Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607275
Giorgio Barbarelli. 
29.7 
volando fuori dell" usata via, altra ne calea tutta 
nnova e spaziosa, e non gia eon una sempliee favil- 
lueia, ma con una lucida face fa lume a chi vuolc 
seguirlo. In quelle di Tiziano e da vedersi nn 
genio piu grande, piii tranquillo eprudente, ehe 
svegliato appena dall' altro, cammina eonlui del 
pari e eamminando oltrepassa, accostandosi a 
quell' alta meta, dove mal piu non giunse llin- 
gegno o l'industrie. d'alcuno iniitatore della bella 
naturaß) Dass Tizian von dem Einflusse Gior- 
gione"s eine Zeit lang sehr entschieden beherrscht 
war, geht aus allem hervor, was wir iiber dasVer- 
hältniss der beiden Meisterwissen. Vasari sagtvon 
dem Bildniss eines Barbarigo, welches er selbst 
gesehn, dass man es zweifellos, wäre es nicht mit 
 Tizian's Namen bezeichnet gewesen, fiir ein Werk 
 Giorgione's würde gehalten haben. Das Gemälde 
,eines kreuztragendcn Christus, das er im Leben 
 Giorgionds unter dessen Arbeiten aufflihrte, spä- 
ter aberin der BiographieTiziads diesem zurück- 
gab, existirt nochjetzt in S. Rocco in Venedig 
und zeigt, obschon es arg gelitten hat, so ent- 
schieden den Typus und die Behandlungsweise 
Giorgiones, dass man es diesem unbedenklich zu- 
schreiben würde, wenn nicht jene Notiz Vasarfs 
dagegen spräche. In den Fondacofresken scheint 
Tizian zuerst selbständig geworden zu sein, je- 
denfalls ging er von da an seinen eignen Weg. 
Nächst der Madonna von Castelfraneo sind fol- 
gende drei Bilder die bedeutendsten, uns erhalte- 
nen Werke Giorgione's : die sog. Famiglia di Gior- 
gione (bis vor kurzem in der Gal. Manfrin zuVene- 
dig, jetzt im Besitz des Principe Giovanelli zu 
F1 o r e n z), die drei Astrologen in derBelvedere- 
Gal. zu W i e n und das Coneert in der Gal. Pitti zu 
F l 0 r e n z , alle drei höchst priignanteBeispiele für 
diejenige Gattung von Darstellungen, als deren 
eigentlichen Erfinder man den Künstler vonjeher 
betrachtet, von der man den BegriH des Giorgio- 
nesken vornemlich abgeleitet hat. Von den bei- 
den zuerst genannten Bildern befand sich, wie 
der Anonymus des Morelli angibt (s. d. Lit.), die 
Famiglia im J. 1530 im Hause des Gabriel Ven- 
dramin zu S. Fosca, das Gemälde mit den drei 
Astrologen im J. 1525 bei Taddeo Contarini. In 
beiden Darstellungen spielt das Landschaftliche 
eine sehr bedeutende Rolle, namentlich in der 
ersteren , wo die Figuren, so interessant und 
fesselnd sie sind, beinahe schon wie Staffage- 
figuren erscheinen. Beiden ist jenes gcheimniss- 
volle Stimmungselement eigen, das ein so we- 
sentliches Merkmal der Kunst Giorgionds aus- 
macht. In dem Bild der sog. Famigliar, auf dem 
sonnigen Rasenhügel im Vordergrund rechts 
sitzt ein jugendliches nacktes Weib, nur den 
Kopf und die Schultern mit einem Tuch bedeckt, 
an der Brust ein Kind, den ernsten träumerischen 
Blick nach dem Beschauei- gerichtet. Links, auf 
der gegenüberliegenden Seite des schmalen 
Baches, der in der Mitte des Vordergrundes den 
Fuss des Hügels bespiilt, steht ein Jüngling, in 
oHnem Wamms und Kniehosen, an seinen Stab 
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c.  eine statuenartige weibliche Figuiyaufrecht- 
stehend, eine zweite sitzend und eine sitzende 
männliche Figur, alle drei fast völlig nackt. NIII 
von der ersten ist gegenwärtig am Gebäude noch 
eine schwache Spur vorhanden, alles Uebrige ist 
verschwunden. Gleichzeitig mit Giorgione, sehr 
wahrscheinlich als Gehilfe desselben, war Tizian 
an der Ausschmiickung des Fondaco beschäftigt, 
er malte die Fresken an der Seitenfassade nach 
der Merceria. Nachdem Beide die Arbeit be- 
endigt, entstand über den Werth derselben, wie 
es scheint, ein lebhafter Streit ; Giorgione's Geg- 
ner liessen es sich, wie erzählt wird, angelegen 
sein, diejenigen Figuren als seine besten Leistun- 
gen zu rühmen, von denen man wol wusste, dass 
sie von Tizian herriihrten. Den Preis seiner Ar- 
beiten fand man zu theuer, so dass er sich ge- 
nötigt sah, an das Urtheil von Kunstgenossen 
zu appelliren, die sich zu seinem Gunsten ent- 
schieden. Dass es zwischen ihm und Tizian in- 
folge dieser Vorgänge zu einem Bruche gekom- 
men, ist nach den Berichten Vasarfs, Dolce's 
und Ridolffs wahrscheinlich. Ohne Zweifel aber 
ward das öffentliche Ansehn Giorgionds durch 
jene Angriffe nicht beeinträchtigt. Sicher ist 
jedenfalls, dass Tizian, so lange Giorgione lebte, 
vom Staat nicht beschäftigt wurde, dieser da- 
gegen gleich nach Beendigung der Fresken am 
Fondaco den Auftrag zur Ausführung eines gro- 
ssen Leinwandgcmäldes für das Audienzzimmer 
des Gran Consiglio im Dogenpalast erhielt. Viel- 
leicht ist es dasselbe, welches sich gegenwärtig 
in der Sammlung von Kingston Lacy befindet 
und das Urtheil Salomo's darstellt (s. u.) Nach 
den Vorschüsscn zu urtheilen, die dem Künstler 
den bei Gualandi (s. d. Lit.) veröffentlichten Ur- 
kunden zufolge für das Gemälde gezahlt wurden, 
war es jedenfalls von beträchtlichem Umfang. 
Ridolii erwähnt, dass B. ein Gemälde für die 
Sala del Gran Consiglio angefangen, welches den 
FusslcussFriedriclFsBarbarossa dargestellt habe. 
WVas den künstlerischen Charakter von Gior- 
gione's Fresken am Fondaco betrifft, so rühmt 
Vasari vor allem die lebensvolle Kraft der Be- 
handlung, setzt aber hinzu, die Bedeutung der 
Gestalten sei weder ihm, noch irgend Jemandem 
der sie gesehen, klar geworden; die eine Figur, 
ein sitzendes Weib mit erhobenem Schwert, zu 
ihren Fiissen das abgeschlagene Haupt eines 
Riesen, habe vielleicht eine Judith, vielleicht 
auch eine Germania sein sollen. (Diese Figur, 
 gleichfalls bei Zanetti abgebildet, ohne Zweifel 
eine Justitia, befand sich an der Seite der Mer- 
ceria und war nicht von B., sondern von Tizian.)  
Bemerkenswerth ist sodann das Urtheil des eben 
genannten Zanetti, dass sich in den Fondacofres- 
ken Giorgiones die Glut und Ursprünglichkeit 
einer aus den gewohnten Bahnen heraustreten- 
den schöpferischen Kraft, in denen Tizian's die 
Grösse eines ruhigeren und maaßvolleren Geistes 
zeige. (vNelle pitture di Giorgione si mostra un 
genio fervido e originale, ehe uscendo o piuttosto 
M eyer, Künstler-Lexikon. 11.
        

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