Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1606057
 
einem Schüler dieses Meisters gesteehen. Die viel- 
lbesproehenen 24 Ornamentenblätter aus der 
lOttdschen Sammlung werden mit gleicher Ge- 
lwissheit von Zani dem Finiguerra, von Ottley 
dem Baldini, von Passavant dem Botticelli zu- 
igetheilt. Nicht einmal über die Zeit und Schule, 
:der gewisse Kupferstiehe angehören, ist man 
einig. Die Folge der Propheten hält Ottley 
für eine zwischen 1460 und 1470 gefertigte 
Erstlingsarbeit Baldinfs; nach Passavants Mei- 
nung ist sie ein gediegenes Werk von der erprob- 
ten Meisterhand Botticellfs, also wenigstens 20 
bis 25 Jahre jünger. Eine andere in der Ge- 
schichte der italienischen Kupferstecherkunst 
noch beriihmtere Folge, die verkehrter Weise 
das vKartenspiel des Mantegnan benannten 50 
Bll. werden , nachdem sie lange für eine Arbeit 
Finiguerrais gegolten, von Zani und Passavant 
einem unbekannten Kupferstecher der vene- 
zianischen oder paduanisehen Schule beigelegt; 
Ottley hingegen will die Hand Baldinfs darin 
erkennen, und Harzen nimmt sie fiir den Marco 
Zoppo aus Bologna in Anspruch. 
Freilich wäre es von großem Interesse, wenn 
wir zu jedem Blatt den Urheber nennen könnten. 
Allein selbst die Namen Baldini und Bottieelli, 
mit welchen wir gegenwärtig die Vorstellung der 
ältesten italienischen Kupferstecher verbinden, 
knüpfen sich an gewisse Kupferstiehe nur durch 
Vermutungen, die bei dem Ersteren allerdings 
etwas Wahrscheinliehes, bei dem Letzteren hin- 
gegen viel Bedenkliches haben. Einer positiven 
und zuverlässigen Grundlage entbehren wir 
gänzlich. Es tragen die meisten Behauptungen, 
die sich auf diese Frage beziehen, in der That 
den Stempel völliger Willkür. 
Ottley versuchte zuerst Baldinfs und Botticel- 
li's Werke bestimmt zu sondern, indem er Jedem 
eine gewisse Anzahl Kupferstiche von gleicher 
oder nahe verwandter Behandlung zuschrieb, 
und die Autorschaft des Malers nach der freie- 
ren, nachlässigeren Art des Vortrags be- 
stimmte. Bis auf die Kupfer zu Dante, die er 
in Bottieellfs Kontingent hineinbringt, weil 
er das Vasarfsche mettere in stampa mit ein 
Kupfer stechen" übersetzt, vertheilt er die Stiche 
ziemlich konsequent und methodisch: wenn 
aber sein Resultat dennoch zu erheblichen 
Zweifeln Anlass gibt, so ist die von Passavant 
in gleicher Absicht unternommene, aber ohne 
alle Kritik und Konsequenz durchgeführte Ar- 
beit absolut zu verwerfen. Passavant beginnt 
in seiner zuversichtliehen Weise: uDass Botti- 
celli selbst sich viel mit Kupfersteehen beschäf- 
tigte, sagt nicht nur Vasari und bezeugen meh- 
rere mit feinem künstlerischen Gefühl behandelte 
Blätter, sondern wird auch noch dadurch bestä- 
tigt, dass er das Blatt, welches die nDelphische 
Sibylleu vorstellt, A b bezeichnet und damit 
deutlich seinen Namen Alessandro Bottieelli an- 
gegeben hatu Die Stelle bei Vasari enthält, wie 
bemerkt, keineswegs die bestimmte Aussage von 
im Klaren gewesen, 0b Botticelli die Zeichnungen 
für die Ausgabe Dante's selbst stach oder von 
einem andern Künstler stechen liess. Da an 
jener ersten Stelle gesagt ist, dass Baldini alle 
seine Werke nach Botticellfs Zeichnungen ge- 
stochen habe, so meinte man auch, dass Vasari 
bei den Worten 1:10 mise in stampan den Baldini 
im Sinne gehabt, und dass die Worte vil meglio 
ehe si vegga di sua manow, die sich anscheinend 
auf einen Kupferstich von Bottieellfs eigener 
Hand beziehen, ebenfalls nur von einem Kupfer- 
stich nach seiner Zeichnung zu verstehen seien. 
Auch zählte ehemals Botticelli nicht zu den 
Kupferstechern; man belegte sonst in der Regel 
jeden altitalienisehen Kilpferstieh, für den man 
keinen Meister mit Gewissheit anzugeben wusste, 
mit dem Namen Baldini, wenn er nur mit den 
längst darunter gangbaren Blättern Aehnlichkeit 
hatte oder nicht zu sehr davon abwich. Bartsch, 
obwohl er zugab, das Indruckgeben, wovon Va- 
sari spricht, könne siehsehr gut nur auf das 
Liefern von Zeichnungen zum Zwecke des Ste- 
chens beziehen, entschied sich gleiehwol fiir die 
Meinung, dass Botticelli selbst in Kupfer gesto- 
chen habe. Seitdem wurde meistens angenom- 
men, dass dieser Maler, bei seiner Rückkehr aus  
Rom nach Florenz (um 147 5 oder 1476), die Ku- 
pfersteeherkunst eifrig getrieben und sich mit 
Baccio Baldini zu einem gemeinsamen Geschäft 
verbunden habe,wobei sein Kompagnon unter sei_ 
ner leitenden und handanlegenden Beihülfe viel 
nach seinen Zeichnungen stach, und-Botticelli 
selbst zuweilen auch allein eine Kupfer-platte 
ausführte. Welche Kupferstiche aber von diesem 
oder jenem Meister oder von Beiden gemein- 
schaftlich gearbeitet seien, lasse sich nicht mit 
Bestimmtheit angeben, weil keines der aus ihrer 
Werkstatt hervorgegangenen Blätter einen Na- 
men, ein Monogramm oder sonst ein spezielles 
Urheberzeichen trage und die Behandlung der- 
selben ohnehin sich sehr gleiche. Anstatt der 
früheren Etikette Baldini hatte man nun eine 
Verlagsfirma Botticelli und Baldini, die eine Zeit 
lang immer Zwei und immer nur Einer waren, 
indem unter Schriftstellern und Sammlern die 
Uebereinkunft zu herrschen schien, die Verlags- 
artikel dieser Firma ungetrennt beisammen zu 
lassen. Bald aber suchte man in dem Kollektiv- 
werk die Schattirungen des Allein- und des Zu- 
sammenarbeitens aufzufinden und Jedem sein 
Theil anzuweisen. Diese kritischen Bemühungen, 
die nach dem Vorgangs des Abbate Zani in Ita- 
lien, mit Ottley in England und Rumohr in 
Deutschland ihren Anfang nahmen und von An- 
deren dann eiü-igst fortgesetzt wurden, führten 
zu den widersprechendsten, aber freilich von 
Jedem mit deünitiver Bestimmtheit ausgesproch- 
nen Resultaten. Das Leben Christi und seiner 
Mutter, 15 Bll., welche Bartseh unter den Wer- 
ken des Nicoleto von Modena verzeichnet, ist 
Ottley geneigt dem Finiguerra zuzuschreiben; 
nach Passavant sind sie von Fra Filippo Lippi und
        

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