Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606390
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3] David besiegt Goliath. Komposition von vielen 
Figuren zu Fuß und zu Pferde. Auf der Degen- 
scheide des an der Erde liegenden Riesen liest 
man: aomas, und auf dem Kleide des jungen 
Siegers: navm.  gr. qu. F01.  Pass. V. 
p. 39. No. 94. 
4) Der Besuch der Königin von Saba bei König Sa- 
lomo, ein tlgurenreiches Bl. ; weine Kompositionu, 
wie Zani sagt, nvon circa 117 kleinen Figu- 
ren, vier Pferden, neun Hunden, einem Vogel 
und acht Statuenn Unter den n neun Hundenu 
beilnden sich, nebenbei bemerkt, drei Panther. 
Im Mittelgrunde, am Haupteingange eines mit 
Säulen geschmückten Tempels empfängt Salomo, 
begleitet von Hofleuten, die Königin von Saba, 
die ein langes Schleppkleid mit weiten bis an 
die Erde hinabreichenden Hängeärmeln trägt 
und ebenfalls zahlreiches Gefolge bei sich hat. 
gr. qu. F01.  Pass. V. p. 39. No. 95. 
I. Vor der Inschrift über dem Tempelportal, 
II. Mit der Inschrift: TFNPLVM SALOMONIS, 
wobei das N im ersten Wort nicht verkehrt 
geschrieben ist, wie Passavant angibt. 
Nach Zanfs und Passavantfs Ansicht sind 
dieses Bl. und die drei verhergehenden nach 
Botticelli von Baldini gestochen, der aber ganz 
gewiss Nichts mit ihnen zu thun hatte. Auf 
dem letzten B]. steht im Vordergrunde links 
neben einem Pferd ein vom Rücken gesehener 
Mann, der mit der Rechten einen Spiess auf die 
Erde stützt; in der Mitte zwei mit einander 
sprechende Männer, von denen einer zwei Hunde 
an der Leine führt; neben ihnen ein Kind. 
G. Meyer, in Naumannls Archiv, XVI. 93, 
bemerkt: n Diese beiden Gruppen wiederholen 
sich nebst anderen Kleinigkeiten in der nAnbe- 
tung der Königen (II. No. 56), was jedenfalls für 
einen gemeinschaftlichen Eriinder beider Bll. 
sprißhtar Der Stecher ist sicher derselbe, welcher 
die eherne Schlange und den siegreichen David 
gestochen hat; aber der Zeichner ist hier ein 
anderer, wenigstens sind die Figuren in der Kö- 
nigin von Saba und in der Anbetung der Könige 
von schlankeren Verhältnissen und gefälligeren 
Formen. 
5-28) Die Propheten. Folge von 24 Bll. 8. K0- 
pien nach den Propheten Baldinfs (I. N0. 1- 
24).  B. XIII. p. 168-172. Hier werden fol- 
gende Unterscheidungsmerkmale angegeben; 
uDie Schatten sind bei den Originalen mit feinen 
Kreuzschrafflrungen ausgeführt, in den Kopien 
mit einfachen Lagen genährter Striche bewirkt. 
Das Wort Profeta ist immer Propheta geschrie- 
ben; nur bei J esaias und Jonas ist ebenfalls ein 
f gebraucht. Andere Bll., z. B. Samuel, Abdias, 
Haggai, Malachia, sind auch sonst noch mehr 
oder weniger abgeändertß Ich kenne von diesen 
Kopien nur e in e, nämlich den Propheten Amos, 
der in der Originalfolge (I, No. 15) nach dem 
Apostel Paulus des Meisters von 1466 zugestutzt, 
in der Kopie aber ganz anders komponirt ist. 
29-40] Die Sibyllen. Folge von 12 Bll. 8. Ko- 
pien oder vielmehr freie Nachahmungen nach 
Baldinfs Sibyllen (I, No. 25-36).  B. XIII, 
91. No. 9-20 und 95, N0. 21-32, wo es 
heisst: uDiese Sibyllen haben mit den von Bal- 
dini gestochenen nichts zu schaffen; mehrere 
sind ganz verändert; nur die Kimmerische Si- 
bylle und die Sibylla Agrippa haben Zusammen- 
hang mit denjenigen von Baldini. Uebrigens 
Meyer, Künstler-Lexikon. II. 
gleichen sie in Zeichnung und Stichart vollkom- 
men den nach Baldinfs Propheten ausgeführten 
Kopien und rühren unstreitig von demselben 
Meister her; auch haben sie dieselbe Dimensionnr 
nMan hat davon zwei Plattenzustäirde: 
I. Vor dem Aufstich der Figuren; die beiden 
ersten Bll. sind betitelt: Sibylla Oinnne- 
richa und Sibylla Agrippa. 
II. Die Platten sind aufgestochen; die bei- 
den ersten Sibyllen heissen: Sibylla chi- 
mica und Sibylla Agrippaai 
Mir sind von diesen Kopien nur fünf bekannt: 
die Samische Sibylle, originalseitige Kopie in 
breiter Manier nach der Baldinfschen; die Per- 
sische, die Kumäische , die Phrygische und die 
Europäische, die ganz anders komponirt sind, 
als die entsprechenden Baldinfschexl. 
M55) Das Leben Christi und seiner Mutter. 
Folge von 15 Bll. kl. F01.  Nach G. Meyer's 
Mittheilung in Naumanns Archiv (XVI. 90- 
91) enthält die I-Iarzeifsche Sammlung in Ham- 
burg von diesem Werk ein auf Leinen geklebtes 
Exemplar in einer bisher ganz unbekannten 
Vollständigkeit. Die 15 Bll. sind in drei Reihen 
von je 5 Bll. geordnet, die durch 18 Zwischen- 
stücke und 10 Friese mit Kandelabern, gehü- 
gelten Frauengestalten und anderen Verzierungen 
getrennt und zugleich eingerahmt werden. 
Sämmtliche Zwischenstiicke, eben so hoch und 
breit wie die Hauptblätter, sind auch von der- 
selben Arbeit wie diese und bilden ein Ganzes von 
ansehnlichem Umfange. Bartsch, XIII. p. 257 
-267, beschreibt diese Folge unter den Werken 
des Nicoletto von Modena, mit dessen authenti- 
schen Kupferstichen sie jedoch keine Aehnlich- 
keit hat. Heineken (III, 213) gibt sie dem Botti- 
celli. Ottley (pp. 319 und 449] betrachtet sie als 
die Arbeit eines altflorentinischen Meisters, und 
meint, es sei nicht unmöglich, dass sie von der 
Hand Finiguerrafs herrühre. Die Originalzeich- 
nungen schreibt Passavant (V. p. 51) dem Filippo 
Lippi zu, der selbst einige derselben gestochen 
habe; die andern seien von einem Schüler Lippfs 
in Kupfer ausgeführt. Dass diese Bll. von einem 
Meister der ilorentinischen Schule entworfen 
wurden, unterliegt keinem Zweifel. Die Zeich- 
nung und Gruppirung der Figuren, der Cha- 
rakter der Köpfe, der Wurf der Gewänder, die 
mützenartig aufgesetzten Heiligenscheine, die 
architektonisch reichen Hintergründe neben dürf- 
tigen Terrain- und Vegetat-ionsformen  alles 
hat den Charakter jener Schule. Die Ausführung 
des Stiches ist jedoch einigermaßen von der 
tlorentinischen Art abweichend. Die Schatten- 
striche sind zwar auch nur in einer einzigen 
Richtung gezogen, ungefähr so wie in Pollajuolds 
läupferstichen, aber dünner und weicher, und 
ein etwas schiefer Zwischenstrich in Mantegnifs 
Manier verbindet die schrägen Parallelstriche; 
stellenweise trifft man sogar Kreuzschraftirungen, 
die jedoch von Retuschen herrühren mögen. 
Die Platten wurden nämlich von ungeschickter 
und rücksichtsloser Hand aufgestoohen, welche 
die Schattenstriche vergröberte und die Wirkung 
verhärtete. Die Abdrücke des ersten Platten- 
zustandes, von denen ich niemals eine vollstän- 
dige Reihefolge gesehen, zeigen gewöhnlich 
einen blassen und grauen, aber harmonischen 
und sanften Gesammtton. 
41) Die Verkündigung MariSL-B.  Pass. 1. 
77
        

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