Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600870
phristoph Angermair   Joh. Aglglbert Angermayer. 
darzustellen begonnen. Im Vorgrunde rechts 
ruht der Flussgott Tiber zwischen Schilf und 
Gras auf seiner Urne, das Ruder in der Linken, 
mit der Rechten den Bart streichend. Vor ihm 
spielen Romulus und Remus, von der saugenden 
Wölfin geliebkost, zu seinen Fussenden ein qua- 
kender Frosch. Im Mittelfelde bringt der Trium- 
phator sein Opfer dem Jupiter Capitolinus dar, 
dessen Tempel die Aufschrift trägt: 10v1 VLTORI 
SACRVM. 
Wie die Anordnung dieses reichen Bilder- 
schmucks eine Phantasie von besonderer Gestal- 
tungskraft verräth, so zeigt auch die Ausführung 
eine Meisterhand. Ueberall ist Leben, Bewegung, 
tüchtige Zeichnung und Verständniss der Natur, 
wie dies namentlich bei den Thieren an den Tag 
tritt, treflliche Individualisirung, gute Behand- 
lung des Nackten und der Gewandung, Sinn für 
Formenschönheit, obwol zugestanden werden 
muss, dass dem Künstler die männlichen Gestal- 
ten besser gelungen sind, als die der Frauen. 
Im bayerischen Nationalmuseum befin- 
den sich endlich noch zwei in Elfenbein geschnit- 
tene Reliefs religiösen Inhalts. 
5) Das eine, mit einem Rundbogen abschlies- 
send, 30 Centim. hoch, 16 breit, stellt die hl. 
Jungfrau auf dem Throne sitzend dar, auf ihrem 
Schooße das liegende Kind, welches die Linke auf 
die Brust legend zu ihr aufblickt. Sie selbst hat 
die Hände gefaltet, der rechte Fuss tritt auf den 
Halbmond. Umgeben ist sie zu ihrer Rechten 
vom hl. Joseph, König David und der hl. Elisa- 
beth, links ihre Eltern, Joachim und Anna nebst 
Zacharias. An den Stufen des Thrones kniet auf 
dem Kreuze voll Hingebung aufwärts schauend 
der kleine Johannes der Täufer, rechts reicht 
ein Engel Krone und Scepter dar. Oben halten 
zwei Engel die Draperie des Vorhanges am 
Throne, darüber in der Bogennische Gott Vater 
mit der Weltkugel, von zwei betenden Engeln 
umgeben, unter ihm das Symbol des hl. Geistes,  
die 'l'aube. 
Das Relief trägt weder Monogrannn, noch 
sonst welche Bezeichnung, aber die ganze Arbeit 
und vorzugsweise die Behandlung der Gewänder 
sowie die Technik stellen dasselbe unzweifelhaft 
als ein Werk des Künstlers hin. Seine Ent- 
stehungszeit fällt wol noch vor die Zeit des 
Miinzschrankes. Die Empfindung und Kompo- 
sition sind noch nicht von fremden, namentlich 
italienischen Eindrücken beeinflusst. 
6) Das zweite Relief, eine hl. Familie (larstel- 
lend , zeigt dagegen überwiegend italienische 
Einflüsse , namentlich von Andrea del Sarto. 
Diese Arbeit, welche das oben gegebene Mono- 
gramm trägt, ist erst gegen das Ende seines Le- 
bens (1632) entstanden und zeigt namentlich, 
dass Peter Candid mit seiner italienischen Bil- 
dung auf die Richtung des Künstlers eingewirkt 
hat. Die Behandlung ist durchweg frei und edel, 
die Technik meisterhaft. 
Andere beglaubigte Arbeiten des Künstlers 
Meyer, Künstler-Lexikon. II. 
mögen noch in auswärtigen Elfenbeinkabineten 
erhalten sein; in München finden sich weitere 
Erzeugnisse seiner kunstreiehen Thätigkeit nicht 
vor. Allerdings erinnern einige Elfenbeinreliefs 
im Bayerischen Nationalmuseum an Angermair, 
aber sie sind doch bedeutend schwächer und 
mögen als Arbeiten seiner Schule gelten. Dass 
übrigens noch manche seiner plastischen Ge- 
bilde bei dem Residenzbrande unter Kurfürst 
Ferdinand Maria zu Grunde gegangen sein mö- 
lgen, ist mehr als wahrscheinlich; denn für die 
lReihe der Jahre, in welchen A. für den herzog- 
lliehen und kurfiirstliehen Hof arbeitete, ist die 
 Anzahl seiner erhaltenen Werke doch zu gering, 
 wenn wir auch annehmen dürfen, dass Manches 
von ihm durch den Kurfürsten Maximilian I. an 
auswärtige befreundete Höfe als fürstliehes Ge- 
schenk kam. 
J. A. Kulm. 
Angermann. A n g e r m a n n, Elfenbein- 
sehnitzer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. 
Man hat von ihm ausgezeichnete kleine Skelette 
in Elfenbein; eines davon, bez. 1672, ist im grü- 
nen Gewölbe zu Dresden. 
s. L an d s b e rg, Das grüne Gewölbe zu Dresden. 
p. 22.  Labarte, Les arts industriels. I. 265. 
A. 11g. 
Angermaml. David Ange r in ann, Minia- 
turmaler, geb. zu Eger 1763 , noch 1808 am 
Leben, hielt sich 1785 und 1'790 in Berlin auf. 
Er lernte bei Anton Graf, nach dem er sich ganz 
gebildet haben soll. Das Verzeiehniss der Ber- 
liner Kunstausstellung von 1786 führt zwei Mi- 
niaturbildnisse von einem Angermann aus Speyer 
auf, der wol unser Künstler ist. 
s. N i e 0 l a i, Nachricht von den Bauineistern, 
Bildhauerin etc.  Meusel, Teutsches Künst- 
lerlexicon.  F üssli, Neue Zusätze. 
W. Schmidt. 
Angermayer. Johann Adalbert (Albert) 
Angermayer oderAngermeyer, Stillleben- 
maler, geb. zu Bilin in Böhmen 1674, lernte un- 
ter Joh. Rudolf Byss und wurde ein ganz 
geschickter , iieissig aber auch mit einer ge- 
wissen Steifheit und Gelecktheit ausführender 
Stilllebenmaler. Dass er, wie Dlabaez sagt, dem 
Abr. Mignon gleiehgekommen sei, oder ihn gar 
übertroffen habe , ist unrichtig. Er liess sich in 
Prag nieder und starb daselbst gegen 1740. In 
der früheren Scottsehen Bildersammlung da- 
selbst befanden sieh einige Werke von ihm, auch 
jetzt noch werden manche seiner Arbeiten in 
Prag anzutreffen sein. Die Beschreibung einer 
kleinen Gemälde- und Kunstsammlung des ver- 
storbenen Hofbuehhändlers Walther zu Dresden 
(1812, 8.) nennt sechs Bilder, todte Thiere, aber 
auch eine Diana und eine Venus von seiner 
Hand. In S eh 1 eis sh eim befinden sich 7 Bilder 
von kleinem Format, die Nrn. 408-409, Blumen 
darstellend, in der oberen Abtheilung, und die 
Nrn. 228-231 in der unteren Abtheilung, zwei- 
mal todte Vögel an einem Nagel hängend, ein 
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