Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1603124
282 Arnolfo di Oambio. 
 
beiden Kapellen bedingt waren, um genügende als man im Anfange des 15. Jahrh. die Kuppel 
Breite für den Chor zu behalten, waren dann na- wölben sollte, Bedenken, welche dann bekannt- 
türlich auch für die anderen maßgebend, und lich durch Brunelleschi in ruhmvollster Weise 
dies erklärt, dass hier statt der fünf oder höch-l beseitigt wurden. 
stens sieben Altarnischcn, die man sonst bei Als Arnolfo den Plan zu seinem großen Werke 
ähnlicher Anlage auf der Rückseite des Qucr- machte, war die Herrschaft des gothischen Sti- 
schiifes antriift, ihre Zahl auf elf gesteigert ist, les auch in Italien schon eine entschiedene. Alle 
welche demnächst als günstige Räume für die bedeutendcren Kirchen, die seit der Begründung 
Stiftung von Wandmalereien benutzt wurden. von S. Francesco zu Assisi entstanden waren, 
Ueberhaupt sind die großen Wandliächen dieser gehörten diesem Stile an. Allein indem die Ita- 
architektonisch so einfach angelegten Kirche liencrsiehdem nordischcnGeschmacke anschlos- 
bekanntlich durch die Frömmigkeit des Mittel- sen, waren sie weit davon entfernt, sich ihm un- 
alters und den Patriotismus der späteren Gene- bedingt zu unterwerfen. Volkscharakter- und 
rationen so reich mit plastischen und malerischen klimatische Verhältnisse bedingten schon an sich 
Kunstwerken ausgestattet, dass der Beschauer gewisse Aendcrungen, und das künstlerische 
sich ihrer ursprünglichen Schmueklosigkeit kaum Selbstgefühl, das in den Italienern sich gerade 
bewusst wird. jetzt mächtig regte, liebte es, sich in mannig- 
Bald nach dem Beginne dieses ersten großen fnnhcn Fnrnlnn Zu Vßrsnnllßn- Zu jener rück- 
Unlel-nenlnenn wurde Amolfn durch ein zwei- sichtslosen statischen Konsequenz, welche die 
tes viel bedeutenderes in Anspruch genommen. Wände in ein Gßrllßli Schlanker, vertikaler, nach 
Sehen im J  1294 beschloss nämlich die Stadt, oben strebender Glieder mit luftigen Füllungen 
an Stelle der kleinen, den Verhältnissen nicht Verwandelt, knnnic lnnn sich llicr nicht ent- 
mehr angemessenen Kathedrale einen neuen, schliessen. Der südliche Himmel forderte flache 
grossen, mit Marmor "und Bildwerk geschmück- Dächer, größere, für Malereien und den Schmuck 
ten Dom zu bauen; im September desselben Jah- bunten Marmors geeignete Wandiiäßllßn, brei- 
res wurde mit großer. Feierlichkeit der Grund- fern, bequeme Innenrännlß- Sßllnn der finnische 
stein gelegt und zur Förderung des Baues ein Jacobus bei jenem Bau von Assisi hatte, viel- 
Antheil an gewissen Steuern überwiegeln Eine leicht unterstützt durch den architektonischen 
Inschrift am Dome selbst nennt zwar den J  1293 Provinzialismus seiner Heimat, diesen italieni- 
als das der Grundsteinlegung, aber mit erweis- Schcn Bcdiiriininscll Rcchllllllg gcirngcn lind du- 
ligh unl-ightigen Nßbgnumständgn und mit deut- durch die Einführung (168 fremden SlIllGS WGSGIIC- 
liehen Zeichen einer viel späteren Abfassung, licll crlcicllicrh Sciilc Nachfolger waren auf 
so dass dadurch jene erste, durch den gleichzei- diesem Wege nQßh weiter gegangen. Manches 
tigen und glaubwürdigenGeschichtschreiberVil- Wnr dadurch Snllnn Zn fnnteul Hnrlänrnnlßn ge- 
lani berichtete und überdies durch die schon. im Wnrdnn; die Pfeilnrnbntändc, in den nördlichen 
J  1294 beginnenden Zahlungsnotizen der stiidti- Ländern stets ziemlich schmal gebildet, höch- 
schen Rechnungen bestätigte Zeitangabe nicht Sinns Vnn Zwei Driiicln (lcr Miiiclschiiiihrnltu, 
erschüttert wird. Für dieselbe spricht denn auch Wnrdnn dicncr ih-Si iinnlcr glcich gclliiltcn, S0 (lass 
eine sehr merkwürdige Urkunde vom l. April sich quadrate GGWÖlbfCltlOP von bedeutender. 
1300, in welcher die städtischen Behörden dem Breite ergaben  die Pfeiler selbst bestanden nicht 
Meister Arnolphus, als Obermeister ihrer großen Wie dßrli uns einer großen Zähl Schlank ßuiißtei- 
Kirche, für seine Lebenszeit Steuerfreiheit ver- gender Dienste, sondern bildeten eine vollere 
leihen, und zwar, wie es darin heisst, vin Anbe- Masse zylindrischer, achteekigel- oder ähnlicher 
tracht, dass er ein höchst berühmter, im Kir- Form; die Fenster blieben weit hinter der ge- 
chenbau vor allen Anderen bewährter Meister Waltigen Breite zurück, welche sie dort erhiel- 
ist, durch dessen Fleiss, Erfahrung und Genius ten, und durchbrachen die durch jene Pfeilerstel- 
das Volk von Florenz, wie man aus den pracht- lung ohnehin bedeutend erweiterten Wandliächen 
vollen Anfangen des von ihm begonnenen Ge- nur in geringem Maße. 
bäudes bereits sehen könne, den schönsten und Arnolfo schloss sich diesem Hcrkommen an, 
reichsten Tempel zu erhalten hoift, den es in aber er ergriff es mit seinem schöpferischen 
TOSkß-nß- geben Aruolfo starb schon 1310 und Geiste und suchte es zu sicherer Bedeutung zn 
hinterliess sein Werk noch weit von der Voll- entwickeln. Sein Plan ist jedenfalls ein seln- 
eudung; allein wenn es schon im J. 1300 nach eigenthümlicher und. organisch gcdachter. An 
einer Bauzeit von nur drittehalb Jahren so weit das drcischiffige Langhaus schliesst sich nämlich 
gediehen war, dass sich die Prioren auf die nicht wie gewöhnlich ein rechtwinkelig gestalte- 
bereits sichtbaren Anfänge beziehen konnten, ter Querarm nebst einem davon gesonderten 
musste es zehn Jahre später schon bedeutcndere Chore an, sondern eine Gruppe von drei großen, 
Fortschritte gemacht haben, und jedenfalls be- aus dem Achteck gebildeten Oonchen, welche 
stand ein ausführliches Modell, von dem auch mit dem Langhause zusammen nach aussen die 
die berühmtesten seiner Nachfolger, Giotto und Gestalt des Kreuzes, im Innern aber einen wei- 
Taddco Gaddi, nicht wesentlich abwichen, und ten achteckigen Chorraum bilden, über den sich 
dessen Ausführung erst dann Bedenken erregte, eine von jenen Gonchen und den letzten Pfeilern
        

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