Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606173
Jaagaie Bald-wi- 
 
theilt, mit großem Unrecht. Passavant (V. p. 221, 
N0. 2] gibt es dem zur venezianischen Schule 
gehörigenMonogrammisten  1511. Erhält 
nämlich das quer durehgestriehene r der obigen 
Inschrift für ein Monogramm, bemerkt aber nicht, 
dass dieser Buchstabe am Ende einer unvollstän- 
digen Inschrift steht. Wer sich nur ein wenig mit 
der lateinischen Epigraphik des Mittelalters be- 
schäftigt hat, der weiss, dass ein großes lateini-  
sches P mit einem geraden Querstrich durch die; 
Schenkel die Abkürzung von man ist. Ausser-i 
dem kann man dem B1. leicht ansehen, dass" 
es fast ein halbes Jahrh. über 1511 zurückreicht. 
Nach dem Stil der Figuren, dem Geist der Auf- 
fassung und der Art der Behandlung ist es ent- 
schieden den Propheten und Sibyllen verwandt. 
Die feinen, engen Kreuzsehraftlrungen, die Ver- 
zierungen am Brokatkleide der Maria, am Saum 
ihres übergeworfenen Mantels und am Thron, 
die Form der Zypressen , der Gräser und Kräu- 
ter, Alles stimmt mit der Eigenthümlichkeit je- 
ner Bll. überein. Auch weisen die Formen der 
Buchstaben auf dieselbe Zeit, in der jene Bilder- 
folge entstand: die sämmtlich verkehrt gesto- 
chenen S, die kleinen q und b anstatt der später 
aufkommenden Q und B der Majuskelsehrift. 
47) Maria mit Heiligen. nMaria, auf einem ziemlich 
hohen Thron, halt mit der Rechten das vor ihr 
auf einem Kissen sitzende Kind. Zwei üiegende 
Engel halten eine Krone über ihrem Haupte. 
Etwa in der Höhe des Kindes, unmittelbar neben 
dem Thron, rechts eine weibliche Heilige, das 
Modell einer Kirche und eine Blume haltend; 
links die hl. Lucia. Mehr im Vorgrunde, rechts, 
Antonius von Padua und Katharina von Alexan- 
dria; links Petrus Martyr und, die Hände zu- 
sammengelegt, das Salbengefäß zu ihren Füßen, 
Maria Magdalena. In der Mitte-ganz vorn, der 
knieende hl. Dominikus mit dem Rosenkranz. 
Hinter der Wand, welche hinter dem Thron hin- 
läuft, ragen vier Cypressen hervor. Das Ganze, 
mit abgestumpften Ecken, wird oben von einem 
Lorbeerkranze, mit Band umwickelt, eingefasst. 
4.  Die reiche Komposition stimmt sehr 
nahe mit Sandro Botticelli, die Behandlung, wie 
Carpenter richtig bemerkt, durchaus mit den 
Blättern des Baldini übereinar Waagen , in 
Naumann's Archiv (1856), I1. 244.  Pass. V. 
p. 41. N0. 99a.  N. G. 
48) Der hl. Antonius von Padua. Dieser Stich 
hat ebenso wie nLeben und Tod der Marian (I, 
N0. 40) elf Abtheilungen von verschiedener 
Größe. In der mittelsten steht der hLAntonius, 
die Rechte erhoben , in der Linken ein offenes 
Buch und einen Lilienstengel. Die andern zehn 
Abtheilungen stellen verschiedene Wunder des 
H1. der: 1) Ein Piiasterstein zerbricht unter 
einem auffallenden Glase; 2) die Befreiung eines 
Besessenen;  die Heilung eines Mannes, wel- 
chem der Kopf gespalten war; 4) das Herz eines 
Geizigen wird in seiner Geldkiste gefunden; 
Ü) der vor einer Hostie knieende Esel; 6) die 
Wiederervveckung eines gestorbenen Kindes; 
7) der Heilige predigt den Fischen; 8) setzt ein 
abgehauenes Bein wieder an; 9) beschwichtigt 
einen Sturm; 10) lässt ein neugebornes Kind 
die Unschuld seiner verdächtigten Mutter bezeu- 
gen. Fol.  So beschrieben im Cat. Gicognara, 
unter den Werken Baldini's, N0. 163.  N. G. 
49) Der hl. Hieronymus . knieend zur Rechten vor 
einer Grotte, hält in der Linken einen Stein 
und entfernt mit der Rechten das Gewand von 
seiner Brust. Sein Kardinalshut liegt bei einem 
Kruzifix zur Linken, welches die verkehrt ge- 
schriebene Inschrift rrvnr (umr) trägt. Im Vor- 
dergrunde liegt eine Löwin (den Bären, welchen 
 Passavant noch auf dieser Seite hinter einem 
Felsen erblickte, konnte ich nicht entdecken, 
und vermuthe, dass er ein Stück Terrain oder 
einen Stein dafür ansah), links stürzt sich ein 
Löwe auf ein anderes reissendes Thier. Hinter 
dem Löwen, im Mittelgrunde, ein Hirsch, und 
weiterhin zwei Schiffe, die durch eine mit zwei 
Thiirmen befestigte Flussenge hindurchfahren. 
Im Hintergrunds rechts zwei Zypressen. qu. 
F01.  Pass. V. p. 17. N0. 20, wo dieses Bl. 
wegen der verkehrten Inschrift auf dem Kruzifix 
als einnener Abdruck von einer alten niellir- 
ten Platte bezeichnet wird!  
50) Die hl. Katharina von Siena, auf einem Teufel 
stehend, vor einer Nische, in der Linken das 
Modell einer Kirche, in der Rechten ein Krnziiix, 
eine Palme und eine Lilie haltend. Oben dar- 
über sind Bäume, auf der Seite vier kleine Darstel- 
lungen aus der Legende der Heiligen: 1) sie betet 
für die Seelen im Fegefeuer, 2) empfängt die 
Wundenmale Christi beim Anhören der Messe, 
3) treibt den Teufel aus dem Leibe eines Beses- 
senen, 4) heilt nach ihrem Tode mehrere Lahme. 
Ueber ihrem Haupte: s  orrxrnrurm. rm  SIENA. 
(die beiden s verkehrt). kl. F01. Nach Waagen 
ein altes Sienesisches Andaehtsblatt, und nach 
Ottley sehr in der sogenannten Baldinfschen 
Manier.  Pass. V. p. 19. N0. 26.  N. G. 
51) Dieselbe Heilige, auf dem Drachen stehend, 
vor einer Nische , in der Rechten ein Buch, in 
der Linken eine Lilie. Zwei Engel in der Luft 
halten eine Krone über ihrem Kopfe; um sie 
herum Bäume. Auf einer Schriftrolle steht mit 
gothischen Buchstaben geschrieben: S. Katerina 
de Senis terciiiordinis predicatorü. Oben darüber 
ist Christus, die Wundenmale zeigend, bärtig 
und ungewöhnlich alt dargestellt. Zwei Leitern 
führen zu ihm hinan. Von der zur Rechten fallt 
ein König herunter; die Inschrift auf einer Rolle 
bezeichnet den Hochmuth als die Ursache seines 
Falles; bei ihm, als Sinnbild des Hochmuths, 
ein Löwe. Auf der Leiter zur Linken steigt ein 
Jüngling in die Höhe; eine Inschrift sagt, dass 
Demuth und Beharrlichkeit ihn erhoben haben, 
und ein Lamm ist das Symbol. Unten die Ge- 
burt Christi. kl. Fol. So beschrieben von 
Waagen.  Nach Bartsc-h (XIII, p. 87, N0. 5), 
ein sehr schlechter Stich, und Probearbeit eines 
Goldschmiedelehrlings. Waagen: vUnzwßifelhaft 
ein Werk des Klosters und als Andachtsblatt 
verkauft, wie das vorhergehende, aber noch 
rauher und xiielloartiger als dieses gestochen. 
Diese Platte entspricht durchaus, wie Car- 
perlter bemerkt, den Kupfern in Monte Sancto 
di Dio, und ist entschieden nach einer Zeich- 
nung Botticellfs von Baldini gestochennr  
N. G. 
B. Mythologie, Allegorie und Poesie. 
52) Der Tod des Orpheus. Komposition von vier 
Figuren. Orpheus, am Boden liegend, stützt 
 sich auf die rechte Hand und sucht mit der er- 
74b
        

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