
ger Jahre; allen Berichten zufolge starb sie 
nennzigjährig, und dass sie schwerlich um 1530, 
sondern 1535 geb. worden, ist oben erwähnt. 
In ihrer eigenen Kunstübung gehörte Sofo- 
nisba der Cremoneser Schule in ihren besseren 
Leistungen an, während sie ein grosses und 
eigenthümliches Talent bewährt in der seltenen 
Naturtrene, Welche ihre Bildnisse auszeichnet. 
Als Schülerin des Bernardino Campi zeigt sie 
den Einfluss des Romanino in dem leuchtenden 
und vollen Kolorit, das übrigens von kiihlerer 
Klarheit ist als das der Venezianer; durch Ber- 
nardino Gatti hat sie andrerseits Correggids 
Einwirkung erfahren, wie denn in jener Zeit 
ihre Porträts durch Harmonie und schmelzende 
Weichheit der Behandlung hervorragen. Dabei 
sind Auffassung und Modellirung durchaus tüch- 
tig und gemahnen an die gute Zeit des Cinqne-i 
cento; nirgends gewahrt man eine in's Schwäch- 
liche spielende Zartheit der Frauenhand. Dass 
ihre Bildnisse den Reiz vornehmer Erschcimrng 
und Anordnung haben, ist fast selbstverständ- 
lich. Merkwürdig ist, dass bei ihr das Indivi- 
duelle und der Ausdruck des Charakters schär- 
fer und bestimmter hervortreten, als bei den 
Venezianern. 
Doch scheint sich ihre Meisterschaft auf das 
Porträt beschränkt zu haben. Das schon er- 
wähnte Bild Von 1559, worauf sie sich als Mado- 
lescensw bezeichnet, die hl. Familie vorstellend 
(früher und wahrscheinlich noch in Privatbesitz 
zu Cremona), zeigt eine gewisse Befangen- 
heit, insbesondere Härte in der Färbung; sie 
scheint darin verschiedene Vorbilder, neben denl 
Campi auch Parmigianiuo und Pordenone  von 
dem sie in Cremona Fresken und Oelbilder vor 
Augen hatte  nachgeahmt zu haben. Wahr- 
scheinlich waren ihre religiösen Darstellungen 
alle dieser Art, und mag sich desshalb so wenig 
davon unter ihrem Namen cl-halten haben.  
Vasari und Baldinucci berichten auch von 
genrehaften Zeichnungen, worin sich die Künst- 
lerin ausgezeichnet habe; eine davon kam in 
den Besitz des Grossherzogs Cosimo von F10- 
renz. Es sind Darstellungen von lachenden Kin_ 
dern, worin sich eine komische Charakteristik 
zeigt (vergl. Stiche N0. 3). 
Ihre Werke (erhalten): 
i) In C r e mo na (Privatbesitz, Gebrüder Bi-em 
ciani) z Madonna mit dem Kinde an der Brust 
Kleine Fig. Mit der Jahrzahl 1559. s. 'l'ext 
und Stiche N0. 1. 
2) In Florenz, Uffizien: Selbstbildnigg 
Sie hält Papier und Pinsel, vor ihr liegt die 
Palette. Bezeichn. 1 Sophonisba Anguisciola 
Cremis. Et. sum ann; xx. Gehört nicht zu 
ihren bedeutenden Werken. s. gest. Bild- 
nisse N0. 1-6. 
3) In Bologna (Privatbesitz) : Selbstbildnis; 
Sie sitzt am Klavier, hinter ihr eine alte 
Dienerin. Bez. : Sophonisba AngussolaVii-go 
Iilia Amilcaris Dono dedit MDLXI. Aecht 
aber etwas triibe in der Färbung. ' 
4) In Brescia, Galerie Brognoli: Blldllisg 
eines Venezianischen Gesandten. Mit ihrem 
Namen bez. 
5) In England, bei Lord Spenser auf Alt  
h or p: Selbstbildniss. Sie sitzt am Klavier 
hinter ihr eine alte Dienerin. Aehnlich  
das Bild in Bologna. s. gest. Bildnisse No_ 3 
6) In Burleigh Hanse: Männliches Bild; 
niss. (Nach Waagen.) 
7) Bei Lord Yarborough in London_ 
Bildniss einer Nonne im weissen Ordens; 
kleide. Vielleicht das der Schwester Elena 9 
Mit dem Namen der Künstlerin. 
S) Sammlung Vernon Hareourt auf Nune- 
ham Park  Selbstbildniss, noch in sehr ju_ 
 gendlichem Alter. Klein. (Nach Waagen.) 
 9) Sammlung-William Stirling zu Keir. 
 Selbstbildniss. Sie sitzt an einer Staiiblei 
und malt an einem Madonnenbilde. (Nach 
Waagen.) s. gest. Bildnisse No. 10. 
10) In Wien, Belvedere; Selbstbildniga 
Kl. Brustb. Sie hält ein offenes Buch mit der 
Inschrift: Sophonisba Angnissola virgq S8 
ipsam pinxit. 1554. 
ll) In Berlin, Sammlung des Grafen Rae_ 
 zynski: Drei Schwestern der Sofonisba 
 Schach spielend, weiter zurück eine alte 
 Dienerin. Mit der Aufschrift; son.  AN_ 
GUSSOLA VIRGO AMLLCARIS FILIA    TRES 
SUAS soaonns ET ANCILLAM PINXIT. MDLV_ 
 Früher in der Sammlung von Lucien  
naparte. Hauptbild der Künstlerin. s. Text 
und Stiche N0. 4. 
12) In Paris war 1840 in Privatbesitz eine 
Wiederholung dieses Bildes; die grosse Be- 
stinnntheit der hlodellirung bei weicher, fet_
        

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