Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607038
 
(Herkules, lass mich los, ich will dir deine Käl- zum geringsten Theil, in einer Restauration des 
ber und alles übrige Viehzeug zurückgeben, den grossen Saales, zur Ausführung kam; später, im 
Ochsen musst du von Bandinelli fordern.) Die J. 1558, bot er sich der Herzogin vonPisa zur Er- 
härteste Kritik des Werkes findet sich in der bauung eines Palastes an, ohne jedoch mit dem 
Selbstbiographie Benvenuto Cellinils, der mit B. Antrag Erfolg zu haben. Für die Wandnisehen 
in heftiger Feindschaft lebte und, wie er selbst in jenem Saal des Palazzo vecehio arbeitete B. 
erzählt, wegen der Ranke, die jener am Hofe eine Anzahl noch jetzt dort befindlicher Porträt- 
des Herzogs Cosimo gegen ihn anzettelte, nahe figuren, die in den Köpfen eine gewisse Grösse 
daran war, ihn umzubringen. Eine Eutschädi- der Auffassung zeigen: eine zweite Statue des 
gung für die öffentliche Verurtheilung seiner Giovanni delle bande nere und die Statuen des 
Arbeit fand B. in der-Anerkennung Clemens VII., Herzogs Alessandro und Leo's X. Die des letz- 
von dem er für die Gruppe, ausser der Be- terenwurdenachBandinellilsTodevonVineenzio 
Zahlung, ein Landgut in der Nähe seiner Villa Rossi vollendet; die in demselben Saal aufge- 
Pizzidimonte erhielt. stellte Gruppe der Krönung KarPs V. durch 
Sein Grabmal gedachte Clemens VII., zugleich Clemens VII. ist wol auch nur zum Theil von B. 
mit dem Leo's X., gleichfalls von B. ausführen ausgeführt. 
zu lassen. Nach dem Tode des Papstes (Ende Noch während er mit diesen Arbeiten be- 
1534) wurden beide Monumente bei Alfonso schäftigt war, wusste er Cosimo zu einer neuen 
Lombardi bestellt; Bandinelli jedoch wusste Unternehmung zu bestimmen. Im J. 1540 hatte 
durch unermüdliches Intriguiren den Auftrag der Herzog an die Dombauverwaltung die Ver- 
wieder an sich zu bringen, betrieb aber, nach- ordnung erlassen, dass von ihr keine Arbeit 
dem er den grössteniTheil der ausbedungenen, vorgenommen werden solle ohne sein und Bandi- 
ziemlieh beträchtlichen Summen eingestrichen, nellils Vorwissen (GayeJI. 498). Auf Antrieb des 
die Ausführung sehr nachlässig und liess die letzteren beschloss er jetzt die Herstellung der 
Arbeit sogar unvollendet stehn, als sich ihm in von Brunelleseo projektirten marmornen Chor- 
Florenz Aussicht auf neue Bestellungen bot. sehranken vor dem Hauptaltar des Doms. Der 
Zwei von Gaye mitgetheiltc Briefe Baldassare plastische Schmuck derselben wurde von B. aus- 
Turinfs, der zum Comitee der Auftraggeber ge- geführt; er besteht aus 88 halberhabenen Figu- 
hörte, berichten über diese Angelegenheit aus- ren, Propheten-, Apostel- und anderen Heiligen- 
fiihrlich und mit dem Ausdruck gerechter Ent- gestalten, die ohne Zweifel die bedeutendsten 
rüstung. Nur einen Theil der Monumente, die Arbeiten des Künstlers sind. In Stellung und 
Reliefs und Nebeniiguren, ganz mittelmässige Bewegung grossentheils sehr glücklich erfunden 
Arbeiten, hat B. späterhin fertig gemacht, und durchgehends, namentlich in den klar und 
während die Statuen Leo's X. und Olemens" VII. in grossen Massen angeordneten Gewändern, ein- 
von Nanni di Baceio Bigio und Raffaello da fach behandelt, zeigen sie am reinsten, was 
Montelupo ausgeführt wurden. (Beide Grabmäler Bandinelli vermochte. Für den Hauptaltar des 
befinden sich in S. Maria sopra Minerva zu Doms arbeiteteerzunächstdieFigureinesAdam, 
Rom.) die er später, weil sie ihm missfiel, zu einem 
In Florenz war es der Herzog Cosimo I., Bacchus umgestaltete (jetzt im Palast Pitti, im 
an dem sich B. m13 einen neuen Gönner ver- Vestibul des ersten Stockes); das Seitenstück 
schaffte. Im Auftrag desselben arbeitete er dazu, eine Eva, verwandelte er in eine Ceres, 
das Monument Giovannfs dellc bande nere (des die er nebst einem Apoll der Herzogin schenkte 
Vaters von Cosimo), das, ursprünglich für die (jetzt im Garten Boboli zu Florenz). Zwei andre 
Kirche San Lorenzo bestimmt, gegenwärtig in Statuen von Adam und Eva, unschöne, aber 
einerEcke des Platzes vor der Kirche aufgestellt in einzelnen Theilen mit auffälliger natura- 
ist; die halbfertige Statue Giovannfs, eine listischer Strenge durchgeführte Figuren (bez. 
plumpe, unbedeutende Figur, die lauge Zeit im 1551), fanden an der Rückseite des Altars ihren 
grossen Saal des Palazzo vecehio stand, wurde Platz, von wo sie 1722 wegen ihrer Nacktheit 
erst 1850 auf das Postament gebracht; das letz- entfernt und in den Salone des Palazzo vecehio 
tere ist reich ornamentirt und trägt ein Relief gebracht wurden. (Jetzt im Bargello zu Flo- 
(Giovanni, von einer Schaar Gefangener um- renz; im Dom befindet sich an ihrer Stelle seit 
geben), das zu Bandinellfs besseren Arbeiten 1722 die Kreuzabnahme Michelangelds). Die 
gehört und in einem einfacheren Geschmack übrigen vonB.fiir denAltai- ausgeführten Skulp- 
durchgeführt ist, als die meisten Werke der da- turen, eine Pieta (der todte Christus, von einem 
maligen, immer entschiedener ,in's Malerische Engel unterstützt) und die Statue eines Gott- 
ausartenden Reliefplastik. vatcr, beide in Komposition und Ausführung 
Obschon ihm die Architektur ein ziemlich sehr gering, gelangten niehtan den für sie be- 
fremdes Gebiet war, hatte er doch den Ehrgeiz, stimmten Platz; jene kein in die Kapelle Baron- 
auch hier sich hervor zu thun. Er legte dem 0011i von S. C1006 zu FIOPCIIZ, diese in (1611 
Herzog- den Plan zu einem Umbau des Palazzg Klosterhof derselben Kirche, wo sie noch jetzt 
vecehio vor, den er mit Giuliano di Baceio Bigio Stöhn- 
entworfen hatte, der aber glücklicherweise nur Um die Angriffe, die er sich durch seine letzten 
Meyer , Künstler-Lexikon. II. 85
        

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