Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1603684
338 Amico Aspertini. 
 
S. C e ci l i a daselbst. Von diesen noch er- rühren, mit des Meisters Namen bezeichnet. Die 
haltenen Fresken sind die Enthauptung der Figuren sind hier vorzugsweise trocken, manie- 
hh. Valerian und Tiburtius und ihre Bestat- rirt und seltsam in der Zeichnung; aber auch 
tnng sicher von seiner Hand, vielleicht auch dieses Bild -in dem der Einfluss der umbrischen 
die Darstellung der hl. Cäcilia vor dem Kaiser. Schule vor-wiegt  gewinnt Einem durch den 
Aspertinfs Kunstweise zeigt hier eine phanta- eigenen Charakter sowie die Sicherheit der Aus- 
stische Mischung der umbrischen und bologne- Führung ein besonderes Interesse ab. Demselben 
sischen Schule. Charakteristisch ist für ihn die sehr ähnlich ist ein Raub der Sabinerinnen im 
Bildung der Köpfe, in denen Auge, Mund und Museum zu Madrid (N0. 885), das dort der 
Nase fast mopsartig eng zusammengerückt sind, Sieneser Schule zugeschrieben wird. Andere 
Stirn und Schädel aber stark hervortreten. Auch noch erhaltene Werke des Meisters in dem nach- 
seine Gewandung ist seltsam, biindelartig in folgenden Verzeichniss.  Vasari erzählt noch 
einander gerollt, dabei die Verzierungen der dass A. in Bologna viele Fassadenmalereien aus: 
Ränder reliefartig erhöht, in der Art des Pintu- geführt habe , von denen jetzt nichts mehr vor_ 
rieehio. Ueberhaupt zeigt A. für dessen Stil handen ist, und fügt hinzu, dass daselbst nicht 
eine gewisse Vorliebe. Seinen Kompositionen eine Strasse sei, wo man nicht irgend eine 
fehlt es an rhythmischer Anordnung, oft sind die nsudelein von seiner Hand sehe. Urtheilt {man 
Gruppen und Figuren willkürlich und launenhaft nach seinen noch erhaltenen Fresken, so ist" ein 
vertheilt. Auch in den Kostümen, die er wählt, solcher Ausdruck jedenfalls ungerechtfertigt, 
sowie in der Häufung des Beiwerks, spricht sich 
seine Neigung zum Seltsamen aus. Im Kolorit Verzeichniss seiner Werke. 
hat er meistens noch den einförmigen röthlichen 1) Fresken in S_ Ceeilie zu B e] egal S Text 
Ton der älteren Ferrarescn. Trotz alledem und 2) Fresken in S_ Frediano zu Lueeeh in die; 
trotz der durchgängigen Gewöhnlichkeit seiner eem Jahrk von Ridolfi restaurim e_ Text 
Typen, die sich bisweilen bis zur Hiisslichkeit Die Ivresken des Meisters in der Kapelle den 
steigert, sind seine noch erhaltenen Werke nicht pace in S_ petronio und in der Kapelle S_ NR: 
ohne Reiz; was in ihnen anzieht, ist neben einer colö in S. Giaoomo zu Bologna sind zu Grunde 
gewissen Kraft der Darstellung eben das Eigcn- gegangen- 
thümliehe , das sich nicht unvortheilhaft von 3) Madonna mit Kind zwischen den hh. Lucia 
jenem konventionellen Schönheitsideal unter- und Augustinns, mit dem hl. Nicolaus, der 
scheidet, an dem die SchuledesFrancia allzu starr drei jungen Mädchen ihre Aussteuer gibt 
festhielt In S. Martino Maggiore zu Bologna.  
Sein Hauptwerk sind die schon erwähnten 4) Madonna mit Kind zwischen den hh. Jo. 
Fresken in S. Frediano zu Lucca. Die Dar- hannes dem Täufer, Franziskus, Georg 
stellungen sind der Legende vom Volto Santo Sebastian und Eustachius; mit den beider; 
(Kruzifix, das in S. Martino zu Bologna auf- Bildnissen der Stifter. Sehr beschädigt In 
bewahrt wird), der Geschichte Jesu und des der Pinakothek zu Bologna. 
Kirchenheiligen entnommen. Das Beste darunter 5) Predella: Heimsuchung, Geburt der Jung- 
ist die Taufe eines Proselytcn, besonders leben- frau, Darstellung im Tempel und Vermälung. 
dig in der Bewegung, freilich wieder mit häss- Im Palazzo Strozzi zu Ferrara. Eines der 
liehen Typen (sehr beschädigt). Recht verzerrt besten Werke des Meisters, dem Ereole 
dagegen ist in der Lunette darüber die Darstel- Grandi verwandt. 
lung der Kreuzabnahme, deren Figuren zum 6) Geburt Christi, bez.: Amicus bononiensis 
Thcil nach Pinturicchio und Perugino kopirt faciebat. Auf Holz, in Tempera  1m 
sind. Die Schwäche seiner Komposition tritt Museum zu Berlin. s. Text. 
besonders in dem Fresko hervor, das den hl. 7) Raub der Sabinerinnen. Kleine Tafel. Im 
Frediano zeigt, wie er in Gesellschaft knieender Museum zu Madrid (N0. 885), dort der 
Mönche den Lauf eines Flusses regelt. Das ge- Schule von Sicna zugeschrieben. s. Text. 
ringste dieser Gemälde überhaupt ist die Geburt s_ Vasari, ed. Le Monnier. IX. 87 1T.  Lama 
Christi, zudem durch den Kerzenqualm arg be- Graticola di Bologna. pp. 19. 22. 34. 37_  
schädigt. Die Pilaster sind mit rafaelesken ßumaldi, Millefvaliß- 1541- PP- 246-247. ; 
Ornamenten verziert; auf einem derselben die Cvu gla m11, Walküre er? Serie 331911. 178. 
Buchstaben: J. M. A. o. o. f. Amico. In der H. Fmvle f" "a H" er MOYY ßf 
Wölbung endlich ist Christus im En)geln dar- k Pammg  NOMPItaIle- 1- 57532"- 
gestellt, welche die Symbole seines Leidens tra- Towe u" avalcaseu" 
gen. Das ganze Werk ist mit kühner und nach- Angeblich Vvon ihm gestochen: 
liisssiger Leichtigkeit hingcworfen, ausgeführt     
mit dickem Farbena-uftreg, die Umrisse in einem 1) Der Snndeilfall. Yorndinks hegt Adam zu B0- 
dunkleren Ton scharf herausgehoben, die Mo- deßgle Reäilte gefsnlkuhreäd erhellte"? er Spricht 
dellirung durch Schrafiirung hervorgebracht. fsuertwändlireälu Släierfngekiä? klägtäeimrägge" 
Aus früherer Zeit als diese Fresken scheint die Hand hält. Neben Adam liegt eine Hacke. 1er: 
Geburt Christi im Museum zu B erl i n hcrzu- Mittelgrunde zwischen ihnen ein liegender Mann,
        

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