Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1607017
Bartolommeo Bandinelli. 671 
 
in Urbino und war späterhin, als ein geschickter störung des Kartons erwähnt er späterhiu 
Nachahmer desselben, hauptsächlich in Perugia nicht, und schwerlich ist anzunehmen, dass er, 
thätig. Pascoli erwähnt eine beträchtliche An- wenn B. den Frevel wirklich begangen, nicht 
zahl Oel- und Freskobilder, die er daselbst fiir davon Kenntniss gehabt, noch weniger, dass er, 
verschiedene Kirchen ausführte. der Feind Bandinellfs, ihn verschwiegen haben 
s, Pascoli, vite 48' Pittori etc, Perugini, sollte. Die Erzählung Vatsarfs fandjedochGlau- 
p. 162.  Lanzi, Pitt. lt. Ed. 4. lI. 156. ben, da B. wegen seines ränkesüchtigen und nei- 
x i i" dischen Charakters im übelsten Rufe stand und 
Bandinelli. B a r t ol omm eo oder B acci o sein Hass gegen Michelangelo genugsam bekannt 
Bandinelli, Bildhauer und Maler, bekannt war. 
als Nachahmer und NGb6l1b1llll0l' Michelangelds, Michelangclos Ruhm war die Qual seines Le- 
geb. 12. Nov. 1493 zu Florenz (nicht14S7, wie bcns; er betrachtete ihn als seinen einzigen 
Vasari angibt; s. die Ausgabe von Le Monnier, Rivalen und hoffte mitjedem neuen Werke die 
Tav. alf.). Sein Vater, Michelangelo di Viviano Welt zu überzeugen, dass der Platz, den Michel- 
aus Gaiuole war ein angesehener Goldschmied zu augelo einnehme , ihm gebiihre. Bald nach sei- 
Florenz, der von den ltledici vielfach beschäftigt nen ersten plastischen Versuchen und nachdem 
und begünstigt wurde. Baccio, anfänglich zum e1' sich als Zeichner einen Namen gemacht, trieb 
väterlichen Handwerk bestimmt, kam später zu ihn der Ehrgeiz auf einige Zeit zur Malerei; auch 
dem Bildhauer Giovanfrancesco Rustici in die in ihr Wüllte er Michelangelo überflügeln. Va- 
Lehrc. Unter seinen Studienarbeiten, die das sari erzählt, wie er sich von der koloristischen 
Interesse Leonardo da Vincis erregten, lobt Va- Technik auf listige Art, so dass es scheinen 
sari besonders die Zeichnungen nach dem be- sollte, er sei in derselben ganz selbständig, 
riihmten Karton Michelangelds (Szene aus dem Kenntniss zu verschaffen gesucht und bei An- 
Krieg der Florentiner gegen Pisa) , der damals drea del Sarto sein Bildniss bestellt habe, in der 
(eit dem J. 1505) im Rathssaal des Palastes der Meinung, ihm während der Arbeit das Nöthige 
Signorie in Florenz aufgestellt war. Der Zerstü- absehen zu können, wie aber jener die Absicht 
rung des Kartons beschuldigt ihn Vasari ohne gemerkt und es so einzurichten gewusst, dass 
Zweifel mit Unrecht. In der Biographie Bandi- B. nichts wegbekommen. Die Studien in der 
nelli's, die erst in der zweiten Ausgabe der Va- Oel- und Freskomalerei, zu denen er sich dann 
sarfschen Lebensbeschreibungen (1568) erschien, unter der Anweisung Rossds entschloss, fruch- 
wird erzählt, B. habe sich während des Tumultes, teten wenig; ein paar Oelbilder (Christus in der 
der bei der Rückkehr der Medici im J. 1512 in Vorhöllc und Der berauschte Noah) fielen in der 
dem Palaste geherrscht, in den Saal geschlichen Färbung so unglücklich aus, dass er bald wieder 
und den Karton, um einen Theil desselben in zur Skulptur zurückkehrte. Die ersten plasti- 
seinen Besitz zu bringen, oder aus blossem Hass sehen Arbeiten, mit denen er Erfolg hatte, wa- 
gegen Michelangelo, in viele Stücke zerschnitten. ren die Marmorstatue eines Merkur mitder Flöte, 
lm Leben Michelangelds (1. Ausg.) heisst es da- die später in den Besitz Franz" I. von Frank- 
gegen, der Karton sei zur Zeit von Giuliands reich gelangte, und das Wachsmodell eines hl. 
de' Medici Krankheit (1516) zu Schaden gekom- Hieronymus. Das letztere, das namentlich we- 
men, und zwar durch die Künstler, die ihn stu- gen der anatomischen Strenge derDurchfiihrung 
iirten: nessendo questo cartonc uno studio d'ar- gßliillillt Würde, Verßßiiddtß ihm die Gllllßll des 
teiiei, fu condotto in casa Medici nella salagrtinde Kardinals Gißvailni d? Medici und Seines 31'11- 
ji ggpra; e tal 003a fn cagiong, ehe egli tfQppQ ders Giuliano, denen er schon durch seinen Na- 
l. securta nelle mani degli artelici fu messo, per- 111611 Empfohlen Wdf- Dllrßh ilierlilittlllng Gill- 
nie nella iniirmita del Duca Giuliano, mentre lidIldS Ward ihm (1515) die Ausführung einer 
iessuno badava a tal cosa, fu da loro stracciato Stehle dGS hl- Petrus für den D Omvon F l 0 l'on z 
2 in molti pezzi divisoa. In der zweiten Ausgabe übertragen, die lange Zeit unvollendet blieb und 
1st diese Stelle mit Weglassung der Worte vda. erst 1565 unter Cosimo I. im Dom einen Platz 
oforr und dem Zusatz; ncßnle s'e detto altrßverx erhielt, an einem Pfeiler neben der 'l'ribnna 
viederholtß  fu, coniesedettoaltrove, strac- di San Zßliolii, WO Sie noch jetzt steht. Mit 
ziato.   Vasari nimmt hier also auf jene Stelle dem kolossalcn Modell eines Herknles, das 1515 
m Leben Bandinellfs Bezug, lässt aber in seiner bei Leo's X- (Giovannis de' Medici) Anwesenheit 
iachlässigen Art den Widerspruch mit ihr zu- in Florenz in der Loggia de" Lanzi als Dekora- 
;leich bestehn. Condivi im Leben Michelan- tivnsstiick aufgestellt wurde, gedachte B. über 
;elo's sagt ausdrücklich, dass er nicht wisse, Michelangelds David, der nahebei am Palazzo 
lurch welches üble Geschick der Karton Scha- vecchio stand, zu triumphiren, erlitt aber mit 
len gelitten. Aus Benvenutg Cellinfs Lebens- der ganzmissglücktenFigureine arge Niederlage. 
leschreibnng geht hervor, dass derKarton 1518, Bald nachher ging er nach Rom, um von 
.ls der Bildhauer Torrigiani von London nach Leo X. einen Auftrag zu erlangen. Der Papst 
Florenz zurückkchrte, noch unversehrt war; sandte ihn nach Loreto zu Andrea Sansovino, 
Iellini war damals oder kurz vorher mit der mit dem er gemeinschaftlich an dem plastischen 
iachzeichnung desselben beschäftigt, die Zer- Schmuck der Marmorbalustrade der Santa casa
        

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