Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607299
G-iorgio Barbarelli. 699 
derFormen, eine Unklarheit der Umrisse, in der kämpft ein von nackten Männern gerudertei- 
man schwerlich die Hand Giorgiones wieder- Nachen gegen die wildbewegtcn Wogen, wäh- 
erkennen kann. Der tiefe goldige Ton der Fär- rend der Kahn mit den Heiligen , die den Sturm 
bung, die Wärme der Karnation ist allerdings durch das ZeichendesKi-euzesbeschwören, ruhig 
von ungewöhnlichem Reiz. Nach C. u. C. hat das hcranfährt. Die Aufgeregtheit der ganzen Schil- 
Bild wahrscheinlich einen Nachahmer Sebastians derung, der schwärzlich düstere Ton der ziem- 
dclPiombo zum Urheber-Was den Gegenstand lieh rohen fFärbung deutet auf einen späteren 
desDresdner Gemäldesbetriift, so hatman in dem Meister des 16. Jahrh. Schon in früherer Zeit 
Knaben, dem hier das Horoskop gestellt wird, waren die Ansichten iiber den Urheber dieses 
den Sohn der Lucrezia Borgia vermutet, wegen Bildes, das übrigens starke Ucbermalungen er- 
des weissen Adlers, des Wappens der Este , das fahren hat, sehr verschieden : Vasari schrieb es 
unten in der rechten Ecke reliefartig an einem dem PalmaVeechio zu, Zanetti dem Giorgione, 
Stein angebracht ist. Im Vordergrund des Bil- Sansovino (s. d. Lit.) gleichfalls dem Palma, 
des sitzt eine junge weissgekleidete Frau, den während es Andere , wie letzterer bemerkt, für 
Blick zu dem vor ihr am Boden liegenden nack- ein Werk Paris Bordones hielten, eine Ansicht, 
ten Knaben gewendet; in dem verfallenen Mauer- die das meiste für sich hat. 
werke zur Rechten, in dessen Nische eine Vcuus- Unter den religiösen Bildern, die man B. zu- 
statue steht, sitzt derAstrolog, ein bärtigerAlter, schreibt, wird dem kreuztragenden Christus 
mit Zirkel undHimmelsscheibe; cin junger-Mann (Brustbild) in der Casa Loschi zu Vicenza, 
in ritterlicher Tracht, das Federbarctt in der der grösste Anspruch auf Echtheit zuerkannt. 
Hand, steht an das Gemäuer gelehnt und scheint, Im Ausdruck des Schmerzes von edelster Schön- 
wie die Frau, den astrologischen Ausspruch zu heit, hat das Gemälde; nach einer Aeusserung 
erwarten. Den Mittel- und Hintergrund zur Lin- 0. lllündlerls, bei fester und strenger Modcllirung 
ken bildet eine parkartige Gegend, die von einem der Formen, die an Lionardo erinnert, einen 
Schäfer mit seiner Heerde und anderen kleinen Schmelz, eine Durehsiehtigkeit und Kraft der 
Figuren belebt ist. In diesemBildeist derMangel Farbe, welche die Urheberschaft Barbarellfs 
an Feinheit der Zeichnung und der Modellirung nicht zweifelhaft erscheinen lassen.  Die Ma- 
noch auffälliger, als im vorigen. In den reichen, donna mit dem Kind zwischen der hl. Brigitte 
gesättigten, prachtvollen Farben vermisst man die und einem bärtigen Heiligen im Museo del Prado 
fcingcstimmte Harmonie, die dem Kolorit Gior- zu Madrid , die daselbst den Namen Barbarellfs 
gionefs eigen ist; das Braun der Flcischpartien führt, ein kostbares Werk, das von der ganzen 
erscheint etwas monoton. Vitrlleieht ist das Bild Frische der venezianischen Blütezeit erfüllt ist, 
dem Girolamo Pennacchi zuzuweisen. wird man für eine Jugendarbeit Tiziaifs halten 
Einanderes Gemälde desDre sdncrMuseums, dürfen, dessen Gepräge vor allem die Madonnen- 
das unter Giorgiones Namen bekannt ist und gestalt an sich trägt; die hl. Brigitte ist der 
mit Recht bedeutenden Ruf hat, die Begegnung Violante Palma's im Wiener Belverlere sehr ähn- 
Jakobs mit Rahel, eine anmutige, idyllische lieh. (Die in Einzelheiten veränderte Wieder- 
Szene in reich entwickelter poetischer Land- holung des Bildes in Blenhcim in England 
Schaft, gibt gleichfalls zu Echtheitsbedenken hat nach C. u. C. Palmesken Charakter.)  Die 
Anlass. Die eigentümliche Lockerhcit der EchthcitderberiihmtenPietainTreviso (Monte 
Pinselfiihrung, die einen Schüler Palma's di Pieta), die von Ridolii und Boschini (s. d. Lit.) 
vermuten lässt, und die vorherrschenden zuerst fiir ein Werk Barbarcllfs erklärt wurde, ist 
braunen, in den Schatten öfters undurchsichtigen neuerdings gleichfalls von verschiedenen Seiten 
Töne machen die Urheberschaft Carianis von in Frage gestellt worden. Der Leichnam Christi 
Bergamo (GiovanniBusTs) wahrscheinlich. Auch ruht halb sitzend, den Oberkörper stark nach 
der Charakter der Landschaft, der an die waldigc rückwärts gebeugt und von vier nackten Engel- 
Umgebung von Bergamo erinnert, scheint für knaben gestützt, auf der Deckplatte des zu sei- 
diese Annahme zu sprechen. Die Buchstaben ner Aufnahme bestimmten Sarkophags, die quer 
G.  mit denen das Bild, auf dem im Vorder- über diesen gelegt ist. Die schweren herkuli" 
grund liegenden Sack bezeichnet ist, hätten so- sehen Formen des Körpers Christi, die Gewalt- 
nach statt: nGiorgio Barbarelli fecits vGiovanni samkcit in der Verkürzung desselben, das Ab- 
Busi fecits zu bedeuten. sichtliche des Kraftausdrticks und die Mängel 
Ebenso machen sich bei einem vierten, sehr der Zeichnung, die namentlich in den Puttcn 
berühmten Gemälde, das man in der Regel für sehr auffällig sind, sprcr-licii gegen die Autor- 
einWerkGiorgionds ansieht, beider sog. Sturm- schaft Barbarellfs. Die Durchführung, soweit 
besehwörung in der Akademie zu Venedig, sich dieselbe bei dem schadhaften Zustand des 
Zweifel an derEchtheit geltend. Die Darstellung Bildes beurtheilen lässt, scheint nicht in allen 
scheint sich auf die Legende von der wunder- Theilen von derselben lland hcrzuriiliren; vor- 
baren, durch die hl. Markus, Georg und Nikolaus herrschend ist eine virtuose Bravour der Behand- 
bewirkten Errettung Venediefs bei der Sturm- lung; die ebenfalls mit Barbarellfs Art wenig 
fluth vom J. 1:940 zu lueziellu. liehen (lemSchiffo, gemein hat. Nach (lrowo und (lavaltzastelle ist 
das mit den Dämonen des Slurmes benlannt ist, l das WVt-rla in der Hnuptsaclu: XWLllYSrllClllllCll von 
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