Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607040
 
Werke aufs neue zuzog, wenig bekümmert, ar- sari's Kritik ist ziemlich objektiv. Späterhin, 
beiteteBmit hartnäckigerKraft und stets auf die in der eigentlichen Barockzeit, zu welcher das 
Vermehrung seines grossen Vermögens bedacht, Zeitalter Bandinellfs nur erst den Uebergang 
bis ins hohe Alter. Noch kurz vor seinem Tode bildet, stand er in grossem Ansehn und schon 
trug er sich mit dem Plan zu einer neuen grossen Borghini (Ende des 16. Jahrh.) spricht von ihn1 
Arbeit, der Ausführung einer Kolossalstatue des in den Ausdrücken entschiedner Bewunderung, 
Neptun für den Brunnen auf der Piazza del Bottari (18. Jahrh.) stellte das Relief am Sockel 
Granduca, und erlangte vom Herzogemicht ohne des Denkmals von Giovanni delle bande nere 
die ihm gewohnten Mittel der Intrigue, auch noch der Antike an die Seite und selbst von 
noch den Auftrag dazu; die Statue wurde später Cicognara wird B. noch in mancher Beziehung 
von Ammanati ausgeführt (s. diesen). Ein merk- überschätzt. Er ist, wie Burckhardt sagt, ein 
würdiges Denkmal seines verhängnissvollen sonderbares Gemisch von angeborencm Talent, 
Wetteifcrs mit Michelangelo ist seine letzte Ar- Reminiscenzen der älteren Schule und einer 
beit. Er hatte gehört, dass Michelangelo eine falschen Genialität, die bis ins Gewissenlose und 
Kreuzabnahme (das oben genannte Werk) für Rohe geht. 
sein Grabmal ausführe; ein ähnliches Werk, be- Die Kunstformen llliehelangelds wirkten wie 
schloss B., solle auch das seinige zieren. Sein ein Bann auf die nachfolgenden Talente; unve1-_ 
natürlicher Sohn Ole mente, der ihn häufig bei mögend, das übermächtige Vorbild zu erreichen, 
seinenArbeitenunterstützteundinRominjungen waren sie doch gezwungen, es nachzuahmen, 
Jahren starb, hatte eine Gruppe des todten Bandinelli vor allen, der Michelangclds Grösse 
Christus und Nikodemus begonnen; diese voll- hasste, war in der Hauptsache nichts anderes, 
endete B. und liess sie in einer Kapelle von S. als ein Nachahmer dessslben. Mit dem Ehrgeiz 
Annunziata zu Florenz, die er für sich und seine jener falschen Genialität trachtete er danach, 
Familie zur Begräbnissstätte ersehen, aufstellen. ihn zu überbieten, mit einer Anstrengung, die sein 
Bald nachher starb er, 72 Jahre alt, den 7. Febr. Talent nicht selten vollständig lähmte und seine 
1560 (nach tlorentinischein Stil 1559). Das Grab- bedeutenden künstlerischen Kenntnisse, die 
mal trägt die Reliefbildnisse Bandinellfs und Frucht energischer und ausdauernder Studien, 
seiner Gattin und die Inschrift: D. O. M. Baccius oft geradezu nutzlos machte. Am deutlichsten 
Bandinel. Divi Jacobi Eques sub hac scrvatoris bekundet sich sein machtloses Ringen mit dem 
imagine a se expressa cum J aeoba Donia uxore Geiste Michelangelds in der Gruppe des Herku. 
quiescit. An. S. MDLIX. les und Cacus. An die Stelle jener Formen- 
Noch sind nachträglich Bandinellfs Zeichnun- grösse, die in llliehelangelds Werken als der 
gen zu erwähnen, in denen er oft bedeutender nothwendigc Ausdruck eines gewaltigen Lebens 
und weit weniger manierirt erscheint, als in erscheint, ist hier das nur Kolossale getreten, 
seinen Skulpturen. Er hatte sich als Zeichner zu- eine prahlerisehc Grossartigkeit, die fast nur 
erst Anerkennung verschafft und war als solcher noch in der räumlichen Vergrösserung der Ver- 
auch späterhin unausgesetzt und vielfach thätig. hältnisse besteht, roh und leer in den Formen, 
Einige seiner frühesten Blätter (eine Kleopatra, ohne innere Energie in der Bewegung der Ge_ 
Gli scheletri u. a.) wurden von Agostino Vene- stalten. Nur in den Fällen, wo er sich, wie in 
ziano, eine Darstellung des Kindermordes von den Figuren der Chorschranken, des krankhaften 
Marco da Ravenna, die Marter des hl. Laurentius, Wetteifers mit Michelangelo entsehlägt, kommt 
eine Komposition, für die er von Glemens VII. sein 'l'a.lent zur Geltung; zuweilen finden sich 
den St. Petersorden erhielt, von Marcanton ge- dann, wie in den Statuen von Adam und Eva, 
stechen (s.  Noch in den letzten Jahren Anklänge an den straffen Naturalismus der 
zeichnete er zwei grosse läartons, die Schöpfung früheren Schule. Alle übrigen Skulpturwerke 
der Eva und die Austreibung aus dem Paradies, Bandinellfs zeigen nichts anderes als den Ver- 
die er für die Herzogin von Florenz von Andrea fall der Kunst. 
del Minga als Oelgemälde ausführen liess (die     
letzteren befinden sich jetzt im Prometheussaal Blldlllsse de S Kunstle": 
des Palast Pitti). Ziemlich zahlreich sind die 1) Angeblicher; Selbstporträt, Kniestück, von Skulp- 
kleineren, mit Feder oder Rothstift ausgeführten turen umgeben, in den Uftizien zu Florenz. Gest, 
Handzeichnungen Bandinellfs, meist einzelne von N_ (3011„ Gast In, Museo Fjnrentino. Fol. 
Figuren, hauptsächlich Akte, in der Regel derb Das Porträt im L eu vrue (Nc. 519), das lange 
und breit, zuweilen aber auch mit einer an Zeit irrtunlhcherweise iur ein Selbstbrldniss 
Donatello erinnernden Strenge behandelt. Die Qandlnenl S gegftlle": "um  Mundler (ESSei 
Sammlung des Louvre bewahrt von seiner Hand d Äme analyse mngue etc") i" am aildres Pop 
   trat und eine Arbeit des Veroneser Giov. Fran- 
eine Reihe Thierstudien, die sich besonders cesco 0mm erklärt 
durch Naturtreue und eine überraschende An" 2) Brustbild, von der Gegenseite gest. zur Porträp 
spruehslosigkeit der Behandlung auszeichnen. Sammmng von Qd1euv,e_ Qhne Namen des Steh 
Bei Lebzeiten Bandinellfs war die Verur- chers. 4. 
theilung seiner Werke zum Theil eine Folge 3) Brnstb. im Profil, Holzschnitt in den Ausg. des 
des Hasses gegen seine Persönlichkeit. Va- Vasari.
        

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