Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602403
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Alessandro Araldi. 
pfiindet er ein Stück Land in 'I'orricella. fiir 
200 Lire. Am 27. Febr. 1500 übernahm Araldi 
fiir die Confraternita von S. Quirino zu Parma 
die Ausführung einer Altartafel und erhielt da- 
fiir nper elemosina secretau neun Lire. Zu glei- 
chem Zwecke gab ihm der Notar Galeazzo Piazza 
einige Kleidungsstücke. Ein Freskobild im D o m e 
zu Parma, unterschrieben Alex .nder D. Aral-W 
dus pinxit 15  0 (d. h. 1500), zeigt uns die Jung-  
frau Maria, das Christkind und den hl. Joseph 
mit einem knicenden bischöflichen Donator. Die 
Farben haben sehr gelitten. Crowe und Caval- 
easelle bemerken hier Nachahmungen der For- 
men des Franeia von Bologna und Anklänge an 
den Veronesen Gianfranceseo Caroto. Ganz un- 
tergegangen sind die Geschichten des Leidens 
Christi, welche Araldi 1510 im Chore von S. 
Paolo al fresco malte. Verhiiltnissmäissig wol 
erhalten haben sich dagegen die Wandmalereien 
in einem Zimmer des Klosters S. Paolo. Die 
Inschrift über dem Kamin: transivimus per 
ignem et aquam    MDXIIIIu verriith uns wol das 
Jahr der Vollendung. Der Besehauer begegnet 
hier einer Nachahmung jener dekorativen Art 
und Kunst, wie sie Andrea Mantegna in der Kirche 
degli Eremitani zu Padrizt so vollendet entfaltet 
hatte. Auf dem blauen Grunde des Gewölbes 
erscheinen Arabesken, Meerwunder u. a. phan- 
tastische Gestalten, musizirende Engel und spie- 
lende Kinder. Von zierlichen Umrahmungen ein- 
geschlossen laufen ringsherum Hist-orien des 
A. und N. Tcstamentes: Adam und Eva, Abra- 
hams Opfer Judith und Holofernes, Salomoirs 
Urtheil, Der Kindermord, Der Wunderbare Fisch- 
zug, Die Hochzeit von Kana, Die Predigt des 
Apostels Paulus u. s. w. Die schwerverständ- 
liehen Allegorien in den Liinetten halten Orowe 
und Cavaleaselle für schlecht komponirt, aber 
für Inspirationen des Mantegna, Costa und Fran- 
eia. In jenen IIistorien dagegen gewahren sie 
nicht nur Erinnerungen an Costa, sondern auch 
an Rafael, Michelangelo und Bazzi. Welche 
Fülle von Namen und Richtungen verschieden- 
ster Art! Sehr zutreßend hat Lanzi den Maler 
Araldi als einen vantico modernen charakterisirt. 
Das starre Wesen des früheren 15. Jahrh. ist in 
ihm noch nicht überwunden, und der Genius der 
vollendeten Renaissance noch nicht zur freien 
Entfaltung gekommen. Dies befangene und ge- 
bundene Wesen erscheint selbst an der Kopie 
des Leonarddsehen Abendmales und zwar so 
sehr, dass sie von Burekhardt reine Zuriickiiber- 
setzung in den älteren lombardisehen Stilu ge- 
nannt werden konnte. Diese Tcmperakopie, auf 
Leinwand, welche, nur wenig kleiner als das Ori- 
ginal, nach Malaspina im J. 1530 gemacht wurde, 
ward von Toschi für die Akademie von Parma. 
erworben; sie steht in dem grossen Saal der 
Scuola del Nudo.  Irn J. 1514 verfertigte Araldi 
für die Kirche del Carmine Mariii Verkündigung, 
die gegenwärtig in der Galerie von Parm a ist. 
Sie trägt die Unterschrift wAlexztntler Araldus 
faciebat 1.514s. Die Gesammthaltung- der Figu- 
ren und namentlich der Ausdruck der Köpfe ha- 
ben Wenig Anziehendes; die schlichte Landschaft 
gefällt noch am meisten. Miindler nennt hier das 
Kolorit nentsetzlieh trocken". Im J  1:316 malte 
Araldi in der Kapelle Centoni i1n Dom von 
Parma und lieferte ausserdem ein Tafelbild 
für Casalmaggiore bei Cremona, das die 
hh. Rochus, Hieb (oder Paulus Eremita) und 
Sebastianus darstellt. Es trägt seinen Namen 
und die Jahreszal, und wurde für Panui und 
dann fiir Bartoli die Veranlassung, Uasahnztg- 
giore als Araldis Heimat auszugeben. Seit, 
151 s vcrdunkclte Corregggio jedes andere Talent, 
in Parma. Dennoch weiss uns Affe noch von Anf- 
träigen zu berichten, die Araldi bekam. So im 
J  1520 ein Altarbild und 1522 eine Anzal Fres- 
ken fiir den Dom. Im J. 1519 malte er die Ver- 
iniilung der Maria unter der dortigen Konfession. 
Zwei Jahre später malte er fiir die Gemeinde von 
Parma im Palast des Gouverneurs das Wappen 
Franz" I. von Frankreich nach den Zeichnungen 
des Temperelli. Im J. 1528 machte er sein Te- 
stament und setzte nach dem Tode seiner sechs 
Söhne den Filippi Porzioli zum  
ein. Zwei (oder drei?) Jahre später starb er. 
Ausser den bisher angeführten Werken kön- 
 nen nur noch wenig andere mit Sicherheit Araldi 
Joeigelegt werden. Dazu gehören der hl. Ubaldus 
 zwischen den Erzengcln Michael und Gabriel so; 
lwie Mariä Verkündigung und eine Pieta in der 
Kirche San Scpolero zu Parma. Den Sßgllßlldeyl 
ÄChristus mit dem Buche auf grünem Grunde, der 
in der dortigen Galerie sich befindet und als ein 
iGiovanni Bellini angeführt wird, erklären Crowe 
und Cavalczrselle für einen Oaselli oder Araldi, 
Dagegen sprechen sie ihm die dortige Verkün- 
digung ab, wo in der Höhe Gott Vater mit einem 
Engel und unten die hh. Sebastian und Katha- 
rina angebracht sind. Sie weisen das Bild Lo- 
dovico da Parma zu, und denselben Meister las_ 
sen sie wenigstens "zum Theih an dem Fresko 
der Cusani-Kapelle ein Anrecht haben, das sonst 
durchaus fiir eine Arbeit Araldfs gilt. 
s. Affö, Vita etc. del Parmigianino. p. 35 n. 36, 
bringt zuerst eine Reihe dokumentirter Nach. 
richten, die Ronchini und Carlo Malaspina, Nnova 
Guida di Parma, 1869. pp. 32. 33. 55. 67. 72) 
neuerdings nur wenig bereichern konnten.  
Andere archivalische Nachrichten findet man in : 
M. Lopez, Il Battistero di Parma, 1865. pas- 
sim.  Martini, Studj interne il Correggid 
Parma 1865. theilt den Vortrag mit, den Araldi 
am 20. Dez. 1522 über die Malereien im Dome 
abschloss.  Pan ni, Distinto rapporto etc, (11 
Cremona. und nach ihm Bartoli, Notizie etc., 
erwähnen das Bild in Casalmaggiore, das sie zu 
 dem Irrthnm über die Heimat des Meisters ver_ 
 anlasste.  
 s. Toschi und Isac, Fiore della gallcria Par- 
mense. p. 54'.  Zaist, Notizie istoriche de" 
pittori etc. Gremonesi. I. 100.  Crowe nml 
 (Javalcaselle, I-Iistory etc. I. 590. Anm. 1 n_ 
in Zahlfs Jahrbiichern für Knnstwissensch. IV.
        

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