Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602154
J an Appelman. 
25,5 
theils als Verkäufer. Mehreremale wurde er in gemacht, indem Kaiser Karl V. am 14. Juli 1521 
derselben Zeit zum Vormunde von Waisen oder den Grundstein zum neuen viel weiteren Chor 
zum Testamentsvollstreckergewählt; im J. 1422 legte, der unter sich eine Krypta haben sollte. 
war er derjenige des Baumeisters Jan Strekaert. Man arbeitete daran mit grosser Thätigkeit bis 
In Akten von 1425 und 1426 erscheint er dann 1533, wo ein schrecklicher Brand den Dachstuhl 
in einem Ehrenamt in Erbschaftsangelegenhei- und etwa 60 Altäre zerstörte und das ganze 
ten, sowie als Bürge für den Bürgermeister Ant- Langhaus und die Thürme in Asche zu legen 
werpen's in einer Sache gegen den Bürgermeister drohte. Der Bau wurde eingestellt, und die 
von Aalst. Ueberall steht in den Akten vor fertigen Theile des neuen Chores am Ende des 
seinem Namen der Titel Meestcr. Aus jenen 16. Jahrh. niedergerissen. 
Thatsachen erhellt aber, dass sich A. in seiner Appelnian leitete von 1431-34 noch andere 
Vaterstadt eines grosscn Ansehens erfreute. Arbeiten; er liess den alten Thurm der ur- 
Peter's Name knüpft sich an den Bau der spriinglichenKollcgiatlzirche widerherstellenund 
Liebfrauenkirche von Antwerpen, doch ist er überwachte den Guss von zwei neuenGlocken. 
nicht, wie unzählige Bücher angeben, der Ur- Ein fast ebenso ausgedehnter Brand als der vor- 
heber des Planes. Aus allen Nachrichten und erwähnte, am 7. Juni 143-1, Wenige Tage nach 
Studien ergibt sich, dass die ältesten Theile der des Künstlers Tod, vernichtete in einigen Stun- 
Kathedrale dem 14. Jahrh.angehören. 1406 Wa- den einen grosscn Theil der Baulichkeiten, 
ren der Chor mit seinen Umgängen und die ausserdem die Mehrzahl der Altäre, Fenster, 
Querschiife noch nicht beendigt. Der Bau des kirchliche Geräthe, die Bücher ,der Bibliothek 
Mittelschiifes stammt aus derselben Zeit; der und die Arbeiterwerkstatt, wo sich die Zeich- 
Stil ist der des Chores. Ein Theil der" beiden uungen und Modelle befanden. 
Seitenschiife der Südseite ward in dem ersten Appelman bezog jährlich, in seiner Eigen- 
Viertel des 15. Jahrh. gebaut. 1419 oder 1420 schaft als Leiter des Baues, den bescheidenen 
wurde der häufigen Ucberschwemmungen ausgo- Gehalt von 2 Pfund 10 Sehillingen Brabanter 
setzte Chor beträchtlich erhöht, und man hat Währung. Im Winter erhielt er 6, im Sommer 
durch Ausgrabungen entdeckt, dass seitdem 10 Groschen den Tag, während die anderen 
durch die unter der Erde verborgene Basis der Steinmetzenbloss 5, beziehungsweiseSGroschen, 
Pfeiler diese ungefähr 10 Meter an Höhe, und empfingen. Als er Materialien in Brüssel, in 
folglich ihre ursprünglichen schönen Verhält- den Steinbrüchen von Aftlighem u. s. w. für den 
nisse verloren haben. Das Niveau wurde auch Ankauf zu besichtigen ging, zahlte man ihm als 
an anderen Orten des Baues geändert. Appel- Reiscentschädigung täglich einen Schilling (zu 
man war es, der diese Anordnungen traf. Zu 12 Groschen). Dieser grosse Künstler starb den 
der gleichen Zeit begann man unter seiner 16. Mai 1434, wie aus den Rechnungen sowie 
Leitung mit der Fundirung des grosscn nörd- aus dem Grabmal, das in der St. Georgskirche 
liehen Thurms, und die Arbeiten des ungeheuren war, hervorgeht. Ervermaehte der Lieb-Frauen- 
Baus wurden so rasch gefördert, dass dieser beim kirche eine Summe von 26 Schillingen 8 Hel- 
Tode des Architekten im J. 1434 beinahe die 18m. Jan Tac folgte ihm in der Bauleitung der 
Höhe der zweiten Galerie erreicht hatte. An die Kirche, 
Gflllldarbeiten zum Südlichen Thllrm legte man Bereits vor 1414 hatte der Künstler Elisabeth 
6131911191430 die Hand-  Reyners, Reynecrs oder Reynere, uneheliche 
Zur Würdigung des Anthcilcs, den Appelman (Pochtei- eines Goldschmieds Jan, geheiratet, er 
beim Bau der Kirche genommen, können wir erhielt von ihr ein Mädchen, wie die Mutter ge- 
leider bloss zwei Baurechnungen beiziehen; die nannt, welches Jan Smit odcr_de Smet zum 
eine beginnt mit Weihnachten 1430, die andere Ehemann bekam. In ihr erlosch die Linie der 
mit Weihnachten 1433, beide umfassen den Zeit- Antwerpener Appelman. Jedoch nahmen ihre 
raum von sechs Monaten. Man liest darin, dass Abkömmlinge häufig den Namen Appelman oder 
in der Furcht, die Wasser der Scheide könnten Appelmans an, und im 16. Jahrh. finden sie 
in die. zur Grundlegung des südlichen Thurmes sich unter dem Namen Smit, genannt Appel- 
gezogenen tiefen Gräben eindringen, der Bau- mans. So kennt man den Steinmetzen Peter 
meister den Arbeitern befahl, sie sollten ihre Appclm aus, der von 1454 bis 1470 am Bau 
Malzeit auf dem Bauplatze selbst nehmen, um der Frauenkirche thätig war, und einen anderen 
auf alle Fälle bereit zu sein. Da wie bemerkt, Peter, der dasselbe Ilandwerk ausübte und 
seine Vorgänger den Ohorboden so niedrig ge- ebenfalls an diesen Arbeiten von 1477 bis 1520 
setzt hatten, dass er bei-jedem grosscn Wasser- mitwirkte. Dieser half im J. 1519 die letzten 
stande überschwemmt wurde, hatte Appelman Schichten der grosscn von seinen Vorfahren bee- 
das Niveau geändert. Deshalb errichtete er die gonnenen Bailwerkra legen, und schnitt stolz 
Grundmauern der Thiirme und des Restes der auf seinen Namen in eine der höchsten Galerien 
Kirche viel höher mit dem offenbaren Hintcrge- des Thurrns die einfache aber ruhmreiche In- 
danken, das Kapitel werde so später zum Neu- Schrift: Appelmans fccit, die man noch heutigen 
bau des Ohm-es und der Kreuzsehiife genöthigt Tags liest. Ein Zweig der ltamilie liess sich in 
sein. Und in der 'l'hat wurde damit ein Anfang Briissel nieder: ein Jan Appelm an wurde 
Meyer, Künstler-Lexikon. 11.   24
        

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