Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1604374
Gärard Audran. 407 
schwach übertragen. Besser gelang es ihm mit Nachbildungen einen leichteren Schwung und 
Domenichino und Ann. Carracci; doch zeigt sich Fluss der Zeichnung als in den gemalten Origi- 
seine Hauptstärke weniger in den Stichen nach nalen zu haben, und jedenfalls sehen wir heut- 
Werken italienischer Meister, als in den Naeh- zutage die ersteren viel lieber als die letzteren. 
bildungen französischer Maler, weil er sich dem Nicht bloß in der Auffassungs- und Gefühlsweise 
ausländischen Stil nicht so innig, wie seiner ein- hielt G. Audi-an gleichen Schritt mit Lebrun; er 
heimischen Kunstweise anzuschmiegen wusste. glich ihm auch in der rüstigen Handfertigkeit. 
Poussin und Le Sueur waren Maler, denen er an Aus dem Datum seiner riesenmäßig großen 
Geistl, an Strenge des Stils und der Zeichnung Platten ersieht man die Schnelligkeit, womit er 
gleichkam und im Vortrag, in der Kraft und dieselben hervorbrachte. Er "stach den nUeber- 
Fülle des Ausdrucks und der Farbenstimmung gang über den Granikusu 1672, die wSchlacht bei 
überlegen war. Was er nach Mignard und Lo- Arbelas1674, den vEinzug Alexander's in Baby- 
brun gestochen hat, bezeugt seine Meisterschaft lonu 1675, und die nNiederlage des Königs Poruss 
im höchsten Grade: es ist dieselbe Art der Em- 1678. Diese letztere Platte ist nahe an 5 Fuss 
piindung und Beseelung; man erkennt den Far- breit und 2 Fuss hoch; G. Audrans geschwinde 
benton derBilderunddenPinselstrich derMeister. Werkmeisterschaft bedeckte demnach binnen 
Nirgends ist der Kupferstecher seiner eigenen 3 Jahren einen Flächenraum von 10 Quadrat- 
Manier gefolgt, aber er hat die Art und Weise schuh mit eben so gleichmässig genauer als all- 
der Originale mit einer Leichtigkeit und Freiheit ggmein harmonischer Arbeit, und lieferte in so 
wiedergegeben, die 1111i dem ausgezeiciliieisieii kurzer Zeit dielweitläuligste und tigurenreichste 
Talente eigen ist. Man weiss nicht, ob er solche Komposition in der größten Dimension, die ein 
Erfolge mit seiner Nadel oder mit seinem Stichel Knpfni-stinh haben kann. 
erreichte ; er gebrauchte beide Mittel mit solchem G, Audmnahatte Vieh; Sehülgr und Nachahmen, 
Takt 111111 Geschmack, Vermengie Sie S0 ein" die sich aus Frankreich insAusland verbreiteten, 
ßißhtßvoll und passend, dass es Scheint, als so dass seine Richtung und Behandlung in alle 
hätten in Seiner Hand jene Zwei WeYkWuge neuerenKnpferstecherschulenübergegangen und 
jeden Augenblick einander ausgeholfen und ein- seitdem ununterbrochen bis auf den heutigen 
stimmig für ein bewliiidemslllfiiiiiigßß Ganzes Zll- Tag gangbar geblieben sind. Er hinterliess eine 
331111111611 Seafbeiiei- Gi Alldrßn Süchte 116111 große Anzahl Blätter, die theilweise in hoher 
31331111611 111 91168611? Sein 39511911611 ging nicht Achtung stehen. Man findet darauf folgende 
auf sorgsame Charakterisirung der Theile im Arten der Bgzeichnung; 
Einzelnen: die Wirkung und Haltung im Ganzen 
blieb stets sein Augenmerk. Seine Art das y (74- F 
Landschaftliche zu behandeln ist breit und '  ' 
leicht, großartig oder ernsthaft, wie die Gegen- 
stände, die er darzustellen hatte; seine Piianzen ß  (3431, _  1 
sind Muster von Naturwahrheit, so dass, wenn 
wir in der wSchlacht am Hydaspesc den Kopf des 
verwundeten Porus mit Interesse betrachtet  Jqpudfrwn, 1nv_ et gßulp (1560 
haben, unsere Aufmerksamkeit sich auch nach  und 15530, 
der zur Rechten befindlichen Distelstaude zu- 
kehrt, weil sie gleich meisterhaft ausgeführt ist.     
Die vier großen Kupferstiche nach den von  e" a"? iecii 
Ch. Lebrun gemalten Bildern aus der Geschichte 
Alexander's des Großen, welche die Sammler    
gewöhnlich vdie Alexanderschlachten von' Au- Ürwriotu" ulrb 
dränn nennen, sind Meisterwerke ersten Ranges, 
und erweckten , bei ihrem Erscheinen jenseits Nicht alle Blätter, welche seinen Namen oder 
der Alpen, von der Vortreiflichkeit der Originale bloß den Namen Audran tragen, wurden voll- 
einen so hohen Begriff, dass die Italiener in der ständig von ihm verfertigt; mehrere sind von 
ersten Verwunderung ausgerufen haben sollen: seinen Schülern, namentlich von seinen zwei 
vArmer Rafael, du bist nicht mehr der Erste k: Ncifen Benoit I. und Jean ausgeführt und von 
sich indess später, als sie Gelegenheit hatten Gerard nur überarbeitet. Nach der bei den 
die Urbilder zu sehen, über den fortdauernden Kupferstechern seiner Zeitgangbaren Sitte hatte 
Vorrang ihres gefeierten Meisters gewiss be- G.Audran einVerlagsgeschäft,welches er zuerst 
ruhigten. Lebrun selbst, wenn einer Ueberlie- für Rechnung der Regierung aux Gobelins, so- 
ferung, die mit dem Charakter dieses eben so dann für eigene Rechnung und unter der Firma 
hochmüthigen als herrschsiichtigen Hofmalers Aux Deux Pilicrs "d'or, in der Rue St. Jacques 
nicht recht übereinstimmt, zu trauen ist, hätte betrieb. Dieses Geschäft erstreckte sich nicht 
unverholen erklärt, dass G. Audran seine Bilder bloß auf die von ihm selbst oder in seiner Werk- 
verschönert habe. Diese überaus großen Kom- statt und unter seiner Aufsicht gearbeiteten 
positionen scheinen wirklich in den gestochenen Blätter; es begriff auch die von ihm bei andern
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.