Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606525
622 Hans Baldung. 
 
dann bei der Naglei-"schen Annahme nicht er- haben; in der That waren sie auf starke in- 
staunlich auffallen, hätte nur eben dieser eine B. nere Gegensätze angelegt, und man begreift, wie 
und nicht auch der andere, der doch nach des es B. über die vielfach noch unentwickelte, 
Chronisten Erzählung so aweitberuemts war, magere Formgebung Schonganei-"s hinaustrieb, 
Werke nachgelassen? Endlich wird die Strass- So sehen wir ihn denn zu Anfang des l6.Jahrh.mi1; 
burger Angabe auch dadurch bestätigt, dass von voller Hingabe Dürer folgen, nicht in der äusser- 
datirten Werken Grien"s, so weit wir sie kennen liehen Weise, wie etwa ein Schäufelein, sondern 
und Nachricht über sie haben , keines über das mit durchgängiger Wahrung seiner individuellen 
J. 1545 hinausgeht. (Ein Studienkopf, datirt Eigentümlichkeit. Dabei aber kommt erin for- 
1548 , im Kupferstichkabinet zu München, der malcr Ausbildung, in sicherer Führung des Zei- 
ihm zugeschrieben wird, ist nicht von ihm.) chenstifts und Pinsels dem Meister in solchem 
Hand schriften: Ita ths herrnliste u. Bür- Grade nahe, dass diesem Leisliungün Seines Schii- 
ge rbuch im städtischen Archiv zu Strassburg. lers bis vor Kurzem noch beigemessen wurden, 
 Sebald Bühelef s Chronik der Stadt Handzeichnungen und Holzschnitte, wie Ge- 
Straßburg W111 J- 1572 11- LußlV S waPPßn- inäldc; unter letzteren, als incrkwürdigstes Bei- 
buch (beide vor dem J. 1870 zum Bestand der Spiel, Adam und Eva im Palast Pitti zu Florenz 
s"assblli"glef Bibligftfik gehöüglh" kam" (s. oben   Die Individualität des Künstlers 
    
aus dem Staatsarchiv zu Stuttgart Geprage; er ist weltlich undvoll Lust, sich off- 
s. S ch reib er" s Geschichte der Universität Frei- 11911 Auges die damals erst Wleder entdeckte 111111 
bin-g, I. 84 ff. u. Geschichte der Stadt Frei- schärfer beobachtete Natur in all' ihren Erschei- 
hure, 111- 249, Worin Awhivßl" Sßhlleßgalls nungen anzueignen, aber ohne siclitendes Schön- 
aus Strassburg seine urkundlichen Forschungen heitsg-efühl , ohne ein bewusst eystrebtes Ideal 
über B. grossentlieils niedergelegt.  Vier- mit einem Wort. Ohne einen Zug der Renaisl 
ordt, Geschichte der evaiigel. Kirche im Gross- Sauce Kräftig und kühn wie er seiner ganze 
herzogthum Baden ' 1' 17a  W' S tm  Natur nach ist leistet er in Erfindun u d n 
bei, Vaterländische Geschichte des Elsasses, '     g n Aus" 
Suasw 1343,111_568_  Bausch, Peintre- druck oft Erstaunliches, eigenwillig aber auch 
graveur, VII. 302.  B. Jobin, Accuratae und ungestiim, äfßßt 81' nicht selten aus in 
efiigies pontitlcum maximoruni etc. Strassburg schrankenlose Phantastik und derben, hagebii- 
1573 ill Fol- NO- 13-  Crllsills, ARMES chenen Realismus. Gemütvolle Züge sind ihm 
Sllßvicl- Lib. U1-  n- ESP- 111- 163.  Nßg- nicht fremd und namentlich zeigt er eine allsge- 
1er, Moiiograministen, III, No. 988.  Ajl" prägt humoristische Anlage. Von Stimmung oder 
zeiger fur luinde der deutschen Vorzeit. 1805. Laune erscheint er in einer Weise abhängig, in 
N0' 12'  seiner Arbeit in einem Grade ungleich, wie kaum 
 11' Baldung als Malen irgend ein anderer Künstler seiner Zeit. Speziell 
Was Baldungs künstlerischen Charakter be- als Maler zeigt er schon früh einen stark ent- 
triift, so muss man vor allein seine Abhängigkeit wickelten Farbensinn und in seinen reiferen 
von Dürer stärker betonen, als bisher geschehen. Werken erfreuliche Ansätze zu einer eigentlich 
Ganz unberechtigter Weise hat man ihn theils koloristischen Ausbildung; aber immer wieder 
geradezu der schwäbischen Schule beigezählt, gibt er im Hinblick auf Dürer seinem Hang nach 
thcils eine vermittelnde Stellung zwischen der mehr zeiclinender Behandlung in herber Accen- 
niirnberger und schwäbischen Schule einnehmen tuirung jeder Kante, Ecke, jeden Bruche nach, 
lassen. In dem, was seine künstlerische Eigen- ja verfällt in seinen späteren Jahren in einen so 
art ausmacht, besitzt er Vorzüge und Schwächen, trockenen, blassen, im Fleisch sogar fahlen Ton, 
in denen er sich vielleicht allein noch mit Mat- dass man ihn gegenüber seinen Werken aus der 
thäus Griinewald, d. h. dem Meister des Issen- früheren besseren Zeit kaum wieder erkennt 
heimer Altarwerkes berührt. Zuerst hat er sich Seitdem der Issenheimer Altar, wie Woltmann 
vermutlich nach Schongauer gebildet. Dies (Zeitschr. f. bild. Kunst 1873) überzeugend nach- 
leuchtet um so eher ein, als die Malerzuuft zu gewiesen, ihm nicht mehr zugeschrieben werden 
Strassburg, wo B. wahrscheinlich seine Jugend kann, eine Meinung, die wir von jeher vertra- 
verbrachte, ohne Zweifel einem starken Einfluss 11611, hat Sich das Urthßil über ihll als Maler 
vom nahen Colmar her sich nicht entziehen sehr anders gestalten müssen. Er kann nicht 
konnte. Trifft unsere Annahme bezüglich Bfs mehr für einen eigentlichen Entdecker im kolo- 
Geburtsjahr zu, so kann er freilich nicht WQl ristischen Gebiete gelten und muss diesen Ruhm 
persönlicher Schüler Schongauefs gewesen sein; dem Matthäus GPi-inewilld 13138811, dem wirklichen 
aber wenn die beiden Altarbilder im Kloster Urhßberjellßs in der altdeutschen Kunst einzig 
Lichtenthal (s. oben I.) von ihm herrühren, so llaßtßhellden Altßfwßfkßä. 
beweisen sie, dass er die Werke Schongauers Obwol die Zahl seiner erhaltenen Gemälde 
studirte und sich der Kunstweise desselben eine verhältnissinässig beträchtliche ist (gegen 
treu und geschickt anschloss. Indcss scheint 50, also etwa gleich der seines Lehrers Dürer), so 
seiner Natur das milde und gehaltene Wesen sind sie doch, bei ihrer ungewöhnlichen Zerstreu- 
des Meisters Martin nicht lange zugesagt zu ung in Privathände oder kleinere Galerien, sehr
        

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