Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600953
 Sofonisba Anguiseiola. 65 
 
ebenso erfahren gewesen zu sein scheint wie in gemäss einen Gatten gab. Es war ein reicher 
der Malerei, die wolwollende Grazie ihres Um- sicilianischer Edelmann, Don Fabricio di Mon- 
gangs übten überall auf ihre Umgebung einen cada, der sich damals am spanischen Hofe auf- 
Zauber aus. Zugleich erscheint so Sofonisba in hielt, jetzt aber mit seiner jungen Gattin nach 
der zweiten Hälfte des 1G. Jahrh. als ein edles seiner Heimat Palermo zuriickkehrte. Auf das 
wenn auch spätes Beispiel jener universellen Reiehste beschenkt entliess der König die schöne 
Kunstfähigkeit und Bildung, jener harmonischen Frau, mit einer Morgengabe von 12000 Sendi 
Vollendung des Daseins, welche die humanisti- und einer jährlichen Pension von 1000 Dukaten 
sehe Epoche in ihren hervorragenden Menschen  fiir jene Zeit beträchtliche Summen  , aus- 
ausgezeichnet hatte. serdem mit Edelsteinen, kostbaren Teppichen 
Bald sollte sich ihr ein grosser und passender und Zeugen, denen die Königin ein perlenge- 
Wirkungskreis eröffnen; für eine solche Künst- sticktes Gewand im Werthe von 1000 Scudi hin- 
lerin war offenbar ein präehtigeiyköniglicher Hof zufiigte. Seitdem vollends, da zu ihrem Vermö- 
der geeignete Platz. Der bedeutende Ruf, den gen das noch grössere ihres Mannes hinzukam, 
ihr Name erlangt hatte, bestimmte den Herzog gehörte Sofonisba zu jenen bevorzugten Künst- 
von Alba sie dem Könige Philipp II. von Spa- lern des 16. Jahrh., die eine fast fiirstliche Stel- 
nien zu empfehlen ; der Herzog von Sessa, Statt- lung einnahmen. 
halter von Mailand, vermittelte dessen Anerbie- In Palermo scheint sie ausser Bildnissen 
tungen; der Vater nahm sie an und brachte selbst auch einige religiöse Bilder gemalt zu haben; 
seine Tochter nach Mailand, wo sie als Geschenk seniler-barer Weise ist, so viel uns bekannt, auch 
für den Herzog dessen Bildniss malte. Als grosse hiervon nichts auf unsere Zeit gekommen. Uebri- 
Dame reiste sie dann mit dem illr entgegenge- gens werden wir bald an einem noch erhaltenen 
sandten Gefolge nach Spanien. Dort Stand Sie Beispiele sehen, dass in solchen Darstellungen 
sofort in der Gunst der königlichen Familie und Sofonisba weniger glücklich war und darin ihr 
wurde gleich den ersten Damen (leS Hofes gellßl- schönes Talent nur unvollkommen zum Ausdruck 
ten. Zuerst malte sie die Königin, dann den König, kann Kenrn aber wni- sie einige Jahre mit ihrem 
dem dies Bildniss so wol gefiel, dass er ihr dafiir Gatten in dessen Vaterstadt, als ei- stai-h Dei- 
eine jährliche Pension von 200 Seudi aussetzte, spnnisehe Hof wünschte nnn lebhaft ihre Rück_ 
u. hierauf den Prinzen Don Carlos, der seinerseits kehr, und der König drang heftig- in Sie in Ma- 
der Künstlerin einen Diamanten im Werthe von (lrid ihren bleibenden Wohnsitz zu nehmen; doch 
1500 Sclldi schenkte. Ein 311061118 Bildniss de!" wusste Sofonisba geschickt sich freizuhalten, da 
Königin sandte Sie 155i r auf 561'911 Wllilsßil, im sie sich sehnte in der Heimat ihr ferneres Leben 
Papst Paul IV" mit einem Briefe Wim 15- Sept-i zuzubringen. Auch dazu sollte es nicht kommen. 
(lei ein ifßiiiißhßs Zeligniss gibt Von der feinen Die Galeere, welche die Künstlerin nach Genua 
Geistesart und der Formgewandtheit der Sofo- hiniiberbraehte, befehligte ein Genueser aus al- 
nisba. Kurz darauf berichtet sie an ihren alten tem vornehmem Hause, Orazio Lomellini; die 
Lehrer Bernardino Campi, der von ihr des Kö- Zeit der Ueberfahrt genügte, ihm fiir die schöne 
iligß BildniSS Zll haben wünschte, dass sie soeben und hochbegabte Frau Liebe einzuflössen, die, 
dasjenige der Schwester des Königs gleichfalls wie es scheint, ihrerseits nicht unerwiedert blieb, 
für den Papst male. Nach Berichten der Zeitge- da sie bald nach der Ankunft seine Gattin wurde. 
nossen hat sie die königl. Familie und insbeson- Aus der Uebersiedelung nach Cremona wurde 
dere die Königin Isabella öfters gemalt. Es ist Nichts; Sofonisba blieb für den ganzen Rest 
seltsam, dass sich davon in Spanien nichts mehr ihres langen Lebens in Genua. Hier wurde sie 
vorzufinden und überhaupt keins dieser Bild- zum Mittelpunkt jener aristokratischen Kreise, 
nisse auf unsere Zeit gekommen zu sein scheint; welche im Verkehr mit den Männern der Kunst 
um so seltsamer, als man den hohen Werth der und Literatur und im Austausch geistiger Inter- 
Porträts, welche aus der Hand der Sofouisba essen einen erhöhten Reiz der Gesellschaft fan- 
hervorgingen, wol zu schätzen wusste. Auch den. "Ausgezeichnete Werke für Fürsten und 
von anderen Gemälden, welche sie nach Car- Edelleutea sollen auch hier entstanden sein; doch 
ducho für verschiedene spanische Städte gemalt lassen die wenigen Bilder, welche von ihrer 
haben soll, hat sich unseres Wissens Nichts er- Hand auf unsere Zeit gekommen sind, fast an- 
halten. nehmen, dass sie in Genua nicht viel mehr gemalt 
Philipp II. fand an ihr solches Wolgefallen, habe. Einmal sass ihr wieder die nun erwach- 
dass er sie an seinen Hof zu fesseln trachtetc; sene Prinzessin Clara Eugenia, zu deren Damen 
daher er sie unter die Damen der Infantin Clara sie in Madrid gehört hatte; als diese nämlich, 
Eugenia aufnahm und zudem unter den spani- vermält mit Erzherzog Albrecht von Oesterreich, 
sehen Nobili für sie nach einem Gatten suchte. auf ihrer Reise Genua berührte. Sofonisba hatte 
Allein die Künstlerin war anderer Meinung, nur nicht aufgehört, vom spanischen Hofe Beweise 
mit einem Landsmanne wollte sie sich vermälen, des Wolwollens zu erhalten, wie denn der König 
und wahrscheinlich hatte sie selbst schon ihre für ihre zweite Ehe ihr Einkommen um 400 Seudi 
Wahl getroffen, wenn es auch bei Baldinucci vermehrt hatte. 
heisst, dass der König ihr nun jenem Wunsche Die Künstlerin erreichte ein hohes Alter, ver- 
Mey er. Künstler-Lexikon. II. 9
        

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