Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606449
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Alesso Baldovinetti. 
B. auf das Landschaftliche verwendete, gibt das 
Werk noch jetzt eine Vorstellung. Seine Ge- 
stalten sind meist von plumpen und schwerfal- 
ligen Formen und ohne lebendige Bewegung. 
An künstlerischer Bedeutung steht er gegen die 
Pollajuoli und Peselli entschieden zurück; er 
war, was Vasari eine persona solistica nennt, ein 
Grübler in seinen technischen Experimenten, 
wie in der subtilen Durchführung seiner Bilder. 
Vasari nimmt an, und jedenfalls mit Recht, 
dass die technischen Neuerungen Baldovinettfs 
und seiner Genossen, diese ersten Anfänge der 
italienischen Oelmalerei, noch vor die Zeit fallen, 
wo die vollendete fiamändisehe Oeltechnik, die 
Malweise der Van Eyck, in Italien bekanntwurde ; 
er sagt, dass die italienischen Neuerer vergeblich 
anstrebten, was von diesen Meistern geleistet 
wurde. Die Einführung und Verbreitung der 
Van Eyckschen Technik, die Italien Antonello 
von Messina verdankte (s. diesen), hat jedenfalls 
erst nach dem J. 1465, im Verlauf der folgenden 
Jahrzehnte, stattgefunden; möglich daher, dass 
sie auf die späteren Arbeiten Baldovinettfs Ein- 
fluss hatte. Aus dem 'l'raktat Filarctes, den die 
neuesten Herausgeber des Vasari im Kommentar 
zum Leben Antonellds von Messina zitiren, geht 
zwar hervor, dass eine Kunde von der neuen 
niederländischen Methode schon zwischen 1460 
und 64 nach Florenz gelangte; doch war diese, 
wie das Dokument ausdrücklich sagt, eine ganz 
allgemeine, so dass sich schwerlich annehmen 
lässt, dass die technische Praxis schon von ihr 
 Nutzen gehabt. 
Ein besondres Interesse wendete B. der Mu- 
sivkunst zu und beschäftigte sich auch auf diesem 
Gebiet sehr lebhaft mitVersuchen, das technische 
Verfahren zu verbessern. Mehrere alte Mosaik- 
bilder wurden von ihm restaurirt: 1481 das Mo- 
saik über dcm Portal von S. Miniato, in der Zeit 
zwischen 1482 und 90 am Baptisterium zu Flo- 
renz das Mosaik über dem Portal der Nordseite 
und das des Kuppelraumes. (Richa, Chiese fror.) 
Als Schüler Baldovinettfs sind Domenico Ghir- 
landajo und Graffione bekannt; jener war es 
eigentlich nur in Bezug auf musivische Arbeit, 
doch lassen sich auch in Gemälden desselben aus 
früherer Zeit Einflüsse Baldovinettfs erkennen. 
Bildnisse des Künstlers: 
l) Brustb. in der Ausgabe des Vasari von 1568 (u. in 
späteren), von Vasari gez. u. von C. Coriolano in 
Holz geschn. ; in der Bottarfschen Ausgx, 1759, 
60. Radiruug. 
2] Dass. Gcz. von G. Vasari. Gest. von G. B. O c cc h i. 
4. In: Serie degli uomini i piu illnstrj etc. I. '75. 
 Dass. in Rund. Gcst. in 2 L'Etruria pittrice. I. 
N0. 23. 
Nach ihm gestochen und photographirt; 
l) Die Geburt Christi, in dcrAnnunziata zu Florenz. 
Gius. (Jalendi dis. Gaet Vase ellini incisc. 
qu. Fol. In: L'Etruria pittrice. (Hier genannt: 
Uadorazione de' Pastori.) 
2) Das Bild der Uftizien (Madonna mit dem Kind 
ein Madonnenbild für den Aufsatz eines Altar- 
wcrks lieferte. In Gaye's Carteggio findet sich 
erwähnt, dass Dom. Michelino nach einer Zeich- 
nung Baldovinettfs ein Porträt Dante's malte, 
das im Dom zu Florenz aufgestellt war. In der 
nämlichen Zeit, wo B. die Malereien für S. Tri- 
nitä. ausfiihrte, entwarf er verschiedene Kompo- 
sitionen für Glasfenster in den Kirchen S. llrlar- 
tino zu Lucca und S. Agostino zu Arezzo. 
Baldovinetti gehörte mit den Peselli und Polla- 
j uoli zu der Gruppe florentinischer Maler, die sich 
zu jener Zeit mit besonderem Eifer um die Ver-i 
vollkommnung der malerischen Technik bemüh- 
ten und, der bisherigen Temperarnalerci gegen- 
iiber, durch Anwendung neuer Bindemittel eine 
lebhaftere Wirkung, mehr Glanz und Tiefe und 
eine größere Dauerhaftigkeit der Farbe erstreb- 
ten. Das Neue ihres Verfahrens bestand im We- 
scntlichen darin,dass sie zugeich mit denVehikeln 
der Tempera auch ölige und harzige Substanzen 
als Bindemittel anwandten, und. zwar vornehm- 
lich, wie es scheint, die längst bekannte, aber bis- 
her nur zum Firnissen gebrauchte verniee liquida, 
ein in Leinöl durch Kochen aufgelöstes Harz 
(Sanderae). B. hat nach Vasarfs Bericht diesen 
mit Eigelb versetzten Firniss auch bei Wand- 
malereien als Bindemittel benutzt; von den 
Fresken in S. Trinita sagt Vasari ausdrücklich: 
Abozzö a fresco e poi lini a seceo, temperando i 
colori con rosso d'uov0 mcscolato con vernice 
liquida fatta a fuoeo. Hinsichtlich der Haltbar- 
keit haben sich diese Malereien nur wenig be- 
währt; die neue Farbenmasse, bemerkt Vasari, 
war von so zäher Beschaffenheit und so dick 
aufgetragen, dass sie an vielen Stollen abblät- 
terte. Wahrscheinlich hatte B. auch schon bei 
jener früheren Freske in der Annunziata (nach 
Vasari: una storia a fresco e ritocca a secco) das- 
selbe Verfahren angewendet; von dem Gemälde 
ist fast nur noch die Zeichnung und Untermalung 
übrig, die obere Farbenschicht ist beinahe völlig 
abgesprungen. Besser hat sich das 'l'afelbild in 
den Uffizien erhalten; doch zeigt sich auch hier, 
dass das neue Bindemittel noch mangelhaft, ins- 
besondere zu schweriiiissig war, und namentlich 
bei der Modellirung größerer Partieen noch 
große Schwierigkeiten verursachte.  
Mit der seit Paolo Uceelli immcrbestimmter 
hervortretenden realistischen Richtung der flo- 
rentinischen Malerei standen diese technischen 
Neuerungen in unmittelbarem Zusammenhang; 
am meisten erwiesen sie sich derselben vortheil- 
haft, sofern das neue Bindemittel der malerischen 
Durchführung ungleich mehr in's Detail zu gehn 
gestattete , als die alte Temperateehnik. Die 
Sorgfalt in der Behandlung der Einzelformen, 
die Genauigkeit namentlich in der Schilderung 
der unlebcndigen Dinge hebt Vasari bei B. be- 
sonders hervor. Das Gemälde der Annunziata 
war nach seiner Beschreibung von so minutiöser 
Ausführung, dass uman die Halme und Knoten 
des Strohes zählen konnten; von dem Fleiss, den
        

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