Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607397
 Jacopo de' Barbari. 
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lieb und ich setzte mir in den Sinn, wie man lässt, um sich damit ein Sammctwztmms und 
solche Dinge könnte zu Wege bringen. Denn einen mit schwarzem Lammfell gefütterten 
mir wollte dieser zuvorgemeldete Jacobus seinen Tuchrock zu kaufen. Von demselben Jahre da- 
Grund nicht klärlich anzeigen, das merkte ich tirt das obenerwähntc Aktenstiick mit dem 
ihm wohl an. Doch nahm ich mein eigen Ding Schlangenstttbe und der Unterschrift rJacobus 
vor mich und las den Vitruvium, der beschreibt de Barbarisu, welcher in italienischer Sprache 
ein wenig von der Gliedermaß eines Mannes. eine von dem Schatzmeister der Statthalterin 
Von oder aus den zweicn obeugenannten Miin- empfangene Zahlung bescheinigt. Das folgende 
nern also habe ich meinen Anfang gßnßlnnlßn Jahr, 1. März 1511, unterzeichnet die Erzherzo- 
nnd habe danach meinem Vorsatze gemäss ge- gin folgende Verordnung; "In Betracht der gu- 
sucht von 'l'ag zu Tage. Zufolge der Bemerkung tcn, gcfalligenund beständigen Dienste, Welche 
Dürerls, dass er damals noch jung gewesen sei Unser vielgeliebter Maler Jacques de Barbaris 
und von theoretischen Dingen nichts gewusst Uns zuvor als besagter Maler und sonst geleistet 
habe, dürfen wir für seine Berührung mit Jaco- hat, in Rücksicht auf seine zunehmende Ge- 
bus von Venedig, worunter kein anderer als Ja- brcchlichkcit und sein hohes Alter, wie darauf, 
copo de' Barbari verstanden werden kann, die dass er von Uns keine Besoldung hat, und auch 
Zeit seines ersten dortigen Aufenthalts am Ende damit er hinfiiro in Unsern Diensten in seinen 
seiner Wanderschaft 1494 ansetzen. Auch ist alten Tagen gemächlicher leben und für seinen 
Jacobus VOH Vßlletlig sicherlich derselbe Meister Unterhalt sorgen könne, verwillig-en wir delnggl- 
Jacob, nin dessen "Büchlein" Dürer bei seinem ben einen Jahrgehalt von 100 Livres", Die hier 
Besuche in Mecheln die Statthalterin bat, wcil gebrauchten Ausdrücke von der Hinfiilligkeit 
er hoffen konnte, daraus nähere Kunde zu gc- und Altersschwäche des Künstlers, wie auch das 
winnen über das, was jener llleister in Betreff von ilnn 1472 gemalte Porträt, urelchtis der Ano- 
des regelrechten menschlichen Kürperniaßcs ge- nymus des Morclli bei dem Kardinal Bcmbo sah, 
wusst und verheimlicht hatte. Das treue An- lassen annehmen, dass er vor 1450 geboren 
denken, welches A. Dürer von seinem früheren wurde. Das Datum seines Todes ist auch nicht 
Verkehr mit einem für ihn so speziell merkwiir- genau bekannt, muss aber zwischen 1511 und 
digen Manne gewisslich bewahrt hatte, mochte 1515 gesetzt werden, weil in dem Inventarium, 
ihn ebenfalls dazu veranlassen. Durch so trif- welches die Erzherzogin von ihrem lliobiliar in 
tige Beweggründe erklärt sich jene Bitte jeden- Mecheln am 17. Juli dieses letzteren Jahres auf- 
falls einfacher und wahrscheinlicher, als durch nehmen liess, Gemälde von dem vverstorbenen 
das lebhafte patriotische Interesse, welches A. Meister Jacques de Barbarisl- erwähnt sind. 
Dürer, wie Harzen glaubt, an dem Zeichenbuchc Von A. Dürer wird J. de" Barbar-i nein guter, 
eines obskuren Nürnberger Malers genommen lieblicher lllaler" genannt, und die von dem Ano- 
hütte. Zu bedauern ist, dass geschätzte und nymus des Morelli gebrauchte Koseform seines 
namhafte Knnsthistoriker die Harzeirschcn An- Namens vBarberinoK, wie auch das in den Inven- 
sichten als Resultat ernster Forschung angese- tarien der Erzherzogin auf seine Bilder bezüg- 
hen und in Umlauf gebracht haben; denn es ist liche Prädikat vköstlich, exquisit, scheint auf den 
nicht zu strenge geurtheilt, wenn man dieselben anmutigen Zug in seiner Kunst hinzudcuten. 
sammt und sonders in das Bereich der Mutmas- Der ungenannte Schriftsteller, der uns eine Be- 
sungen und grundlosen Hypothesen verweist. schreibung von Kunstschätzen in oberitalieni- 
Beim Lichte betrachtetwissen wir initGewiss- sehen Sammlungen der ersten Hälfte des 16. 
heit nur so viel : Jacopo de' Barbar-i ist ein italie- Jahrh. hinterlassen , erwähnt von der Hand un- 
nischer Maler und Kupferstecher, gebiirtig aus seres Künstlers: zwei Porträts, eines von 1472, 
Venedig, von wo er in den ersten Jahren des das andere von 1481, bei dem Kardinal Bembo; 
sechszehnten Jahrhunderts nach den Niedcrlan- vier nicht weniger als 40 Dukaten geschätzte 
den auswandert. A. Dürer in seinem zweiten llliniaturen auf den vier ersten Blättern eines 
venezianischen Briefe vom 7. Februar 1500 sagt, Gebetbuchcs in der Bibliothek des kunstlieben- 
dass Meister Jacob um diese Zeit schon rdraus- den und mit Pietro Aretino befreundeten Zvan 
sen", also nicht mehr in seiner Geburtsstadt ist. Michiel, und mehrere Gemälde im Hause des 
Der Graf Philipp von Burgund, Bischof von venezianischen Patriarchen Domenico Grimani. 
Utrecht, wenn wir der Angabe Geldenhauefs Im Besitz der Statthalterin der Niederlande be- 
trauen dürfen, hatte, auf der Heimreise aus Ita- fanden sich, laut des am 17. Juli 1516 aufgenom- 
lien nach den Niederlanden, den Künstler in sei- mcnen Invcntariums folgende Stücke von J. de 
nen Dienst genommen, um gemeinschaftlich mit Barbari: 
Mabuse sein Schloss Zuytborch mit Malereien Ein großes Bild, einen Hirschkopf und einen 
auszuschmiicken, die nicht zu Stande gekommen Armbrustschützen mit einem Schnäpper dar- 
zu sein scheinen, wenigstens ist uns darüber stellend. 
nichts berichtet. 1510 linden wir Jacopo de" Bar- Ein kleines Bild mit dem Kopf eines Portu- 
bari als wßammerdienei- und Hofnialeru der Erz- giesen, ohne Farbe (grau in grau?) gemalt. 
herzogin lllargarethe, Statthalter-in der Nicder- Ein Crncilix, geschützt 10 Livrcs. 
lande, die ihm T0 Livres 0 Denicrs schenken Ein hl. Antonius, auf Leinivand gemalt.
        

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