Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602889
258 Arkett  Jacques Antoine Arlaud. 
 
siteles scheint er hiernach besonderen Werth auf sen. Er hatte dem Künstler einen Tizian, Wim- 
die selbständige Durchbildung des Modells ge- der des hl. Antonius, aus seiner Sammlung und 
legt zu haben, und gegenüber der massenhaften ein Bild seiner eigenen Hand geschenkt. Der 
Kunstübung seiner Zeit, die mehr im Reprodu- Regent verstieg sich sogar in seinem Enthusiag- 
ziren älterer Muster, als im Produziren neue1' mus zurBehauptung: Jusqira präsent les Peintres 
Werke thätig war, darf er mit Pasitelcs wol als en Miniatlu-e (m fait des Images, c'est Arlaud 
der Repräsentant einer selbständigeren Kunst- qui leur a appris ä faire des Portraits. Sa Minia- 
richtung betrachtet werden. tnre a toutc la force de la Peinture a llhuile. 
s. Brun n, Gesch. der griech. Künstler. I. 600.  Auch des Herzogs Mutter war eine Gönnerin de; 
Overbeßk, Gesßh- der Plaßtik- U- 349-1 Malers; sie schenkte ihm ihr mit Diamanten ver- 
Bmn" ziertes Bildniss und gab ihm Empfehlungen an 
Arkett. Arkett, neuer englischerßtecher. die Prinzessin vQn Wales mit, als er im J  1721 
 Hesperus. Painted by W a n gh. London 1860. seine Reise nach England antrat. 
GFaVeS ä CO- In England fand er nicht minder eine ehren- 
Es gibt Weh Abdr- vor d" Schr- volle Aufnahme. Descamps erzählt : vArlaud ward 
W- Emlelmmm- der Freund der Großen und Gelehrten, und 
Arlaud. Jacques Antoine Arland, seiner Newton theilte ihm seine Grundsätze der Üptik 
Zeit gefeiert als Wiedererwecker der ächten Mi- mit, die unser Maler mit Figuren erläuterte: 
niaturmalerei, geb. zu Genf den 18. Mai 1668, diese Freundschaft löste nur der Tod. Sein Bild- 
kam um sein 20. Jahr nach Paris, wo es ihm bald niss der Prinzessin von Wales erregte eine un- 
gelang, sich zu einer glänzenden Stellung auf- endliche Freude, so dass alle ( ! ) Dichter Verse 
zuschwingen. Mariette spricht von ihm nicht zum Lobe des Verfertigers machten; wir erin- 
eben günstig und legtihmneben seiner Gewandt- ncrn nur an die des Grafen Hamilton (folgen 
heit im Benehmen auch etwas Charlatanerie diese).s 
bei. Vortheilhafter urtheilt Descamps; er rühmt Der Künstler hatte ein Bild, Leda und Ju- 
den Fleiss, mit dem er seine Studien betrieben. piter als Schwan nach einem Marmorrelief 
Sein standhafter Eifer erwarb ihm nach Des- (angeblich von Michelangelo) in Schwarz und 
camps eine überraschende Leichtigkeit, die, ver- Weiss mit Wasserfarben gemalt, das von den 
bunden mit der Richtigkeit der Zeichnung und Kennern besonders bewundert worden war. 
seinem lebendigen Geiste,ihn in den Standsetzte, Mariette behauptet, dass er es von einem der 
eine große Anzahl Miniaturbilder auszufiih- Brüder Nattier habe malen lassen und es nach- 
ren. Diese seien stets ähnlich und wol angeord- her mit großer Sorgfaltbeendigt habe. Er hatte es 
net gewesen. Auch habe er den leichten Ton dem Herzog de la Force um 12,000'Livres Vgy- 
des Weltmannes inne gehabt und die, welche er kauft, nahm es aber, als dessen Vermögensver- 
maltefso unterhalten, dass man versicherte, bei hältnisse in Unordnung geriethen, gegen eine 
ihm habe sich Niemand während des Abmalens Entschädigung von 3000 Livres zurück. Ar- 
gelangweilt. Vorzüglich gefielen nach Mariette laud liess nun, nach Mariette, eine Wiederhg- 
seine Miniaturbildnisse den nach Paris kommen- lung in Schwarz und Weiss, aber diesmal in Oe], 
den Eremden, welche sie ihm sehr theuer bezal- ausführen, brachte diese im J. 1721 nach Eng- 
ten. Mehr als 40,000 Thlr., eine damals sehr be- land und verkaufte sie dort dem Herzog VQn 
trächtliche Summe, habe er zusammengebracht. Chandos, um 600 Pfd. Sterling, wie in den Poesies 
Doch gesteht Mariette dem Künstler andererseits des Hrn. de Bar (Amsterdam 1750) zu lesen (dort 
zu, dass er seine Farben richtig abzutönen wusste belindet sich auch im dritten Bande eine Ode auf 
und darin, so viel als ihm möglich, den Beispie- die Leda). Als Mylord erfuhr, dass Arlaud das 
len Tizians und anderer guter Koloristen gefolgt schönere Exemplar behalten hatte, drohte und 
sei. Er habe diese gute Art zu sehen und zu ma- donnerte er; aber der gewandte Künstler wusste 
len dem Forest verdankt. A. hatte eine große sich aus dieser Geschichte zu ziehen und sein 
Anzahl Landschaften dieses Künstlers gesam- Geld zu sichern. Descamps lässt übrigens un- 
melt, die ihm so zu sagen als Leitstern dien- seren Helden seine Leda erst nach der engli- 
ten; denn obschon die Gattung von der seinigen schen Reise malen, und Fiorillo lässt ihn das 
ganz verschieden war, fand er doch in ihnen, Original verkaufen, unter dem Versprechen, dass 
nach seinereigenenAussage,die richtigeBehand- er kein ähnliches Werk mehr mache; er habe 
lung, Einsicht im Helldunkel und in der Wahl" trotzdem eine Wiederholung angefertigt. Diese 
der Farben, die er auch bei seinen Bildnissen an- sei von ihm später aus Gewissensbissen und, um 
wenden müsse, wenn sie Wirkung haben sollten. nicht als Lügner zu erscheinen, zerschnitten wor- 
Auch mit Largilliere und Rigaurl war er be- den. Beide Erzählungen sind aberweniger glaub- 
freundet. Besonders schätzten ihn der Regent würdig, als Mariettes Bericht. Dass diejenige 
von Frankreich, Philipp von Orleans, und dessen Leda, die er im J. 1738 wol aus religiöser 
Mutter, die Pfalzgrälin Elisabeth. Der Regent Ueberspanntheit zerschnitt, das Original war, 
hatte ihm eine Wohnung in St. Cloud angewie- scheint durchaus das Richtige zu sein. Er zer- 
sen, um sichan seiner Unterhaltung zu ergötzen stückte sie übrigens anatomisch, so dass die ein- 
und in der Malerei von ihm unter-weisen zu las- zelnen Theile keinen Schadenlitten; diese kamen
        

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