Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607251
923'531 
Barbarelli. 
E 
gesteigert. Dass B. auch alseigentlicher P0r- jenseits des Sees eine Heerde, einen jagenden 
trätmaler des höchsten Ansehens genoss, ist Kentauren und einen Einsiedler in seiner Höhle. 
durch mannigfache Zeugnisse verbürgt. Vasari Diesem reizvollen Bilde gegenüber, das sich 
und Ridolfi (s. d. Lit.) berichten, dass er schon durch eine entschieden künstlerische Reife aus- 
friihzeitig Auftrag erhielt, die Bildnisse hervor- zeichnet, haben die beiden andern in Zeichnung, 
ragender Persönlichkeiten zu malen; Katharina Kolorit und Ausdruck etwas jugendlich Unferti- 
Cornaro, die damals in Asolo bei Castelfranco ges, sie verrathen die Hand eines Künstlers, der 
ihren Wohnsitz hatte, die Dogen Barberigo und noch in der Entwicklung begriffen ist. In dem 
Leonardo Loredan u. A. liessen sich von ihm einen ist eine rabbinische Legende aus dem Le- 
porträtiren. ben des Moses dargestellt: Pharao inmitten sei- 
Der nachfolgenden Besprechung der wichtig- nes Hofstaats, vor ihm zwei Engelknaben, die 
steil unter Giorgionäs Namen bekannten Gß- zwei mit Gold und Feuer gefüllte Schalen dem 
lllälde Sllltl durehgehends die Resultate der FOY- kleinen Moses reichen, der spidend in die Flam- 
schungen von C row e und Ca valcasellel zu men greift; den Hintergrund bildet eine waldige 
Grunde gelegt (s.d.Lit.) Ihre Kritik hat das grosse Gegend im Charakter der Umgebungen von 
Verdienst, den künstlerischen Charakter Gior- Castelfranco. In dem zweiten Bild, dem Urtheil 
gißlltfs, über (1011 Sich im Laufe der Zeit die un- Salomds, zeigt sich dasselbe landschaftliche 
sichersten Vorstellungen verbreitet hatten, zu- Motiv mannigfaltiger und reicher entwickelt. 
erst wieder in klarer Bestimmtheit festgestellt Beide haben in der allgemeinen malerischen 
zu haben. Das parteiische UrtheilVasarTs war Stimmung Bellineskeu Charakter, in der Be- 
nicht ohne Wirkung geblieben. Nachdem eine handlungsweise, in der Schärfe der Umrisse und 
Menge Bilder aus späterer Zeit, namentlich aus der ebcnmiissigen Glatte der Farbenflächc er- 
der späteren venezianischen Schule unter Gior- innert namentlich das erste sehr bestimmt an 
gione's Namen gangbar geworden, war man zu- Antonello von Messina.  Zwei andre Bilder, 
letzt dahin gekommen, in ihm einen Maler zu cr- eine Geburt Christi in der Sammlung Beaumont 
blicken, der mit der Feinheit der Form zugleich zu London (früher in der Galerie Fcsch) und 
auch den seelischen Ausdruck dem bloss sinn- das Epiphaniabild in der Sammlung Sir William 
liehen Reize der Farbe geopfert habe. Paul lllantz Miles in L eigh C 0 urt sind breiter und weicher 
in den vOhefs d'oeuvre de la Pcinturea (s. u.) behandelt, erscheinen aber im Uehrig-en jenen 
sagt von G. : JYA ces brillantes fetes de la couleur, frühen Bildern Giorgionds nahe verwandt. Das 
qu'il se donnait a lui meine, il oubliait d'invitcr Gemälde in Leigh Court gilt in der Regel für 
Farne." Für die Kritik. welche Crowe u. Caval- eine Arbeit Gio. Bellinfs. 
casellc, nach Massgabe der am besten beglaubig- Durch historische Zeugnisse als Werk Barba- 
ten Bilder Giorgiones an den übrigen, ihm zu- relli's auf das cntschiedcnste beglaubigt ist das 
geschriebenen Arbeiten übten, ist besonders be- oben bereits genannte Altarbild in der Kirche 
zeichncnd, dass sie das unter Giorgiones Namen zu Castelfranco. Giorgione malte dasselbe 
berühmte "Coneertrr im Louvre aus der Reihe sei- im Auftrag des Condottiere Tuzio Costanzo, der 
ner Originalwerke strichen (s. das Nähere un- um jene Zeit, nachdem er seine Lehnsfürstin 
ten). Von den Uebertreibungcn des koloristischen Katharina Cornaro aus Cypern nach ihrer Resi- 
Prinzips, von den Flüchtigkeiten der Formenbe- denz in Asolo zurückbegleitet hatte , in Castel- 
handlung, die in der späteren venezianischen franco wohnte. Es wird erzählt, dass er nach 
Malerei hervortraten, war-B. noch völlig frei, der dem Tode seines Sohnes lliatteo (1504) die Be- 
geistige Ausdruck steht in seinen Werken mit grabnissstiitte desselben, die Familienkapelle in 
der sinnlichen Macht der Farbenwirkung noch im der Kirche von Castclfranco, von Giorgione 
schönsten Einklang. mit Wandmalereien und einem Altarbild habe 
Unter den dem Künstler zugeschriebenen Bil- schmücken lassen; doch füllt die Ausmalung 
dem, die auf Echtheit Anspruch haben, dürfen der Kapelle und die Ausführung dieses Altar- 
zwei kleine Gemälde in der Uflizien zu Flo- stückes vermutlich in die Zeit vor dem ge- 
r en z als die frühesten gelten: das Wunder des nannten Jahre, da es wahrscheinlicher ist, dass 
kleinen Moses und das Urtheil Salomds. Ein die Kapelle bereits vollendet war, als Matteo in 
drittes Bild, welches zugleich mit diesen beiden derselben bestattet jwnrde. Die Kirche wurde 
aus der Mediceischen Sammlung in Poggio Im- später abgebrochen und an der Stelle derselben 
periale in die Uftizien gelangte, wird daselbst eine neue errichtet, in deren Chor das Altar- 
gleichfalls als ein Werk Giorgiones bezeichnet, gemälde Barbarellils sich gegenwärtig befindet. 
rührt aber nach C. u. C. von Gio. Bellini her und Auch in diesem Bilde sind noch Einwirkungen 
ist ein besonders charactcristischcs Beispiel für der Schule Bellinis und der Malweise Anto- 
jene Kategorie novellistisch legendenhafter nello's von Messina ersichtlich, im Landschaft- 
Schilderungen, der auch die zwei andern Bilder liehen erinnert Manches an die kleinen Bilder 
angehören. Auf einer Terrasse am Seegestade der Uffizien, während sich im Stil des Ganzen 
kniet vor der Jungfrau eine weibliche Gestalt die individuelle Eigenart des Künstlers schon 
zwischen zwei Heiligen, hinter einer Balustrade -in vollkommen typischer Weise und damit zu- 
sieht man Joseph und Paulus, in dem Hügelland gleich der Geist des 16. Jahrhunderts in präg-
        

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