Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1603142
284 Arnolfo di Gambio.  
wird das Muster des. Täfelwerks, dessen allzu- thümlichkeit selbst unter der Herrschaft eines 
kleine und gehäufte Felder die Wirkung der fremden Stiles. 
großen Linien schwächen und dem Ganzen etwas Arnolfo war, wie jenes Reskript der Prioren 
Unruhiges geben, auf seiner Anordnung beruhen. vom J. 1300 bezeugt, vorzugsweise wegen seiner 
Indessen muss man erwägen, dass diese Ver- kirchlichen Bauten berühmt. Vasari schreibt ihm 
Wendung des heimischen Materials in Toskana indessen noch eine Reihe von weltlichen Arbei- 
 fast unvermeidlich war, und die von ihm beliebte ten in Florenz und in den Nachbarstädten zu, 
Täfelung dem gothischen Stile jedenfalls besser darunter die Ausführung der Stadtmauern, die 
entsprach als der bisher übliche Wechsel h0ri- Loggia von Orsanmichele, die Marmorbekleidung 
zontalerSchichten verschiedenfarbigenMarmors. des Baptisteriums und endlich den Palast der 
Uebei-haupt sollen uns diese Mängel nicht ab- Priori, den jetzigen Palazzo vecchio. Urkund- 
halten, die Verdienste des Werkes anzuerken- liche Beweise dafür besitzen wir nicht, aber V3- 
nen. Sie liegen nicht bloss in der kühnen und sari? Behauptung", dass man bei dem großen 
meisterhaftenKonstruktion, in der Beherrschung Anßehn, in Welchem er Stand, keinen wichtigen 
so großartiger Massen und Verhältnisse, sondern Ball Ohne Seinen Rdllli nnierndinlnßn habe, iSt in 
auch in der konsequenten Durchführung der dem Grade wahrscheinlich, dass man wenigstens 
Formgedanken, auf denen die italienische Ge- bei dem wichtigsten dieser öffentlichen Gebäude, 
thik beruhem blau begreift wo], wie Vagari dem Palaste der Priorcn, dessen Errichtung im 
oder die Künstlersage, der er folgte, dazu kom- J  1293 durch den Bericht des Zeitgenossen Vil- 
men konnte, Arublfo zum Sohne des Jacobus zu lani und durch urkundliche Notizen festgestellt 
machen; was dieser begonnen hatte, vollendete ist, seine thätige Mitwirkung annehmen darf. 
jener. Sie sind persönlich höchst verschieden, Das Innern des Palastes 1st Später Völlig Verän- 
fast Gegensätze: der Meister von Assisi wirkt dert, aber der Aussenbau hat mit bewunderns- 
durch anmutige Formen, der Irlorentiner durch Werther Festigkeit allen Stürmen der Jahrhun- 
eine strenge, fast kann man sagen herbe Folge- derte und der städtischen Fehden glücklichen 
riehtigkeit. Aber sie wirken in derselben Rich- Widerstand geleistet, und gibt mit Seiner nnan- 
tung. Wenn jener den Anstoss gegeben und greifbaren, 8119 Platten Qnßdcrn gefiigtenMauer- 
einen glücklichenVei-such gemachtdas Gothische 1113586, mit (ien Wenigen durch Verliältnisßlnäßig 
in's Italienische zu übertragen, stellte dieser die kleine Zwßitheilige Fenster beleuchteten Stock- 
his dahin schwankcnd gebliebenen Regeln fest, Werken lind dein Wßitvßrkrageudßn, Zinnenbe- 
nach denen es geschehen müsse. Beide bilden krönienwldllrgdllge elll höchstclldraklerlstlsßlies 
zusammen gewissermaßen die Königsreihe in der Bild, (las sich jedem Bescllfiuel" tief emPlägt und 
Geschichte dieses Stils; sie sind die Tonange- den Vdlnißllllngiäin, die wir uns von einem sol- 
benden, denen die Anderen nur nach dem Maße alle" Ball Arnolfds machen (lllrferl, Wdl ent- 
ihrer Individualität folgen. Während die bishe- Spricht- 
rigen Meister zwischen dem inneren Gesetze der  
Gothik und den Anforderungen des italienischen 11' Arnolfo als Blldhaueh  
Raumgefühles schwankten, bestimmte Arnolfo Uebcr seine bildnerische Thätigkeit sind 
die Grenzen, in denen beide sich zu bewegen wir, obgleich sie ihn den größten Theil seines Le- 
hatten. Dem Vertikalprinzip des gothisclien bens beschäftigt haben wird, höchst unvollkom- 
S-tils räumte er durch die Pfeilerbildung, die er men unterrichtet. Was er im Dienste KarPs von 
annahm, mehr ein als alle seine Vorgänger, aber Anjou in Rom gearbeitet hatte, als derselbe ihm 
mit noch viel größerer Energie betonte er die im J. 1277 erlaubte von da nach Perugia zu gehu, 
spezifisch italienischen Anforderungen an pla- ist uns unbekannt; die sitzende Statue dieses 
stisch volle Form, an Großräumigkcit, an ein- Königs, welche noch jetzt im Senatorenpalast zu 
fache, leichtfassliche Verhältnisse. Santa Maria Rom bewahrt wird, und die man nach einer auf 
del Fiore, wie die Liebe des iiorentinischen Vol- jene Thatsachen gegründeten Vermutungihni zu- 
kes die Kathedrale taufte, wurde daher gewis- schreiben könnte, ist dazu zu unbedeutend. Va- 
sermaßen der Kanon, nach welchem die späteren sari legt ihm in einem Znsatze zur zweiten Aus- 
Meister der italienischen Gothik sich richteten. gabe seines Werkes eine Anzahl von Skulpturen 
Es ist wahr, dass die Lebensdauer dieses Stils in Rom bei, die er früher für Arbeiten des Mar- 
keine sehr lange war, dass die weiteren Konse- cliionne von Arezzo erklärt hatte; aber dieser 
quenzen aus den in Arnolfds Werke festgestell- Schwanken zeigt, dass er nur Vermutungen ans-- 
ten Prinzipien zuletzt nur dazu dienten, der Re- spricht, und die Skulpturen selbst sind zu ge- 
naissance vorzuarbeiten. Aber diese Prinzipien wöhnliche Leistungen jener Zeit, als dass wir 
waren eben die Vaterländischen, dem italieni- berechtigt wären, sie gerade Arnolfo zuzuschrei- 
schen Genius zusagenden. Daher erklärt sich ben. Wir sind daher auf seine wenigen inschrift- 
denn auch die große Verehrung, mit der die Ita- lieh bezeichneten Werke beschränkt. Von diesen 
liener noch heute den Bau des Arnolfo betrach- sind zuerst die Skulpturen an dem Tabernakel 
ten, die Pietät, mit der selbst ihre schärfsten in St. Paul vor den Mauern R0m's zu nennen, 
Kritiker über die Mängel desselben fortgehn. welches er laut Inschrift im J. 1285 mit seinem 
Sie fühlen darin die Behauptung ihrer Eigen- Gehiilfen Petrus vollendete. Sie bestehen in
        

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