Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606514
Hans Baldung. 621 
Schwager, der Strassburger Maler Nikolaus Krä-  
mer nach dem Tode ndes Kunstreichen Moler, 
Hans Baldungu dessen vKunstw (d. h. seinen 
künstlerischen Nachlass) vmit einander kaufftg 
habe, und dazu auch eine Haarloeke Diirer's,; 
die B. nach dessen Tode erhalten. Nach desl 
Schwagers Ableben aber habe ihm solches seine  
Schwester geschenkt. Wenn wir auch unter vsol- 
chesa nur die Haarlocke zu verstehen haben, so ist 
doch nicht zu zweifeln, dass das erwähnte Skiz- 
zenbuch, in dem sich vorn Büheler mit derselben 
Hand, die man in seiner Chronik kennen lernen 
konnte, als Eigentümer eingeschrieben hat, aus 
eben dem Nachlass H. B.'s stammt, den der Ma- 
ler Krämer an sich gekauft. Dieser H. B. ist zu- 
folge der Beglaubigung, die Büheler der Locke 
Dürers beigefügt, l 545 gestorben, derUrheber des 
Skizzenbuchs aber stellt sich durch dutzend- 
faches Anbringen des Monogramms ß 
als H. B. Grien heraus; somit ist der Maler 
H. B., der von der Rathsherrnliste zu Strass- 
burg und der Chronik Bühelefs als im J. 1545 
verstorben angegeben wird, identisch mit 
H. B. Grien, und da man nicht zwei Mal ster- 
ben kann, so muss sich entweder die Strass- 
burger, oder die Freiburger Urkunde in Angabe 
seines Todesjahres irren. Ohne Bedenken wird 
man der Strassburger die grössere Autorität zu- 
erkennen dürfen, da ein Rathsbueh immerhin 
mehr Glauben verdient, als eine Hüttenrech- 
nung. Dazu kommt die Bestätigung des Chro- 
nisten, die wenigstens kein Misstrauen verdient. 
Für die Angabe der Freiburger Rechnung lässt 
sich allerdings folgendes geltend machen: 
falls derselben ein Irrtum zu Grunde liegt, 
hat die Kasse des Münsterbaues einen pekuniä- 
ren Schaden erlitten, und es müsste dieser Irrtum 
bei der geschichtlich bekannten Knappheit der 
Mittel, über welche die Kasse zu verfügen hatte, 
ziemlich auEällig erscheinen. Damit verhält es 
sich so. Der Meister hatte einen Leibdings-Vcr- 
trag mit den Hüttenpüegern abgeschlossen, da- 
hin lauteird, dass er, statt sich die ihm für seine 
Arbeit noch zukommenden 250 fl. ausbezahlen 
zu lassen, für sich und seine Frau eine jährliche 
Rente von zusammen 25; ü. vorbehielt, doch so, 
dass mit dem Ableben des einen Ehegatten nur 
die Hälfte derselben ausbezahlt, mit dem Able- 
ben des andern aber die ganze Obligation erlö- 
schen sollte. Dass B. damit durch augenblick- 
liche, vermutlich wünschenswerthc Erleichte- 
rung der Münsterbaukasse einen Tribut lüblicher 
Dankbarkeit und Anhiinglichkeit an Freiburg 
erlegen wollte, wird kaum zu leugnen sein; aber 
eben so fest steht auch, dass seine und seiner 
Frau lange Lebensdauer die wohlmeinende Ab- 
sicht schliesslich ziemlich illusorisch machte. 
Denn, nehmen wir vorweg als feststehend an, 
was nachträglich noch zu beweisen, B. habe bis 
1545, seine Frau aber bis 1552 gelebt, so hat 
ihnen jene Kasse im Laufe dieser langen Zeit 
statt 250 fl. volle 800 ü. ausbezahlt, und wenn 
wir auch Zins- und Zinseszinsberechnung veran- 
schlagen, so wird sie es doch kaum ohne Nach- 
theil gcthan haben. Bei dieser ohnedies schlech- 
ten Stellung zu dem Geschäft müsste es in der 
That sehr verwunderlich erscheinen, dass die 
Miinsterpflege auch noch über Gebühr die Zah- 
lung sollte ausgedehnt haben. Wollen wir ihr 
nicht grosse Nachlässigkeit und der Wittwe Bfs 
nicht betriigliche Gewinnsucht zur Last legen, so 
bleibt der einzige Ausweg, anzunehmen, die 
Pflege habe einen neuen Vertrag mit letzterer 
abgeschlossen, oder ihr aus Pietät für den ver- 
1storbenen Gatten als Gratial 3 Jahre lang die 
volle Leibdingssumme gewährt. Darüber erfah- 
ren wir indess nichts, sondern es laufen im Ge- 
gentheil in den Freiburger Rechnungen die 
Posten durchweg , bis zu dem letzten anno 1552 
ausbezahlten, auf den Namen des Malers selber. 
Die Vermutung liegt nahe , die Hüttenptlege 
habe trotz besseren Wissens aus Bequemlich- 
Äkeit den Posten unter demselben Namen fortge- 
 führt, und unter dem von ihr angegebenen Todes- 
tag Baldungs sei der seiner Frau verstanden. 
Auf Urkunden gestützt, berichtet nun Archivar 
Schneegans in Schreibens Geschichte der Stadt 
Freiburg, dass Frau Baldung ihren Gatten über- 
lebt hat und als Hausfrau des Strassburger Bür- 
gers Philipp Winter anno 1552 verstorben ist. 
 Also kann B. nicht auch in diesem Jahre gestor- 
ben sein. Die Angabe von Schneegans wird 
durch das erwähnte Wappenbuch Luck's bestä- 
tigt, das bei dem Baldungschen Wappen die 
lBemerkung enthält: M552 obiit Margred Haer- 
lerin, J ohanni  Baldung viduaw. Und ebenda 
iwird durch die Bemerkung; M545 obiit Johann 
lßaldung eeleb. pictorc die Angabe des Strass- 
burger Rathsbuches und Bühelers bestätigt. 
Somit behalten die Strassburger Recht. Wie 
sollten wir auch, von allem Andern abgesehn, 
nicht schon deshalb berechtigt sein, den Strass- 
bnrgern besseres Wissen in diesem Falle zuzu- 
trauen, als den Freiburgern, da. es sich doch um 
einen in ihren Mauern verstorbenen Landsmann 
handelt. Und wäre es überdies nicht fast unbe- 
greiflich, wenn der Chronist  sollten wirklich 
zwei Maler des Namens Hans Baldung ganz zur 
selben Zeit neben einander zu Strassburg existirt 
haben  bei der Nachricht vom Tode des Einen 
diese einer Verwechselung so sehr günstige That- 
sache nicht erwähnt und des zweiten Baldung 
auch nicht an einem anderen Orte gedacht hätte ! 
Sollten all" diese Beweise noch nicht genügen, 
den Monogrammisten zu überführen, so möchten 
wir noch daran erinnern, wie die künstlerische 
Kritik uns lehrt, dass alle einem Maler Baldung 
zugehörenden Werke, seien es Gemälde, Zeich- 
nungen, Kupferstiche oder Holzschnitte, insge- 
sammt nur einem und demselben Künstler und 
zwar Hans Baldung mit dem Beinamen Grien 
 zugeschrieben werden dürfen; und müsste es
        

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