Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607413
J acopo de' Barbari. 
Köpfen und im Faltenwurf der Gewänder hat leichten und schmicgsamcn Strichlagen richten 
dasselbe grosse Uebcreinstimmung mit den Sti- sich ungezwungen nach den Formen der Gegen- 
chen Barbarfs. O. Mündlem] stünde, die er wiedergeben will; sie krümmcn 
Wenn die oben angeführten wenigen Gemälde und kreuzen sich in den Schattcnpartion, die 
nur einen ungenügenden Begriff von des Kiinst- niemals stark betont sind, und der Uebergang 
lers Befähigung zu geben vermögen, so lassen vom Dunkeln inls Helle ist durch kleine feinere 
dagegen die Kupferstiehe, obgleich auch nur in oder kürzere Punkte ausgedrückt, die sich in's 
kleiner Anzahl vorhanden, doch schon etwas Licht verlieren und einen Halbton bilden. Selten 
mehr in sein Wesen hineinblicken und offenba- versetzt er seine Figuren in eine ausführliche 
ren bereits den EinHuss des sogenannten Re- Landschaft; dieStellc derselben xiertretcn dicke, 
naissaneestils, d. h. der aufi freie Nachahmung knorrige, unbclaubte Baumstämme und bloss 
antiker "Jorbilder begründeten Kunstwcise. J. de" durch starke, wellenförmige Parallelstrichc an- 
Barbari hat einen entschieden ausgesprochenen, gedeutete Terraintheile. Die Hintergründe, von 
unverkennbar italienischen Charakter. Der welchen sich die Figuren abheben, sind meistens 
geistige Gehalt seiner Blätter ist gering; die ganz weiss gelassen oder mit einfachen schrägen 
Erfindungen sind mehr seltsam als glücklich und Linien schattirt. 
verrathen eine arme Phantasie, die sich mehr Die von den Kunstschäitzen der Erzherzogin 
zur Darstellung einzelner Personen oder einfa- Margarethe in den Jahren 1515 und 1516 aufge- 
cher Szenen als zur Behandlung mannichfaltigcr nommenen Inventarien verzeichnen x23 große, 
Gruppen und Kompositionen hinneigt. Von Zu- mittlere und kleine Kupferplatten, von dem ver- 
sammensetzung, Anordnung und Ausdruck hatte storbenen Maistre Jacques de Barbaris für das 
er nur schwache Begriffe. Seine Auffassung der Abdruckcn auf Papier gestochen und in einer 
Natur hat zugleich etwas Absondcrlichcs und hölzernen Kiste Vßrwßthftu. 9311911011 Schliesst 
Naives, Feines und Plumpes. Seine Art zu zcieh- daraus, dass die Platten auf BüSlißllllilg der Erz- 
nen ist wenig edel und korrekt, aber individuell herzogin ausgeführt werden, und J. de' Barbari 
und so eigentümlich, dass man seine Arbeiten nicht eher zu stechen angefangen habe, als bis 
mit den Werken anderer Künstler nicht ver- er in den Dienst der Statthalterin getreten sei; 
wechseln kann. Seine männlichen Figuren ha- ebenso möglich ist jedoch, dass er die Platten 
ben oft wunderliche, verzerrte Gesichtszüge und schon aus Venedig mitbrachte und an die Statt- 
entweder zu große dicke oder auffallend kleine haltcrin verschenkte oder verkaufte. ein Um- 
hochstirnige Köpfe auf einem Rumpf mit über- stand, der um so mehr Wahrscheinlichkeit für 
massig langen und magern Armen und Beinen. sich hätte, wenn, wie man mir versichert, von 
Die Frauen sind schlanke Gestalten mit schma- dem nßrandopfei- für Priapn (Verz. der Kupfcrst. 
len Köpfen auf fleischigem l-lalse und Nacken; N0. 26) ein erster Abdruck mit dem Datum 
aber ein schmachtendcr, empiindsamcrGesichts- 1501 vorhanden ist. Wie es sich damit auch 
ausdruek und ein niedlicher Ilaarputz geben dic- verhalten mag, über das J. 1500 reichen seine 
sen Gestalten etwas Anziehendes. Die manic- Kupfcrstichc schwerlich zurück, weil mit der 
rirten und verzwickten Stellungen erinnern größten Evidenz daraus hervorleuchtiwt, dass 
schon an den Hang zur Uebertreibung, wie cr er die Werke aus A. Dürefs erster Zeit gesehen 
später bei Parmeggianino und andern Meistern hat und davon in technischer wie in stofiiichci- 
der angehenden Verfallzeit hervortritt, und im Beziehung beeinflusst und angeregt werden. 
Allgemeinen erkennt man einen Künstler, dem Bartsch beschreibt von J. de" Barbari 24 Ku- 
es in seinen Darstellungen hauptsächlich um pferstiehe, zu welchen seitdem noch etliche 
weichen Linicnschivung, schlankesKörpcrmaß, andere hinzugehommen sind. In den ältesten 
graziöse Bewegung und zierliche Ilaltung zu thun Drucken ist die Farbe kräftig und schwarz; aber 
war. Ein besonders charakteristisches Merkmal die Güte der Abdrücke verschwindet rasch in 
ist, dass alle seine Gewänder wie nasse Wäsche den späteren Plattenzusänden, weil diese feine 
aussehen. Auch ist bemerkenswert, dass in Stichclarbeit keine große Anzahl guterAbdrüekc 
seinen Darstellungen aus der heiligen Geschichte verträgt.  
weder die Madonna und das J esuskind, noch die Ebenso wie manche andere seiner Kunst- und 
andern heiligen Personen beider Geschlechter Zeitgenossen hat J. dc' Barbari keine aus- 
cinen Nimbus um den Kopf haben. schliesslich gleichmässige Bezeichnungsweisc 
Seine Art zu stechen hat Aehnlichkeit mit der seiner Werke angenommen. Auf dem Stillleben 
deutschen llianier, die sich fast alle italienischen in Augsburg steht sein ganzer Name, nebst Da- 
Kupferstecherzu Anfang des 16.Jahrh. zu Nutze tum und Schlangenstab. Andere Bilder tragen 
oder zu eigen zu machen suchten. Er hat viel die Anfangsbuchstaben seines Tauf- und Fami- 
von A. Dürer gelernt, ohne jedoch seiner Sclbst- licnnamens, mit dem Schlangenstabe dazwischen. 
ständigkeit zu viel zu vcrgebent). Seine feinen, Seine Kupferstiche sind nur mit dem Schlangen- 
 stabe bezeichnet und immer ohne Dzttum. Die 
a") Ueber die wechselseitigen Beziehungen zwi- ihm irriümlich zugeschriebenen Holzschnitte 
sehen Dürer und B. vergl. Tllallsing, Dürer, p. finden sich am Schluss unseres Verzeichnisses 
216 fg. und Ephrnssi  d. Litf). aufgeführt.
        

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