Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1603711
ÄÜPQPE  
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Gefolge des Monsignore Antonio Grimani, Bi- 
schofs von 'l'oreello und Nuntius in Toskana, 
nach der Stadt Pisa kam. Hier trat er in das 
innigste Verhältniss zu dem Edelmanne Oamillo 
Berzighelli, der von da an fast ausschliesslich 
seine Thätigkeit und sein Talent in Anspruch 
nahm. Für den Palast desselben machte der Mei- 
ster die beiden Statuen Herkules und Antaeus. 
Die zweite der drei Frauen seines Gönners, Luisa 
Paganelli aus Florenz, verewigte er durch ein 
Reliefporträt. Von zwei Kruzifixen in Bronze, 
die Aspetti machte, erhielt eins die Nonne Orsola 
Fontebuoni in S. Marziale in Pistoja und das 
andere Berzighelli. Eben dieser bestellte bei 
ihm das Relief für die Kapelle Usimbardi in San 
'l'rinita in Florenz und bezahlte ihm 1000 Scudi 
dafür. Es befindet sich dort hinter dem Altar 
und stellt das Martyrium des hl. Lorenzo vor. 
Die Komposition und Grazie der Figuren wurden 
ehedem sehr gelobt. An den Reliefs seines 
Giinstlings schien Berzighelli besonderes Gefal- 
len zu finden. Noch werden 8 an der Zahl er- 
wähnt: Herkules tödtet den Stier, Jupiter raubt 
die J o, Vulkan sehmidet Blitze, Mucius Scaevola 
verbrennt seine Hand, Psyche will Amor tödten, 
Syringa wird in Rohr verwandelt, Thisbe tödtet 
sich selbst, Daphne, vor Apollo iiiehend, wird 
zum Lorbeer. Die vier letzten Werke sind 
Rundbilder. Nach Baldinucei kamen sie wahr- 
scheinlich in Besitz der Familie Usimbardi nach 
der Villa di Rusciano; Berzighelli nämlich war 
ein Neffe des Senators Usimbardi. Endlich wis- 
sen wir noch, dass auch ein Adonis mit der 
schlafenden Leda für ihn ausgeführt wurde. 
Schon im J. 1607, kaum 42 Jahre alt, starb 
Aspetti zu Pisa. Sein Gönner liess ihn ehrenvoll 
bestatten und errichtete ihm im Kreuzgange des 
Klosters Del Carmine ein Denkmal mit rühmen- 
der Grabschrift. Die Büste des Künstlers ist von 
seinem Schüler Felice Palma aus Massa Carrara. 
In neuerer Zeit hat man streng und verdam- 
mend über Aspetti als Künstler gerichtet. Allein 
für vieles, was uns an ihm missfällt, muss meisten 
Theiles die Zeit verantwortlich gemacht werden, 
in der er lebte. Er gehörte jener Uebergangs- 
wepoche an, die zwischen den großen klassischen 
Meistern und Bernini lag. Die Voraussetzungen, 
unter denen jene ihre Werke schufen, waren 
nicht mehr vorhanden. Für veränderte Weltan- 
schauungen, fiir neue ethische Richtungen suchte 
auch die Kunst nach neuen Formen. Eine Epoche, 
die in Bernini ihren angemessenen, vollendeten 
Ausdruck finden sollte, durfte sehr wol As- 
petti's Suchen und Wirken mit Theilnahme und 
Beifall begrüssen.  Die Skulptur wollte mit 
der Malerei-wetteifern. Die Statuen sollten, in 
der leidensehaftlichsten Bewegung erscheinen, 
daher spreizten sich die Glieder und flatterten 
die Gewänder. Von den Reliefs forderte man 
 Perspektive; ein Grund sollte hinter dem anderen 
immer ferner und ferner erscheinen, so dass man 
lvorn mit fast freien Figuren begann und zuletzt 
nannten Kirche S. Francesco stehen am Altar 
der ersten Kapelle links zwei Bronzestatuen, die 
eine vduce iudicon und die andere veomiti belloe 
bezeichnet. Nach Stringa und Selvatico sind es 
Arbeiten des Cammillo Bozzetti, während sie 
sonst allgemein dem Aspetti zugeschrieben wer- 
den. Besondere Gunst würde er bei der Gegen- 
wart nicht damit erlangen. 
Spätestens im J. 1591 verliess er Venedig und 
wurde auf längere Zeit durch ehrenvolle Aufträge 
in seiner Vaterstadt Padua festgehalten. Die 
erste bekannte Arbeit, die er dort lieferte, sind 
zwei iigurenreiche Bronzereliefs für den Altar 
des Märtyrers San Daniele Levita im Dome, beide 
bezeichnet mit der Unterschrift Titiani Aspetti 
Padovani opus. Die eine wurde vorn und die, 
andere hinten an der Arca eingelassen, in wel-, 
eher die Gebeine des Heiligen ruhen. Als La 
Parte am 11. Febr. ihren Werth auf 1-10 Soudi 
abschätzte, fügte das Kapitel noch weitere 110 
in der Bezahlung hinzu, weil der Künstler über 
die erste Bedingung hinaus seine Arbeit nicht 
in fiachem, sondern fast ganz frei erhabenem 
Relief ausgeführt hätte. Eine ganze Anzahl 
Werke wurden ihm sodann für das theuerste 
Heiligthum der Stadt, für die Kirche San Anto- 
nio, zugewiesen. Zuerst verfertigte er die vier 
Bronzestatuen Glaube, Liebe, Massigkeit und 
Stärke, welche auf den Altar des hl. Antonio 
gestellt wurden, aber 1651 ihrer lastenden 
Schwere halber auf die vier Pfeiler der Balu- 
strade des Presbyteriums kamen, wo sie heute 
noch gesehen werden. Jede trägt im Piedestal 
die Bezeichnung Titiani Aspetti Padovani opus. 
Bei der vierten Figur lässt die Heiterkeit des 
Gesichtes, die ganze Haltung und namentlich das 
Stück Anker in der Hand viel eher ein Symbol 
der Hoifnung als der Stärke vermuthen. Am 
6. Nov. 1593 machte Aspetti einen Kontrakt für 
die anderen Bronzewerke, die er für die Kapelle 
desselben Heiligen ausführte und wofür er 1300 
Dukaten empfing. Es sind die drei Statuetten der 
Heiligen Antonius, Bonaventura und Ludovicus 
von Toulouse, dann in den Ecken der Balustrade 
vier Engel als Kerzenhalter und. vorn an der 
Stufe zwei Halbkandelaber, endlich die bronze- 
nen Thüren. Ausser diesen Bronzearbeiten gilt 
dann auch der Altar aus edlen Marmorarten für 
sein Werk. Hinter der Arca unten an der Balu- 
strade hatte der Künstler wieder seinen Namen 
angebracht, den aber die Zeit fast ganz verwischt 
hat. Im J. 1603 waren die genannten Arbeiten 
vollendet. Inzwischen aber muss der Meister auch 
den Christus geschaffen haben, welcher sich über 
dem schönen Weihwasserbeeken links am Haupt- 
eingange der Kirche Saut Antonio erhebt. Die 
Hände über einander gelegt, das Haupt geneigt: 
so erscheint der Erlöser in dem Momente, wo er 
die Taufe im Jordan empfängt. Für diese Schö- 
pfung haben alle Zeiten dem Künstler ihren Bei- 
fall gespendet. 
Wahrscheinlich war es 1604, dass Aspetti im
        

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