Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602725
242 Henrique de Arfe  Juan de Arfe. 
vielleicht aus Flandern nach L eon und verfer- einer in der Ausführung gleich kommen konnte, 
tigte zuerst 1506 die Custodia fiir die dortige wenn ihm auch Einzelne an Genie überlegen 
Kathedrale, dann eine zweite für die Kathedrale sein möchten. 
zu Cordova 1513, eine dritte für die zu To- Henrique lebte noch 1543, da ihm und seinei- 
ledo von 1515 bis 1524 und eincfvicrte für das Gattin Gertrudc Rodriquez Carreiio das Dom- 
Benediktinerklostcr zu Sahagun in Alt-Kasti- kapitel zu Leon gestattete, ein demselben ver- 
lien, alle im reichsten gothischen Stile mit vielen pfändetes Haus zu verkaufen, und er war später 
Statuetten und Reliefs. Die Oustodia von Leon, noch einmal mit Velluda de Ver verheiratet, 
ein 'l'hurm von 10 Fuss Höhe, ist san1mt den von die nach der Grabschrift in der Kathedrale 1562 
Antonio de Arfe dazu verfertigten Andas von starb. Er scheint in den spätem Jahren nicht 
den Franzosen geraubt, ungeachtet das Kapitel mehr gearbeitet zu haben, da er sich wol nicht 
diese vier oder fünfmal mit ungeheuren Summen mehr dem veränderten Geschmack der Zeit an- 
von den Generiilen Dupont undSoult losgekauft bequemen konnte. Ein Schüler von ihm war 
haben soll. Der reiche Silbersehmuck des Altars J uan Ruiz, genannt il Vandolino, in Cörrlovn, 
und die noch vorhandene Custodia mit der Statue S_ C e i, n ß ei- in nd e z , Dice.  L l ag u n o y 
des hl. Froilan, ein antiker Rundtempel von Amirola, Noticias III. 97. 
kostbaren Steinen, stammen aus weitjiingeren F'- W- 53'179?- 
Zeiten, und nur die in der letztern verwahrte Antonio de Arf e zu Lcon war der erste in 
Monstranz, ein silberner Thurm von lljg Fuss Spanien, der bei Goldsehmidsarbeiten den gothp. 
Höhe, dePehne Ueberledllng mit einem Reiehtllum scheu Stil verbannte und sich dafür der mit ara- 
gothischer Architektur und mit musterhaften bischen und gothisclien Elementen verquickten 
Vergeldeten Statuetten und Reliefs geziert ist, italienischen Manier bediente, die man dort den 
gilt für ein Werk des Henrique V011 1520- plateresken d. h. Silbersehmids-Stil nennt, weil 
(Kunstbl. 1822. p. 263.) Erhalten ist dagegen die der zierliche Reichthum und die phantastische 
beinahe 8 Fuss hohe Custodia von Toledo mit Uobei-soinvängiiohkeit desselben sich besser für 
260 Statuetten und vielen Reliefs. Wie weit luxuriöse Goldschmidsarbeiten eignen, als für. 
sich Arfe dabei an die Zeichnungen des Juan (16 monumentale Marmorwerke, und daher von j e- 
Borgoiia und Diego Copin und die Modelle des nein entlehnt scheinen, obgleich das Verhältniss 
letztern, die in den Jahren 1515 bis 1517 für diese in Wahrheit das umgekehrte ist. Antonio hat 
Oustodia gemacht wurden, gehalten hat, ist nicht sieh nicht so grossen Ruf erworben, als sein 
bekannt. Ffßnßißßß lllafinß hat die CIIStOÖiP-l Vater und sein Sohn, obwol er in der Zeichnung 
1594 bis 1599 vergoldet und mit einem Untersatz tüchtig und in der Technik vollendet wen; 
versehen, und noch später sind vom Erzbischof Street (Gothic architecture in Spain. p. 472) 
Infanten Don Luis die Andas dazu gestiftet. nennt seine Arbeiten, trotzdem dass Sie viel 
(Conca, Descr. di Spagna I. 274.) Eine andere gepriesen sind, in Wahrheituninteressant. Seine 
Gustodia des Hochaltars, die allerdings ur- vorziiglichsten Werke sind die (Wg Fuss hohe 
spriinglich für die Kapelle der Königin Isabella (Jnstodia der lilarienkirche zu Medina de 
bestimmt war, liess Kardinal Ximenez schon Rioseco in Altkastilien und die der Kathe- 
1500 von 18 Künstlern anfertigen. Dies ist aber di-nle von St. Jago de Compostella in Ge1i_ 
wahrscheinlich die goldene Monstranz, die in der oien, die er 1544 vollendete. Auch wurden ihm 
Oustodia des Henrique de Arfe verwahrt wird zwei andere prachtvolle Werke zugeschrieben, 
(s. den Artikel Francisco und J uan Aranda). die in den napoleonischen Kriegen von den Fran- 
Die Custodia von Cördova ist ebenfalls erhal- zosen geraubt worden, nämlich die Custodia der 
ten, aber 1'735 durch unverständige Zusätze von Kathedrale von B u r go s , deren Stelle jetzt eine 
Bernabe Garzia de los Reyes entstellt. Die von andere von seinem Sohne J den für S, Pablo veh 
Sahagun dagegen ging durch die Plünderung fertigte einnimmt, und die 6 Fuss hohen und 5 
von 1310 Zll Gfllndß- (FQPÖ, Handbook p. 229. Fuss breiten Andas der von seinem Vater Hen_ 
556.) Ausserdem hat Henrique für verschiedene rique verfertigen Oustodia von Leon. Morales 
Kirchen kleinere Gcräthe aller Art verfertigt. (Viage. p. 55) scheint die letzteren nicht von der 
Sein Ruhm wurde durch seinen Enkel verdun- Custodia zu unterscheiden, wenn er sagt, dass 
kele, aber es Zeichnet ihn M18, dass er in dem diese Landgaleere die Erfindung eines Vlamen 
immer noch edlen spätgothisehen Stile arbeitet sei. 
und deshalb in Harmonie mit der Architektur S_ (man Bermudcz, Diec.  Knnstblatt 
der gothischen Dome bleibt. Aus diesem Grunde 1822. p. 263  Ford, Handbook for travel- 
galt er selbst da noch, als der von seinem Enkel lers. P. 549. 845- r 
vertretene Geschmack des Michel Angele auch F"  Lnger- 
in Spanien Alles beherrschte; für den grössten Juan de Arfe oder Arphe y Villafaüe, 
Meister und als ein unerreichtes Vorbild unter den wurde noch berühmter als sein GrossvaterundVa- 
Goldsehmiden, die, wie sein Enkel in dem Lehr- ter durch die großartigen und prachtvollen Gusto- 
gedichte, Varia Comensuracion, rühmt, seine dien, in welchen er die Spätrenaissance dei- 
Werke und Grundsätze eifrigst studirten und Schule des Michel Angelo vertrat. Er war zu 
sich in seinem Lobe erschöpften, ohne dass ihm Leon im J. 1535 geb., wie namentlich aus seinem
        

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