Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606194
Baccio Baldini. 589 
Bartsch X. 134, No. 4,(unter den Anonymen 
des 15. Jahrh.).  Ottley II. 333 (dem Bal- 
dini zugeschrieben).  Pass. I. N0. 650: aDeut- 
sches Niell aus dem 16.Jahrh., für welches man 
sich einer Komposition von A. Dürer bedient 
hatm.  N. G. 
57) Derselbe Gegenstand. Zu den Füßen des rechts 
sitzenden Schäfers liegt sein Hund. Mit der 
linken Hand reicht er den Apfel der Venus, die 
in der Mitte steht, nebst Juno und Minerva. lm 
Hintergrunds Landschaft. qu. Oval. 24.  
Ottley II. p. 333 (dem Baldini zugeschrieben). 
 Pass. I. N0. 651 (Niell).  N. G. 
58) Derselbe Gegenstand. Links stehen die drei 
Göttinnen, ganz nackt; rechts schläft Paris, als 
Ritter in voller Rüstung dargestellt; bei ihm 
steht ein alter Mann (Merkur) mit einem Apfel 
in der Hand. Im Hintergrund eine reiche 
Landschaft, worin ein Springbrunnen mit zwei 
pissenden Kindern. Rund. Durchmesser: 45 
Mill.  Ottley II. p. 333, WO das Blättchen dem 
Baldini zugeschrieben ist.  Pass. I. N0. 652. 
sSchöne niederländische Arbeit des 16. Jahrhm 
 N. G. 
59) Amor, nach rechts gehend, hält in der Rechten 
einen Mohnkopf, zwei andere Mohnköpfe in der 
Linken. Rund. Durchmesser: 52 Mill.  
B. XIILp. 99, N0. 1.  Pass. V. p. 45. N0. 106: 
nEiIl schwach gezeichnetes Bl., ganz in Baldinfs 
Manier. Dnchesne hält es für ein Niell, und be- 
schreibt es als solches in seinem Essai, N0. 230.a 
 N. G. 
60) Amor auf einem Adler, reitet nach rechts. 
Rund. Durchmesser: 65 Mill. Seitenstück zum 
Vorhergehenden. B. XIII. p. 99. N0. 2.  
Pass. V. p. 45. N0. 107: vEbenso behandelt wie 
das vorhergehende und von Duchesne als Niell 
beschrieben in seinem Essai, N0. 231.1:  N. G_ 
61) Amor liegt auf einem Delphin, der nach rechts 
schwimmt. Rund. Durchmesser: 56 Mill.  
Pass. V. p. 45. N0. 108: nOttley I. 333 gibt von 
diesem B1. ein Faosimile; aber das Original ist 
feiner im Schnitt und in Baldinfs Manier. Er 
hält es für ein Niell, und wahrscheinlich mit 
Reßllta.  N. G. 
62) Amor, gefesselt und mit verbundenen Augen, 
sitzt auf einem Felsen im Meer. Rund. Durch- 
messer: 56 Mill. Seitenstück zum Vorhergehen- 
den. -Pass. V. p. 45. N0. 109; 12138556! gezeich- 
net als das vorhergehende ; die Erfindung scheint 
dem Botticelli anzugehören, obschon der Stich von 
Baldini ist.u (E   N. G. 
63) Zehn Amorine in einem Weinberg. Im Vorder- 
gründe rechts sitzt ein Amor auf einem Fass 
und zieht daraus Wein mit einem Rohrhalm, 
Weiter zurück, links, treten zwei andere Amo- 
rine die Kelter. Im Hintergrunde ein vierter 
Amor, den halben Leib hinter einem Reben- 
geländer versteckt, während ein fünfter, auf 
einer Leiter stehend, Trauben püückt und sie 
in einen Korb wirft, den einer von seinen Ge- 
fährten mit einem Strick in die Höhe zieht und 
herunterlässt. Unten, an der Leiter, zwei andere 
Amorine; ein neunter iliegt nach den Amorinen 
in der Kelter hin, und ein zehnter, mit einer 
Schaale in der Hand, knieet vor dem Fass.  
Pass. V. p. 48. N0. 121: nSchönes B1. in der 
Sammlung des Hrn. Holford, 1857 auf der Aus- 
stellung in Manchester. N0.   N. G. 
64-113) Das Lehrbilderbuch. Folge von 
fünfzig Bll. gr. 8. 
Diese kunsthistorisch berühmte Folge heisst 
gewöhnlich das Tarokkartenspiel des Mantegna 
(Giuoco di Tarocchi di Mantegna), der weder 
an dem Stich noch an der Zeichnung und Erfin- 
dung irgend einen Antheil hat; die Bll. sind in 
einer Weise ausgeführt, die von der seinigen 
völlig verschieden ist. Ebenso wenig ist diese 
Folge ein Kartenspiel zu nennen. Bekanntlich 
zählt das italienische Tarokspiel 78 Bll. in zwei 
Abtheilungen: die erste begreift 22 eigentliche 
Tarokbll. oder Trümpfe mit Ordnungsnummern; 
die zweite 52 Bll. der französischen Karte, vier 
Reiter und 40 Zahlbll. in vier Reihefolgen , von 
denen jede unterscheidende Bezeichnungen, so- 
genannte Farben hat (Becher, Degen, Münzen, 
Stäbe). Unsere Folge besteht aus fiinf Bilder- 
reihen, jede zu zehn Blatt, also aus 50 Blättern, 
von gleicher Form und Größe, auf denen die 
Stände, die Künste, die Wissenschaften, die 
Tugenden personiflzirt dargestellt sind. Schon 
aus dieser einfachen Angabe des Sachbestandes 
ist ersichtlich, dass diese Bll. schwerlich als Kar- 
tenblätter gedient haben, abgesehen davon, dass 
sie sich wegen des dünnen Papiers und großen 
Formats nicht dazu geeignet hätten. Noch mehr 
streitet dagegen der politische, ethische und scho- 
lastische Inhalt der figürlichen Darstellungen. 
Gleichwol hat man sich lediglich dadurch, dass hier 
die Figuren einzeln wie Kartenbilder dargestellt 
und einige Personiflkazionen, wie Papst, Kaiser, 
Sonne, Mond, Stärke, Gerechtigkeit u. a. auch 
auf alten Tarokkarten angebracht sind, verleiten 
lassen, diese Kupferstichfolge gleichfalls für eine 
Spielkarte zu halten. Passavant(1864) beschreibt 
sie noch als eine solche, ist dabei jedoch der 
naiven Ansicht, dass sie nicht bloß zum Zeit- 
vertreib, sondern auch für die Verbreitung 
nützlicher Kenntnisse unter der Jugend gedient 
habe. Sotzmann (im Kunstblatt, 1845, p. 129 ff.) 
und Galichon (in der Gazette des Beaux-Arts, 
1861, p. 143 ff.) hatten bereits die Unhaltbarkeit 
der gewöhnlichen Meinung entschieden darge- 
than, und über den Inhalt einzelner Bilder- 
reihen, so wie über den Zweck und Charakter 
des ganzen Werkes schätzbare Aufschlüsse mit- 
getheilt, die leider unbeachtet geblieben sind. 
Nach der Meinung des Ersteren ist diese Folge 
eine Zusammenstellung von fünf, schon seit 
Giotto in Italien gangbaren allegorischen Zyklen, 
bei welchen die Buchstaben a, B, c, n, n, nicht 
die Anfangsbuchstaben der Tarokklassenfarben 
Atutti, Bastoni, Coppe, Denari, Espade, sondern 
bloß zur Unterscheidung der mcralisirenden 
Bilderreihen vorgesetzt sind. Galichon erblickt 
darin ein nach Dantdschcn Ideen angeordnetes 
allegorisches Kompendium. Jedenfalls hatte 
diese Sammlung einen moralisch-didaktischen 
Zweck, und ich nenne sie deshalb das Lehr- 
bilderbuch. Wie die Armenbibel, der Heilspiegel 
und andere Holzschnittwerke die Glaubens- 
lehren der Theologie des Mittelalters dem Volke 
in Bildern zu allgemeiner Anschauung brachten, 
ebenso sollte dieses Bilderbuch die am Schluss 
des 15. Jahrh. unter Dichtern, Gelehrten und 
Künstlern verbreitete hurnanere und freiere 
Weltansicht in den größeren Kreis der gebil- 
deten Klassen einführen; gerade wegen dieser
        

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