Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600854
 Christoph Angermair. 
Schmuck ist für die inneren Flächen aufgespart; wie die Innenseiten der vorderen Fliigelthüren 
denn hier sehen wir auf der einen Seite des dreh- tragen reichlichen bildlichen Schmuck in Bas- 
baren Kastens in das Elfenbein eingelegt rei- und Hautrelief abwechselnd bis zu völlig runden 
zende Emailarbeiten auf Silberplatten von der Figuren , wobei derselbe mit vielem Geschick in 
kunstgeübten Hand des Augsburger Goldschmie- die architektonische Gliederung des Raumes ver- 
des und Emailleurs David Attemstetter (s. die- theilt ist. Ueber dem Hauptgesimse erhebt sich 
sen). Umrahmt werden sie von einer silbernen, dachförmig zulaufend die Bekrönung, welche 
vergoldeten Einfassrmg, welche jedoch aus spä- sich jedoch sehr bald zu einem Piedestal abiiacht, 
terer Zeit stammt; nur die äusserst feingeglie- auf dem die Reiterstatue eines römischen Kai- 
derte und wolverstandene Umrahmung an den SGYB, vielleicht Trajan's, über das Ganze hervor- 
Hauptplatten der Flügelthüren und der Mittel- ragt. Bei den unteren vier Ecken der Bedachung 
fassade sind gleichzeitig. Nicht minder kostbar sitzen vier männliche Gestalten (wahrscheinlich 
ist die Kehrseite des Schrankes. Mit grosscn überwundene Könige) mit gebundenen Händen, 
Stücken von lapis lazuli sind die breiten Flächen jeder in verschiedener Stellung und alle auch im 
und die Stirnseiten der Schubladen belegt, ziem- Ausdruck vortrefflich charakterisirt. Die Haupt- 
lich hohe Säulen mit silbervergoldeten Kapitellen füllung der Vorderseite schmückt eine Victoria 
von demselben Steine bilden den architektoni- auf der Quadriga, den Palmzweig in der Rech- 
schen Schmuck; dazu sind das blendende Weiss ten, mit der Linken das nach beiden Seiten 
des Elfenbeins und die vergoldeten Zierungen muthig ausspringende Viergespann zügelnd; auf 
jeder Schublade sehr wirksam und ansprechend der Rückseite sehen wir einen Adler, die Schwin- 
gestimmt. gen zum Fluge ausgebreitet, Donnerkeile in sei- 
 Ein Schrank von Elfenbein, 1,30 Cent. hoch, nen Fangen, ihm zur Seite geflügelte Victorien 
1,0l breit, 71 tief, alle Aussenseiten wie das In- mit Trophäen nach Art dieser Gestalten in den 
nerc mit lapis lazuli eingelegt, ebenfalls für die Bogcnwinkeln der römischen Triumphbögen. Die 
Herzogin Elisabeth bestimmt und jetzt im N a- rechte Ncbenseite zeigt uns sitzend die gewapp- 
tionalmuseum. Die Einlagen sind bald rund, nete Roma mit dem Palladium in der Rechten, 
bald vieleckig, die Zierung mit Silberornamenten die Haste in der anderen Hand, während sich auf 
sehr spärlich und einfach gehalten. Um so rei- der linken Nebcnseite eine sitzende Victoria mit 
zender ist der architektonische Aufbau der In- Palnlßn und Krßnen ZWiSCheII stehenden Tro- 
nenseiten, der, von grossen Säulen Monolithen phiien bßlindßt- In ähnlicher Weise hat der 
in lapis lazuli getragen, durchaus den Charakter Künstler die Vier Oberen kleinen Füllungen, 
der Spätrenaissance zeigt. Mehr noch als die Welche an den Ecken Widderliöpfe mit Frucht- 
Pracht des Materials wirkt hier das feine Eben- gehängen trennen, dnYCh Waden und Trophäen 
maß der Linien, die reiche Gliederung und der jedeT A" belebt? der Pnssendsie Schmuck Üif 
elegante Aufbau des Ganzen. die krönende Statue des Triumphators. 
3) Ein kleines Elfenbeinschmuckkästchen, Am Unterbau ist die Hauptfassade, entspl-e- 
ebenfalls mit lapis lazuli eingelegt und völlig im (ghend den beiden Flügelthüren, in zwei grosse 
Stile des vorerwähnten Schrankes gehalten, nur Halbnischen zerlegt, mit je zwei korinthischen 
treten hier etwa-B zahlreicher die Vßrgüldßtön und reich ornamentirten Pilastern und rundför- 
Silberornamente auf. Gleichfalls im National- migcm Giebel; der Aufbau des Ganzen reich 
museum. gegliedert im Charakter der Spätrenaissance. 
4) Die Perle der kunstvollen Arbeiten Anger- In den Nischen zwei weibliche Gestalten , links 
maifs bildet der Elfenbcinschrank, welchen Ma- das Alte r th um (die Ge s chich tc  rechts die 
ximilian I. vom Meister zur Aufnahme seiner Münzkunde. Die erste, eine ehrwürdige Ma- 
antiken Goldmünzen fertigen liess. Sechs bis; trone, steht auf Trümmern der Vorwclt; ihre 
sieben Jahre arbeitete A. an diesem Hauptwerkei Rechte hält eine Rolle und lehnt sich auf ein 
der Elfenbeinschnitzkunst in Deutschland, das Piedestal, auf dem wir die Worte lesen: PRISCAE 
seit Anfang dieses Jahrh. im k. Münzkabinet MONVMENTA vnrvsrnrrs; die Linke hat den 
zu München aufbewahrt ist. Welche hohe An- Wallcnden Mantel gefasst und, hält ihn vorne 
erkennung man schon in früherer Zeit diesem zusammen. Im Hintergrunds die Trajansäule, 
Meisterwerke zollte, bezeugen die Worte Bian- das Colosseum und Obelisken. Ein zerfallencr 
coni's in seinen Lettere al Marchese Filippo Triumphbogen, von welchem Moos, Flechten und 
Heroolani sopra alcune particolarita delle Ba- Gras, mit einer Eidechse belebt, hcrabhängen, 
viera etc. (Lucca 1763. p. 46. 47) : vFra le altre schliesst die weitere Durchsicht und zeigt die 
insigni cose troverete nel tesoro di Baviera uno Aufschrift: vTRIB. POT. xr. oos. xrm  Die 
scrignio d'avorio stupendamente lavorato a bassi Münzkunde auf der anderen Fliigelthüre, ein 
rilievi, e ripieno di medaglie grandissime.  volles hübsches reichgeschmücktes Weib, deren 
Questo in ogni senso e il piii bello scrignio, ch'io Züge an Maximilians I. Gemalin Elisabeth von 
sappia d'aver mai veduto in vita miaa. Lothringen erinnern, betrachtet das Brustbild 
Mit der Bekröuung misst derselbe 85 Centi- einer antiken Münze in ihrer Rechten, während 
metcr bei einer Breite von 45 und einer Tiefe die Linke sich auf einen Schild lehnt, dessen 
von 35 Centimetern. Sämmtliche Aussenseiten, ovale Wölbung als Symbol einen Ameisenhaufen
        

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