Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1605034
 
Antonio Averulino  
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Pforte des Baptisteriums in Florenz (1447) vo1l- Stiles) wurde der Grundstein feierlich gelegt: 
endet war, dass ihr Meister durch die Umstände unter Betheiligung des gesammten Klerus , des 
zur schnellsten Arbeit und damit zu einer gewis- Herrscherpaars und seiner Söhne und Töchter in 
sen Flüchtigkeit gezwungen werden. Jedenfalls Begleitung von Fürsten und Edelleuten. Der 
ist die energische, ja überschwängliche Hingabe, Grundstein , sowie eine zum Andenken geprägte 
die Averlino an die klassische Formenwelt be- Denkmünze, enthielten folgende von Tommaso 
wies, von großer kunstgeschichtlicher Bcdcu- da Riedi verfertigte Inschrift: Francus Sfortiae 
tung. Manche hielten die Umrahmung für eine Dux IV, qui ammissum per praecessorem obitum 
Schöpfung der Alten selber, und für sie sowol m-bis imperium recuperavit, hoc munus Christi 
als für die kleinen Reliefbilder hat noch die paupcribus dedit fundavitque MGCCGLVII die 
Gegenwart alle Anerkennung. Als zeitgcnös- x11 April. Eine Inschrift, die noch gegenwärtig 
sische Historien haben die letzteren noch über- aussen an dem Ospidale maggiore angebracht ist, 
dies für die Kenntniss des damaligen Kultur- gehört einer späteren Zeit an und trägt keines- 
lebens einen besonderen Werth. wcgs den autokratisehen Charakter der ersteren." 
Das gepriesene Grabmonument Martin'sV., das Sie lautet: "Franeiscus Sforziae dux IV 0. m. p. 
sich vor der Konfession in S. GiovanniLaterano p. et eius uxor Bianca Maria Vicecomes, qui 
befindet, die liegende Gestalt des Papstes in pon- situm aedesque dederunt, una cum Mediolanensi 
tifikalem Gewande zeigt und mit anmutigen populo hoc hospitale posuere Meeeenvm Den 
Reliefs verziert ist, wurde unserm Meister zu- Grundstein zu dem vGlorioso Albergo de" poveri 
geschrieben, allein nach Fournier (Rom. p. 94) diGriston  wie Averlino sich ausdrückt  legte 
ist es ganz allein von Simone gearbeitet. der Herzog selbst. Erst nach J ahrhunderten 
Seit 1447, als Nikolaus V. den päpstlichen wurde der Riesenbau, wesentlich im Geiste und 
Stuhl bestieg, war für A. die glückliche Zeit in Baustile seines ersten Schöpfers, vollendet. 
Rom vorüber. Er beklagt sich selber über die Der Gi-nndi-ins ist sehr einfach Der Raum 
Räukß der Römer. die Seinem nächsten Freunde bildet ein Rechteck, 238 Meter lang und 95 Meter 
bereitet Wurden und die dann auch ihn in Sei" breit, angeordnet in ungefähr drei gleiche Theile, 
118m Wirken und Beilagen gehemmt iiäiien- von denen der mittlere in seiner Mitte die Kirche 
Ueberdies wandte der neue Kirchenfürst seine tragen 5011m, während die anderen rechts und 
Gunst ganz anderen Männern In, V01" niißn dem links für die großen Räume bestimmt wurden, 
Leon Battista Albcrti und Bernardo Rosellino, deren Gi-nndrissen man die Form vollkommen 
und unser Meister war froh, als ihn andere Auf- gleichseitigen Kreuze gab Hiei-dni-ch bekam 
träge von dannen riefen- man also einen großen Hofraum im Zentrum und 
Francesßo SfOIZßI, der AVeTiinn in Rnln kßn- bei den Bauten an den Seiten je vier kleinere 
nen und schätzen gelernt hatte, berief ihn zu Höfe zwischen den Sehenkelarmcn der Kreuze. 
sich, nachdem er Herzog von Mailand geworden Die Schenkel jedes Kreuzes sind 95,20 Meter 
war. Der Künstler scheint 1451 zu ihm gekommen lang und 9,52 breit; über ihrer Durchschneidung 
zu sein, da er sich in einem Briefe vom 20. Dez. erheben sich Kuppeln, und in dieser Kreuzung 
dieses Jahres an Picro de' Medici für dessenEm- stehend übßi-giehi; man leicht die vier großen 
pfehlung bedankt (S- die Lii-l- Am 7- Jllii 1452 Korridore, die nach den entgegengesetzten Rich- 
schrieb der Herzog an die Mailänder Dombau- tungen auseinandergehen. Nach aussen hin 
Verwaltung, er habe bereits in 2Briefen verlangt, waren überall, sowol nach allen den Höfen im 
dass an Stelle des kürzlich verstorbenen Filippino Innern als an den Fassaden, Hallen von steiner- 
degli Organi die Meister Antonio de Fiorenza und nen Säulen. Die Hallen an der Fassade jedoch 
Giovanni da Solara zu Ingenieuren beim DOIII- befanden sich nur im unteren Stock, waren ehe- 
bau eingesetzt würden. Er verlange, dass es nun dem durch Eisengitter abgeschlossen und sind 
sofort geschähe. (Nava, Memorie" intorno all später ganz vermauert worden, um mehr Kran. 
origine del duomo di Milano. p. 233.  (Unyewn) kenzimmer zu gewinnen. Einzig und allein die 
Später beauftragte Sforza den Künstler mit der eine Aussenseite des Gebäudes, die nach dem 
Ausführung eines Planes für ein neues großes Kanale zu geht, war allezeit durchaus ohne die- 
Hospital zu Mailand. Lange Zeit hatte es nur sen Schmuck der Kolonnaden. Die großen Fen- 
einzelne zerstreute kleine Asyle dieser Art ge- ster der Fassade sind spitzbogig abgeschlossen, 
geben, bis im J. 1448 alle insgesammt unter die aber ihre Ornamente bekunden in reichster Fülle 
einheitliche Leitung des Erzbischofs Enrieo ka- den Geist der Renaissance. Eine Säule schei- 
men und dieser die tolerante Bestimmungerliess, det sie in zwei Theile, und Terrakotten mit 
alle Kranken, ohne Rücksicht auf Religion und Putten, Blumen und Blattwerk verzieren sie, 
Vaterland, aufzunehmen. Bald wurde auch von während aus schildartigen Vertiefungen ober- 
der gesammten Bürgerschaft die Errichtung eines halb der Säulchen Büsten von Heiligen u. s. w. 
allgemeinen großen Krankenhauses beschlossen. hervorspringen. In diesen Details offenbart der 
Der Herzog und seine Gemalin Bianca Maria Künstler den ganzen Reichthum seinerPhantasie 
Visconti schenkten den Grund und Boden dazu, und die Anmut seines Formensinnes. Als Back- 
ein Schloss mit weitem Garten, und nahmen die steinbau darf sich nur noch der Hof der Certosa 
Sache in ihre Hand. Am 12. April 1457 (alten vonPaviamitdemOspedale maggiorevergleichen. 
Meyer, Künstler-Lexikon. II. 50
        

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