Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607021
672 Bartolommeo Bandinelli-  
in der dortigen Kirche arbeiten sollte. Das Re- und ein Relief mit der Darstellung der Kreuz- 
lief, dessen Ausführung er übernahm (Die Ge- abnahme entwarf. Das letztre liess er von Ja,- 
burt der Maria), war noch nicht fertig, als er sich copo della Barba in Bronze giessen und machte 
mit Sansovino überwarf und Loreto verliess. (Im es Karl V. zum Geschenk, der ihn dafür zum 
Leben Bandinellfs sagt Vasari, dass Rafacllo da Ritter des S. Jago-Ordens ernannte. Zu der- 
Montelupo das Relief vollendete; nach Scrragli, selben Zeit, wo seinem Ehrgeiz diese glänzende 
La Santa Casa abbellita, wurde dasselbe 1531 Gcnugthuung wurde, übertrug ihm die Republik 
von B. selbst beendigt; dieser wäre sonaeh in Genua die Errichtung eines allegorischen Stand- 
dem genannten Jahr ein ZWGllJGS Mal in Loreto bildes des Andrea Doria. Nachdem er in Car- 
gewesen.) Nach Rom zurückgekehrt, erhielt B. rara mit öfteren Unterbrechungen und ziemlich 
auf Verwendung des Kardinals Giulio de" Medici lange daran gearbeitet, liess er es aus Trotz, als 
(des naehmaligen Papstes Clemens VII), in man ihn zu drängen anfing, unvollendet liegen. 
dessen Gunst er sich besonders fest zu setzen Zu Ende des Jahrs 1530, als die Medici die 
wusste, rasch einen neuen Auftrag; Leo X. be- Herrschaft wieder erlangt hatten, war B. naeli 
stellte bei ihm eine lllarmorgruppc, Orpheus und Florenz zurückgekehrt und hatte eine schon 
Cerberus, für den Hof des Palastes der Medici früher begonnene Arbeit wieder aufgenommen, 
in Florenz, die später in das Casino di San Mareo, mit der er nun einen Haupttrirmpf gegen Michel- 
die jetzige Dogane, kam; kurze Zeit nachher angelo auszuspielen hoffte. 1508 hatte der Gon- 
beauftragte ihn der Papst, wieder auf Giulids faloniere Soderini eine Gruppe des Herkules und 
Veranlassung, mit der Ausführung einer Mar- Oacus bei Michelangelo bestellt, die am Thore 
morkopie des Laokoon, die er Franz I. statt des des Palazzo vecchio, der Statue des David gegen- 
Originals, das er demselben unvorsichtigerwcise über, ihren Platz finden sollte; ein mächtiger 
versprochen, zum Geschenk machen wollte. Die Marmorblock lag in den Brüchen von Carrara, 
Arbeit wurde erst 1525, zur Zeit Clemens" VII., schon bereit, aber der Plan blieb unausgeführt, 
vollendet, dem sie so sehr gefiel , dass er be- obschon ihn Michelangelo später bei Leo X. und 
schloss, sie für sich zu behalten und dem König Clemens VII. mehrmals zur Sprache brachte. 
von Frankreich statt ihrer einige antike Statuen B. beschloss, sich der Sache zu bemächtigen; es 
zu schicken. Diese manierirte und vielfach rohe gelang ihm, von Clemens VII. den Auftrag zni- 
Nachbildung der berühmten Gruppe gelangte Ausführung jener Gruppe für den nämlichen 
späterhin zu großem Rufe; der Beifall, den sie Platz und zugleich jenen Marmor zu erhalten, 
damals fand, war jedoch keineswegs ein allge- der 1525 in Florenz für ihn anlangte. Bei dei- 
meiner. Die Gesandten von Venedig, die sich Aussehiifung fiel der Block in den Arno und 
1522 in Rom aufhielten, schrieben an den Senat, konnte nur mit grosser Mühe ans Land gebracht 
dass der Künstler, der den Laokoon kopire, werden; ein satirisehes Epigramm VOn Giov. 
wenn er auch fünfhundertJahre lebe, doch nichts Negretti sagte, der Stein habe sich in den Fluss 
hervorbringen werde, was sich mit dem Original gestürzt aus Kummer über das traurige 1,003, 
vergleichen lasse. Die Prahlerehmitder sich Ban- dass ei- Mieholaogelo entrissen und den Händen 
dinelli vermessen hatte, das antike Vorbild übcr- Bahdiiiellfs übel-liefert werden sollte. Während 
treffen zu wollen, wurde durch einen, Tizian zu- dei- republikanischen Zeii; von 1527-30 war 
geschriebenen, Holzschnitt lächerlich gemacht, dann Hognung- geheißen, dass Michelangelo doch 
der einen großen und zwei kleine von Schlangen noch zu seinem Rechte gelangte; die Signoi-ie 
umwundene Affen darstellte, in derselben Hal- hatte ihm den bereits abozzirten Marmor ange- 
tung, wie die Figuren der Laokoongruppe. 1531 hohen und Michelangelo wai- entschlossen, einen 
wurde die Kopie im Hofe des Palastes der Me- Simson der-ans zu machen, als die Medici zu- 
dici aufgestellt, gegenwärtig befindet sie sich in i-iiekkehi-ien und der Block Bandinelli wieder 
den Uf f i z i en zu Florenz. (Vasari sagt, dass B. zugewiesen wurde. 1534 war die Gruppe fertig 
den rechten Arm des Laokoon aus Wachs cr- und am 1. Mai desselben Jahres Ward sie vor 
ganzte; nach den Beschädigungen, welche die dem Palast, wo sie noch jetzt steht, aufgestellt 
Gruppe 1527 erfuhr, wurde derselbe von Montor- Eine Fluth von Spott- und Schmähgedichten er- 
soli restaurirt. Der gegenwärtige Stucco-Arm goss sich über das Werk, das in Wahrheit die 
ist, nach FeafsAngabe (Mise. 1) von Cornacehioni gewaltigen Ansprüche, mit denen es auftrat, 
im 17. Jahrh. angesetzt; er hat dieselbege- wenig rechtfertigte. Trotz seiner Kolossalitäl; 
streckte, jedenfalls unrichtige Haltung, wie der ist es eine sehr gewöhnliche Arbeit, schwerfallig 
rechte Arm des Laokoon in Bandinellis Klopie.) und wirkungslos, in den Formen roh übel-- 
Als die Medici 1527 zum dritten Male vortrie- trieben, namentlich in der Muskulatur des Hei- 
ben wurden, hielt sich B. in Florenz nicht für kules. dessen Rumpf von der künstlerischen 
sicher und flüchtete nach Lucea. 1530 ging er Kritik jener Tage mit einem Sack voll Kürbissen 
zur Kaiserkrönung Karls V. nach Bologna und verglichen wurde; dem Cacns legte eines (lei- 
von da mit Clemens VII. nach Rom, wo er unter- Spottgediehte folgende Worte in den Mund: 
anderem das später nicht zur Ausführung ge- Emole lieh ihi der, ehe i nioi vitelli 
langte Modell eines Erzengel Michael, der auf Ti renderö eon tutto il tuo bestiame. 
dem Castell S. Angele aufgestellt werden sollte, Ms il 11118, I'M Hllfo 3110010 Bßndinelli- 
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