Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1604620
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John James Audubon. 
Mit dem 17. Jahre ging er nach den Vereinigten 
Staaten, woselbst er unter allerlei Abenteuern 
das Zeichnen der Vögel nie aus dem Auge verlor. 
Mit Ausnahme eines einjährigen Aufenthaltes in 
Frankreich blieb er daselbst. Wie fleissig A. 
arbeitete, ersieht man aus folgender Stelle seines 
'I'agebuehes, datirt 25. Okt. 1821 ; vSeitdem ich 
Cineinnati am 12. Okt. 1820 verliess, habe ich 62 
Zeichnungen von Vögeln und Pflanzen , 3 Vier- 
fiissler, 2 Schlangen und 50 Porträts jeder Art 
ausgeführt und habe mich von meinem geringen 
Talent genährt, denn ich hatte keinen Dollar, 
als ich auszog-ß Es begegnete ihm das Unglück, 
dass seine Sanunlung von nahezu 1000 gezeich- 
neter Vögel durch Ratten zu Grunde ging. Un- 
ersehrocken nahm er indessen wieder Flinte und 
Zeichenmaterial zur Hand, und in drei Jahren 
war der Verlust ersetzt. 
Im Dez. 1822 machte A. zu Natchez die Be- 
kanntsehaf t eines Portratmalers Stein ; von die- 
sem erhielt er den ersten Unterricht in der Oel- 
malerei; denn bisher hatte A. bloß mit Kreide 
und Stift gezeichnet oder in Wasserfarben gemalt. 
Später setzte er diese Studien in Philadelphia 
unter Sully fort. 
Den 2G. April 1820 reiste er nach England, wo; 
anfänglich Niemand etwas von der Publikationl 
seiner Vögel in den von ihm gewünschten riesen- 
haften Dimensionen (alle lebensgroß) wissen 
wollte. Der Unermüdliehe begann trotzdem die 
Arbeit, und es gelang ihm, verschiedene Sub- 
skriptionen zu finden. Am 1. Sept. 1828 ging er 
nach Frankreich, wo er große Anerkennung fand. 
Der Blumenmaler Redoute führte ihn beim Herzog 
von Orleans ein, Gerard nannte ihn den König 
der ornithologischen Maler, Cuvier berichtete 
über sein Werk am 22. Sept. im Institut und 
bezeichnete es als das prachtvollste Monument, 
welches bisher der Ornithologie errichtet worden. 
Am 1. April 1829 reiste A. von Portsmouth wie- 
der naeh Neu-York ab, nachdem er das Gelingen 
seines Werkes gesichert und eine Menge Bilder 
für hervorragende Personen gemalt hatte. 
Im J. 1830 reiste er zum zweiten Male nach 
Europa , und. am 15. April des Jahres schrieb er, 
in sein Tagebuch, dass er sich aus allen Schwie-l 
rigkeiten heraus gearbeitet habe. Der 3. SeptÄ 
1831 fand ihn wieder in Amerika. Von Neu-York  
aus wandte er sich, behufs einer längeren Ex- 
kursion, in Gesellschaft mehrerer Assistenten, 
nach Ostfiorida. Einer dieser Assistenten war 
Georg Lehmann, ein Schweizer,- den A. als einen 
der geschicktesten Zeichner nennt, der ihm je 
vorgekommen. Von Florida wandte er sich nach 
Maine und New-Brunswiek, im J. 1533 nach 
Labrador, 1834 zum dritten Male nach England. 
1836 wiederum nach Amerika zurückgekehrt, 
verweilte er einige Zeit in Charleston, und begann 
dort die Studien zu dem Werke nQuadrupeds of 
North Amerieaa, welches er später zusammen mit 
seinem Freunde John Bachmann, und unter Bei- 
hiilfe seiner beiden Söhne, herausgab. Nach einer 
Expedition nach dem Golf und nach Texas schißte 
er sich Ende des Sommers wiederholtnach Europa 
ein, und vollendete daselbst die Zeichnungen Sei- 
ner Vögel, sowie sein großes literarisches Werk 
vOrnithological Biographya (5 Bde. 1832-1839), 
Im Herbst 18349 kehrte er endlich zum letzten 
Male nach Amerika zurück und liess sich in 
Neu-York nieder, wo er bis zu seinem Ende Ver- 
blieb. Am 31. Jan. 1851 wurde er im Trinity 
Kirchhofe beigesetzt. 
Afs Zeichnungen erhalten ihren Werth durch 
ihre naturgetreue Wiedergabe der Formen sowol 
als der lrlarben der 'l'hienvelt. Er begnügte sich 
nicht damit seinem Angenmaße z11 folgen ; 3011- 
dern jeder Theil wurde, wenn es möglich watr, 
mit dem Zirkel gemessen. Dabei zeichnen sich 
seine Darstellungen durch die schlagende Charak- 
teristik und Lebendigkeit der Bewegung aus. E1- 
zeichnete fast nie nach dem ausgestopften Thier. 
Tagelang belauschtc er seine Lieblinge, und  
her begegnet es ihm auch nie, dass seine Vöge1 
aussehen, vals hätten sie zu Porträt gesessenß 
wie er das den Vögeln anderer Künstler verwirft, 
Freilich geht unter seiner realistischen Behand- 
lnngsiveise das eigentlich Künstlerische der 
Darstellung sehr oft verloren, und seine Vögel 
Werschwinden manchmal fast unter dem sie um- 
gebenden Laubwerk. 
A. war Mitglied einer großen Anzahl gelehrte; 
und künstlerischer Gesellschaften.  Seine 
 sämmtlichenOriginalzeichnungenbeünden sich im 
Besitze der historischenGesellschaft in New-York. 
A. erwähnt ein von ihm selbst gezeichnetes 
Porträt, welches er einem Herrn Reuben Haines 
schenkte. In England malte ihn C ru i k s h a n k , 
in Amerika Henry Inman. 
1] Bildniss des Künstlers. Gemalt von Inrnan, 
Gest. von H. B. Hall. In der von seiner Gattin 
herausgegebenen Biographie. 
 2) Brustbild nach einem Daguerotyp von Brndy, 
 lith. von F. d'Avignon. Mit Facsimile. gr, FOL 
 Brustbild. Gemalt von Oruikshank. Gest. von 
C. Turner. 4. 
Ausgaben von seinen Werken: 
1) The Birds of America; frorn original drawings by 
John James Audubon. London, 1827 bis 
20. Juni 1838. 4 Bde. Elepharlt Folie, 
435 kolorirte Platten, in Kupfer gestochen 
von Robert Hav_ell jr., London (mit 
Ausnahme einiger der ersten, welche von 
W. H. Liz z ars , in Edinburgh, gestochen 
 sind) und unter dessen Leitung kolorirt. 
 Als HavelYs Assistenten rühmt A. die 
Stecher Blake , Stewart und Edington. 
(Als Text dazu: Ornithological Bio- 
graphy, or an aecount of the habits of the 
Birds of the United States of North-Ame- 
  rica u. s. w. 5 Bde. gr. 8. Bd. I. Phila- 
delphia 1832; Bd. II. Boston 1835; 
Bd. III-V. Edinburgh 1835_1839. [Auf 
dem Titelblatte fälschlich 1849 l]) 
2)  Dass. in 7 Bdn., die Zeichnungen ver- 
kleinert, lithographirt. New-York 1840 
-44. gr. 8.
        

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