Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602696
Agaestrgr Pgllegrino de Aretugnig 
Cesare Aretusi. 
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dem grossen Kampfspiele vierzehn Wagen mit! 
allegorischen Gestalten aufgeführt. Unter denl 
Malern, welche die Herstellung derselben iiber-  
nahmen, befand sich auch Pellegrino da Modena,  
der in dem Manuskript einmal als nero, einmal als 
rosso und zuerst ohne jedesAttribut genannt wird.  
Er dekorirte den Wagen der Hilarita mit Putten,  
welche eine Dame tragen, ferner den der Magma- 
nimita mit Schriftstücken, welche verbrannt wer-  
den, und endlich den der Fortezza mit einem; 
brennenden 'l'hnrme.  Nach RafaeFs Tode 
kehrte Pellcgrino in seine Heimat Mode na zu- 
rück. Eine Reihe Schöpfungen tragen hier noch 
seinen Namen. Wenn die Jungfrau Maria mit 
den Heiligen Girolamo und Sebastiano in der 
Kirche S. Pietro wirklich sein Werk ist, so fällt 
die Entstehung desselben wol noch vor den rö- 
mischen Aufenthalt. Pagani schreibt es dem J a- 
copo Francia zu, andere dem Meloneio. Der hl. 
Antonio in der Confräiternita dell' Annunziata 
gehört nach Lazarelli dem Pellegrino Dallamano. 
Unbezweifelt acht ist die Anbetung der drei Kö- 
nige in S. Franccsco. Die Geburt Christi am 
Hauptaltar von S. Paolo gilt für Pcllegrinds 
bestes Werk. nEs athmet alle rafaelischen Gra- 
zienw, sagt Lanzi. In der Kirche de' Servi sah 
Vedriani ein Tafelbild mit Cosmo, Damiano u. a.  
Heiligen, bezeichnet: Hoc opus faeiendum cura? 
vit Joannes Macehiavellus ad laudem altissimi 
a. dom. 1523 die Veneris Sancti Aprilis III. 
Tirabosehi konnte dies Werk nicht wiederfin- 
den; dagegen entdeckte er im oberen Chore der 
genannten Kirche eine Krönung der Maria von; 
Pellegrinds Hand. Schon im Anfange des 
17. Jahrh. hat Scannelli darüber geklagt, dass 
von den Arbeiten dieses Malers die meisten zer- 
stört und die übrigen wenigen schlecht erhalten. 
wären. 
Es war gegen Ende des Jahres 1523 , als Pel- 
legrino in seinem Zimmer die Kunde vernahm,  
sein Sohn habe soeben einen Gegner auf derl 
Strasse niedergestossen. Er eilt hinaus, um ihni 
wenigstens zur Flucht zu verhelfen. Aber kaum  
ein paar Häuser von seiner Wohnung entfernt,  
stösst er auf die Verwandten des Ersehlagenen.  
Wüthend fallen sie über den Alten her, und ausl 
drei Wunden blutend sinkt er zusammen. In 
dem nächsten Hause , wohin er gebracht wurde, 
hauchte er seine Seele aus.  So erzält Lanci- 
lotto, der den Ereignissen noch am nächsten 
stand, nur dass er irrthiimlich den 27. Dez. 1521 
statt 1523 als Datum angibt. Er überliefert uns 
auch drei Distichen, die, wenn nicht für ein 
Epitapbium, doch jedenfalls als ehrender Nach-, 
ruf gedichtet waren. Exegi monumenta duo, so! 
beginnen sie, und als die beiden unvergängli- 
chen Monumente werden Pellegrinds Malerei 
und die letzte That seines Lebens, die Errettungi 
des Sohnes durch sein eigenes Blut, bezeichnet. 
s. T ir a b o s c h i, Notizie de' pittori di Modena. 
p. 489.  Vasari. VIII. 246-245. X. 157. 
 V e d r i n n i, Artisii Modenesi. p. 35.  
T i ti, Descrizione. 124. 323. 324.  Scan- 
nelli, Mieroeosmo. p. 313 u. 314.  Lanzi, 
Storia pittorica. II. 104 n. III. 352.  Cor- 
visieri in der Zeitschrift il Buonarotti Luglio 
1869. p. 158 Anm. 2. 
Cesare Aretusi, Maler aus Bologna, war 
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. thätig. 
Tiraboschi erfindet. über seinen Ursprung eine 
merkwürdige Novelle. Hiernach war er ein Sohn 
des Pellegrino und wurde noch als kleiner Knabe 
von seinem älteren Bruder nach Bologna mitge- 
nommen, wohin dieser in Folge des erzälten 
Mordes geilohen wäre. Allein dann müsste Ce- 
sare ein Alter von fast 100 Jahren erreicht ha- 
ben, was als ungewöhnlichen Umstand zu be- 
merken in der reichen Literatur über ihn gewiss 
nicht vergessen worden wäre. Trotzdem ist ein 
 Zusammenhang der Familien Arctusi in Bologna 
und in Modcna sehr wahrscheinlich. Dafür 
isprieht insbesondere, dass der Vorname Pelle- 
griuo auch der Vorname von Cesare's Vater war. 
Dieser war zugleich der erste Lehrer des Soh- 
nes, der sich aber bald mit besonderer Vorliebe 
dem Studium der Werke des Bagnacavallo er- 
gab. Aussicht auf Gewinnst sowie innere Nei- 
gung und Befähigung lenktcn Cesare auf die 
Portratmalerei, wobei er sich denn als feinen 
Beobachter und glücklichen Nachahmer der Na- 
tur zeigen konnte. Seine Bildnisse vschienen 
wirklich von Fleisch und Blut zu seinn und of- 
fenbarten den ganzen Reiz des lombardischeu 
Kolorites. Die Gabe der Erfindung jedoch war 
Cesare nicht zu Theil geworden. Daher verband 
er sich mit Giovanni Battista Fiorini, der eine 
reiche Phantasie und die Kunst zu komponiren 
besass, aber aller Vorzüge Cesares entbehrte. 
Beide arbeiteten gemeinsam, der eine zeichnete 
und der andere fiihrte aus. So entstand das 
Wunder des hl. Georg im Chor von S. Maria 
de' Servi, so die Freskomalereien im Chor von 
S. Pietro. Hier war der Apostelfürst dargestellt, 
wie er aus Christi Händen das Amt der Schlüs- 
sel erhält; darüber die hh. Gregor und Ambro- 
sius und in der Wölbung Engelgestalten. Unter 
dem Portikus der Kathedrale von Bologna be- 
findet sich ein Fresko mit der Jahreszal 1576. 
Hier hatte den oberen Theil : Gott Vater, Christus, 
Maria und Heilige, Orazio Samaehini gezeichnet 
und Fiorini gemalt. Der untere Theil war ganz 
Oesards Schöpfung. Es ist die Stadt Bologna 
mit ihren charakteristischen Kirchen und Ge- 
banden; eine Prozession von Brüderschaften, 
Gewerken und allerlei Volk zieht durch die Stras- 
sen. Vollkommen selbständige Arbeiten unseres 
Meisters sind auch die folgenden: Abnahme 
Christi vom Kreuz in S. Benedetto,  Maria 
Verkündigung und lllariä Empfingniss in S. 
Francesco,  Mariä Geburt in S. Giovanui in 
Monte  der hl. Bartolommeo in der Theatiner- 
kirehe,  die Madonna mit der Carita und S. 
Francesco in S. Maria della Carita,  der hl.
        

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