Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607232
Giorgio Barbarelli.  693 
migi Pescari, in seiner Festschrift Per le Nozze stimmt hervor; schon bei ihm istdie farbigeWir- 
"uppati-Fabeni (s. u.) macht als Argumente für kung in einem Grade betont, wie sonst nirgends 
liese Annahme geltend, dass in den Taufregistern in den Bildern gleichzeitigerItaliener. Die gestei- 
lie Namen der Aeltern Giorgiontäs nicht ge- gerte Accentuirung des Kolorits, die Erhöhung 
nannt sind und die Familie Barbarella erst 1638 und Verfeinerung des Farbenreizes ist es denn 
lie sterblichen Ueberreste des Künstlers, viel- auch, die schon Vasari an den Werken Barba- 
eicht um das Unrecht zu sühnen, dessen sich rellPs zunächst und vor allem hervorhebt. In 
lie Vorfahren gegen ihn schuldig gemacht, nach der Biographie Tizians geht er sogar so weit, 
Iastelfranco bringen und hier in der_alten Kirche zu behaupten, dass diese Ausbildung des Kolo- 
5. Liberale bcisetzen liess. rits bereits bei Giorgione und seinen nächsten 
Um die Zeit, wo Antonello von Messina durch Nachfolgern eine Vernachlässigung der Zeich- 
Sinfilhrung der Oelteehnik die venezianische nung zur Folge gehabt, dass sich schon bei ihnen 
Vialweise umgestaltete, kam B. naehäVcncdig, der Mangel der Zeichnung unter dem Reize der 
n die Werkstatt Giovanni Bellinfs, wo er mit Farbe verborgen habe. Die Biographie Tizians 
lem vielleicht um ein Jahr jüngeren Tizian eine findet sich erst in der 2. Ausg. der Vasarfschen 
Zeit lang gemeinschaftlich studirte. Sein selb- Lebensbeschrcibungen (v. J. 1568); das Leben 
ständiges Auftreten bezeichnet den Anfang einer Giorgiones, das bereits in der ersten Ausg. (1550) 
ieuen Epoche, den Beginn der höchsten Blüte erschien, enthält noch keine kritischen Aensse- 
lcr venezianischen Malerei; die Befangenheit, rungen im Sinne der angeführten. Von Partei- 
lie bis dahin auch den vorziiglichsten Leistungen lichkeit der venezianischen Malerei gegenüber 
lerselben noch anhaftete, hat B. zuerst völlig  Standpunkt 
iberwundcn und so für die Entwicklung der zwar schon damals nicht frei; vielleicht aber war 
venezianischen Schule eine ähnliche Bedeutung jenerscharfoTadelinderBioginTiziaifshervorge- 
gewonnen, wie Lionardo da Vinci für die der rufen durch die Polemik imDialogLodovico Dol- 
iorentinisehen. Bei Giovanni Bellini, dem ce's (L'Aretino), der 1557 erschien und die aus- 
uedentendsten Künstler des venezianischen drüekliehe Absicht hatte, den Widersachern der 
Quattroeento, lässt sich in der letzten Periode venezianischen Malerei entgegenzutreten. Gior- 
seiner künstlerischen Entwicklung die befreiende gione gegenüber ist der Tadel Vasaris jedenfalls 
Wirkung, die sein grosser Schüler auf ihn aus- nichts weniger als gerechtfertigt. Die Fein- 
übte, deutlich erkennen. Tizian, nachdem er heit des hbrmengefühles gehört zu den be- 
Bellinfs Werkstatt verlassen, arbeitete mit B. deutendsten und grössten Vorzügen Giorgio- 
eine Zeit lang- gemeinschaftlich; er empfing von he's. Dass dic Zeichnung als Begränzung der 
ihm entscheidende Einiiüsse, und war es seinem Formen, die Linie als solche bei einer hö- 
mächtigen Genie auch vergönnt, den jung- heren Ausbildung der koloristischen Elemente, 
verstorbenen Meister später zu überflügcln, insbesondere des Lufttons, an Strenge ver- 
so bleibt diesem doch der Ruhm, der grossen liert, ist mit Nothwendigkeit in der Natur der 
und freien Stilentwicklung der venezianischen Sache begründet; bei Giorgione ist die Zeich- 
Malerei des 16. Jahrhunderts zuerst Bahn ge- nungindermalerischenDurchführungzivarvöllig 
brechen zu haben. Bei den Zeitgenossen war er aufgegangen, aber dennoch als Grundlage dersel- 
hoeh gefeiert und der Glanz des Tiziansehen ben vonhöchster-Vollendung. Ihre Vollkommen- 
Namens hat den Ruhm Giorgiones nicht zu ver- heitgehörtso sehrzu den charaktcristisehenMerk- 
ringern vermocht. malen seiner Kunst, dass überall, wo es sich bei 
Nur sehr wenige Werke des Künstlers sind uns ihm zugeschriebenen Werken um die Echtheits- 
erhalten; die Wandmalereien. die einen sehr be- frage handelt,die Rücksicht auf die Zeichnungvon 
nächtlichen Theil derselben ausmaehten, sind entscheidender Wichtigkeit ist; immer werden 
siimmtlich, bis auf ganz geringe, kaum nenncns- Mängel der Form bei solchen Werken gegen die 
werthe Ueberreste zu Grunde gegangen, von der Echtheit sprechen. Im Leben Giorgiones rühmt 
grosseu Menge von Bildern, die in den verschie- übrigens Vasari selbst die Feinheit der Modelli- 
denen Galerien Europas seinen Namen tragen, rung, das Relief, die plastische Rundung der Ge- 
werden ihm die meistcn, wie die jüngsten For- staltcn des Künstlersmitbesondcrem Nachdruck; 
schlingen dargethan haben, mit Unrecht zu- er behauptet, dass in dieser Hinsicht die Kunst 
geschrieben. Die wenigen Gemälde aber, deren Lionardds da Vinci, das feine Sfumato seiner 
Echtheit nicht in Frage gestellt werden kann, Licht- und Schattenbehandlunp; auf Giorgione 
sind hinreichende Dokumente für die hohe Be- von Einfluss gewesen , was durch den Umstand 
deutung des Meisters und zeigen die Merkmale, an Wahrscheinlichkeit gewinnt, dass Lionardo 
die von jeher als dic eigentümlichsten seines. sich im J. 1500 eine Zeit lang in Venedig 
Kunstcharactcrs bezeichnet worden sind, in voll- aufhielt. In jeder andern Beziehung ist der Stil 
kommener und prägnanter Weise. Giorgionds von dem des grossen liorentinischen 
Das koloristische Prinzip der malerischen Dar- Meisters, dem der Formenausdruck doch immer 
Stellung, das in der venezianischen Schule zur die Hauptsache blieb, allerdings auf's wesent- 
eigentlichen Herrschaft gelangte, tritt bekannt- lichste versehietlen. In den Bildern, die man als 
lich schon 1D den Werken _Gio. Bellinfs be- Arbeiten aus dem Beginn vonGiorgiones künst-
        

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