Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606498
Hanißaldung L 
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hochgesehiitzt war, beweisen die mehrfachen Bild- 
nisse dieses Fürsten und seiner Familie, die von 
der Hand Baldung's auf uns gekommen sind. Was 
aber dem Meister mehr als all' das Ehre macht, 
ist Dürer" s Freundsehaft,dessen rührender Beweis 
sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Es ist eine 
Locke Dürer's, die B. nach dem Hingang seines 
Lehrers und Freundes zukam und die er wie 
eine Reliquie bewahrte. Eine ausführliche Ge- 
schichte dieser Locke zu geben, ist hier nicht 
der Ort. Nur in Kürze sei erwähnt, dass sie un- 
längst aus dem Besitze des Malers E. Steinle in 
Frankfurt in den der Akademie der Künste zu 
Wien übergegangen und dass die Reihe der frü- 
heren Besitzer direkt bis auf B. zurück zu ver- 
folgen ist. 
Siebenzehn Jahre überlebte Baldung den 
Nürnberger Meister und starb wie dieser kin- 
derlos unter Hinterlassung einer Wittwe. Ueber 
des Meisters Wohnung, die Verwandtschaft sei- 
ner Frau und sein Begräbniss erfährt man 
aus Biihelei-"s oben erwähnter Chronik folgen- 
des; tAuch inn diesem hir obgenanten Jar 1545, 
do ist Alhir inn der Statt Strassburg nam- 
lichen der weitberucmt Hanns Baldung mit 
Todt verschieden und abgangen und ist wohn- 
haft gesessen nemlieh In der Brandgassen gegen 
Graf Bernhart von Ebersteiner Hotf Ein Thumb- 
herr hoher Stift, oder zwischen graue Jacob dem 
Rheingrauen auch ein Thumbherr hoher Stifft 
und geht hinden 11H den graben gegen dem Ross-  
markt hinuss und hatt Herr Christmann Herlin's  
canonici zum Jung. St. petters Schwester zu der 
Ehe gehabt und keine Kinder hinder ihm ver-l 
lassen, und auss seiner Behausung mit einer, 
grossen prozess hinuss zu S. Helena getragen" 
und aldo zu der Erden bestatigt und vergraben 
werdend.  Ist hieraus das Ansehen und die Be- 
liebtheit Bfs bei seinen Mitbürgern ersichtlich, 
so spiegelt sich sein Ruhm auch über die Gren- 
zen seiner Heimat hinaus in den Reimen des 
gelehrten Kanonikus von Toul, Jean Pelerin, ge- 
nannt Viator, die er als Zueignung an die zeit- 
genössischen Künstler zur dritten Auiiage seiner 
Schrift vDe artiüciali perspectivas vom J. 1521 
verfasste und worin er Baldung unter dem Na- 
men Hans Grün verherrlichte. Es war dies in 
dem nämlichen Jahre, wo Dürer in den Nieder- 
landen für die Verbreitung seines Namens sorgte, 
indem er Arbeiten seiner Hand theils verkaufte, 
theils verschenkte. Und sicher verdient es Bal- 
dung heutigen Tages nicht, dass man ihn in 
Werthschiitzung und Gedächtniss gegen Cra- 
nach, Burgkmair und manch" anderen Blinder- 
begabten herabsetzt. Wie redlich cr um seine 
Kunst in reger Arbeit bemüht war, sagt uns sein 
Wahlspruch, der sich in dem Skizzenbuch zu 
Karlsruhe aufbewahrt findet; wHodie aliquid, 
eras nihilu. 
Noch sind einige oben nur angedeutete Um- 
stünde und Streitpunkte eingehender zu prüfen. 
Zunächst die Frage nach des Meisters verschie-  
denen Namen und nach seiner Verwandtschaft, 
nach seinem Todesjahr und endlich die wich- 
tigste, 0b es, wie Nagler in den Monogrammisten 
annimmt, zwei Künstler des Namens Baldung 
zu jener Zeit gegeben. 
Die genealogischen Nachweise über Baldung's 
Familie gibt Schreiber in seinen Mittheilungen 
a. a. 0., indem er sich dabei auf eigene urkund- 
 liche Forschungen in den ArehivenFreiburgs und 
lauf gleich zuverlässige Mittheilungen des Ar- 
lchivars Schneegans aus Strassburg stützt. Als 
 des Malers nächste Verwandte kennt man hier- 
nach einen Bruder Caspar Baldung und Bei- 
der Neffen Pius Hieronymus Baldung; der er- 
stere war seit 1502 Lehrer an der Artisten-, 
später an der Juristenfakultät der Universität 
Freiburg, zuletzt Stadtadvokat zu Strassburg, 
1- 1540, der letztere seit 1506 Lehrer der 
schönen Wissenschaften und des Rechts an 
der Universität Freiburg, seit 1510 Rath der 
vorderösterreichisehen Regierung zu Ensis- 
heim. Als Vater unseres Künstlers lässt sich 
iein Johann Balduug, causarum ecclesiasti- 
carum Argent. jurat. procurator, mit dem Da- 
,tum 1492 angeführt in Luck's bandschriftlichem 
lWappenbuch,  vermuten, aber auch nur ver- 
muten. Um jene Zwei, den Bruder und den 
Neffen, gruppiren sich, urkundlich nachweis- 
bar, noch eine Menge näherer und entfern- 
terer Verwandten unseres Meisters, alle des 
Namens Baldung, woraus unwiderleglich folgt, 
dass auch sein Familienname Baldung und 
nicht Grün oder mundartlieh Grien gewesen, 
wie seit Bartsch eine Reihe von Schriftstellern 
bis zum heutigen Tage annehmen, welche 
Baldung für gleichbedeutend mit Balduin, fran- 
zösisch Baudouin, also für einen Vornamen 
hielten, was schon sprachlich durchaus unhalt- 
lbar. Grien oder Grün war nur ein Beiname, 
äoder Uebernamc speziell unseres B., der sich 
denn auch, ohne einem ferneren Zweifel Raum 
zu gestatten, auf einer der Freiburger Tafeln: 
wJoannes Baldung, cognomine Grien, Gamundia- 
nusn Schreibt. Uebereinstimmend hiermit wird 
ier in einer langen Reihe von Strassburger Ur- 
kunden als vhonestus Joh. Baldung pietor, alias 
Grien, oder vJoh. Baldung pictor, civis Argenti- 
nensisu aufgeführt. Vermutlich gab, wie auch 
Prof. Schreiber annimmt, eine besondere Vor- 
liebe des Künstlers, sich in grüne Stoffe zu klei- 
den, den Anlass zu dieser farbigen Bezeichnung. 
Zwei Figuren, dic man für Porträts des Meisters 
zu halten hat, scheinen diese Annahme zu recht- 
fertigen; auf dem Sebastiansaltardes Hrn. Lipp- 
mann in Wien die ganz in Grün gekleidete Figur 
leines jungen Mannes; auf der Haupttafel der 
XRückseite des Freiburger Hoebaltars die über- 
iaus scharf individualisirte Figur des Mannes im 
grünen Wannns, der eine Hellebarde tragt. Da- 
für, dass diese letztere Gestalt das Porträt des 
Künstlers ist, spricht insbesondere (las Knab- 
lein, das links hinter ihr hervorschauend- eine 
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