Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602143
184 Jan Appelman. 
 
J an ist der älteste. Appelman ist in Ame- eine Bezeichnung, die für jene Zeit gleich be- 
lius von Gramaye latinisirt worden nach dem deutend mit Architekten ist. Sonst hat man 
mittelalterlich lateinischen melum, griechisch wenig Nachrichten über ihn. Hr. de Burbure hat 
flipxov, niederdeutsch appel, hochdeutsch Apfel. in den Stadtarchiven von Antwerpen einige auf 
Nach Gramaye begann Jan Amelins im J. 1422 ihn bezügliche Akten entdeckt. Einer derselben 
den Bau des Thurmes an der Kathedrale Un- vom 1. April 1395 (neuer Zeitrechnung) meldet, 
serer Lieben- Frau zu A n t w e r p e n. Der dass Jan einen Garten miethet, ein anderer VOm 
Name Amelius hat verschiedene Irrthümer her- 28. Sept. 1395, erwähnt seine Witwe Zoete oder 
vorgerufcn. Marshall und Bogaerts haben da- Mersoete Buys und besagt, dass sie bereits an 
raus einen Architekten von Bologna gemacht den Steinmetzen Jan Sanders wieder verheiratet 
und selbst sein Bildniss erfunden und veröfe war. Appelman ist demnach zwischen den bei- 
fentlicht. Andere schrieben dann Amelio. Dus- den Daten gestorben. In einem Akt vom 
sieux nimmt ihn als einen Franzosen in An- 30. Okt. 1398 erscheint dann die Witwe vor den 
spruch , lässt ihn zu Boulogne-sui- Mer geboren Schölfen mit ihrem Sohne Peter, der damals be- 
und von Karl VI. nach Frankreich mitgenom- reits volljährig und mehr als 25 Jahre alt war. 
men werden. Merlo seinerseits beansprucht für Peter kommt noch einmal vor, mit der Mutter in 
 Köln die Ehre seiner Geburtsstadt. Hr. Leon einem Akt vom 3. Feb. 1399, bei Gelegenheit des 
de Burbure hat (in der Biographie nationale) Verkaufs eines Hauses, das ihnen gemeinsam 
diese Meinungen in ihr wahres Licht gesetzt und gehörte.  Dann existirt eine Lücke in den 
uns die von ihm benutzten NotizenJiberlassen. Rathsaktexi von 1399-1405. 
Diese liegen unserer Darstellung zu Grunde, Andererseits habe ich in einer Rechnung der 
welche in einigen Theilen von der seinigen ab- Departementalarchive der Gote d'or zu Dijon 
Weißhi- die folgende Stelle gefunden: A Pierre Aple- 
In einer Sammlung von Grabschriften (1575 main, tailleur dymaiges a ouvrer de menu fers, 
durch einen Christoph van Huerne von Gent zu- demourant a Dijon pour sept sepmaines et sept 
sammmengestellt und von den Geschichtsehrei- jours commengant le xij: jour de septembre 
bern Antwcrpenh, Mertens und Torfs, benutzt) mil ccco et ung et iinissant le dernier jour 
steht auch folgendes Epitaph,das sich früher vor d'octobre qu'il a vacque continuellement en 
dem Hauptaltar der alten St. Georgskirche ouvrant et besoignant en la taille et fagon de 
zu Antwerpen befand: Hier legh begraven plusieurs tabernacles de pierre pour le portal de 
Jan Appelman [ metser van der metselrye der Peglise des chartreux en Champmol ct en plu- 
kercken l in de stadt Antwerpen  die ten toren sieurs autres choses et besognes de son mestier, 
tot onser vrouwe l toeleyde en sterft int jaer au pris de XVIIJ gros par sepmaine. Es erhellt 
M. CCCO. XXXIIIJ. xv d. in mey. Die Interpreta- hieraus, dass Appelman ein Paar Monate lang 
tion dieser Grabschrift hat ergeben, dass zwi- beschäftigt war, die Ornamente an der Kirche 
sehen der zweiten und dritten Linie eine Lücke des Karthiiuserklosters auszubauen, welche 
sei, und dass man anstattnmetsßr van der met- Philipp der Kühne von Burgund auf seine 
selryeu meester etc. lesen müsse. AllSSUftlßlll Kosten bei Dijon aufführen liess. Wie alle 
hat man dem Worte ndcfa das W011; sdezeru nn- Baukünstler seiner Zeit verstand sich Peter 
terschieben und so aus Jan Appelman einen der auch auf die Steinornamentik. 
Baumeister der Georgskirche machen wollen, Nach einem anderen Dokument (ebenfalls in 
deren Chor 1326 begonnen wurde, deren Vollen- den städtischen Archiven Antwerpeds durch 
dung aber mit den Seitenschiifen erst in den An- Hrn. de Bnrbure aufgefunden) war Peter bereits 
fang des 18.Jahrh. fallt. Allein nichts steht der im J. 1406 mit den Arbeiten am Chore-dcr L, 
Annahme entgegen, dass die Worte rdcr kerckens Bh-auenkirclie beschäftigt, deren Wiederaufbau 
59T Üelizt fehlenden) Bezeichnung der Kirche um die Mitte des 14. Jahrh. fortgesetzt worden 
selbst vorausgehen und dass ihnen das Wert war: Laurentius Volcmaer genannt de Gheer, 
"Van" und die Angabe des Pütfüllß (lefsßlbßn Vorsteher des Bauwesens für die Kirche, ver- 
nachfolgen. Lassen wir also das Dokument nicht macht durch sein Testament vom 14. Jnni 1406 
mehr sagen, als nöthig ist. Es enthält an seinem eine Summe von 12 ilandrisehen Groschen an 
Schlusse ein Todesdatum, und aus einer Rech- jeden der acht Hauptarbeiter (operarii), Maurer, 
nung der Bauverwaltung zu Unserer Lieben Steinmetzen, Zimmerleute u. s. w., mit Namen 
Frauen von Antwerpen weiss man, dass Peter  Godefridi Jacobi, Nicholao Smit, Petro Ap- 
Appelman, Sohn des oben erwähnten Johann pelman u. s. f. Der erste war dazumal über die 
gerade 1434 verstorben ist. Es ist daher nn- Maul-erarbeiten gesetzt und Stadtarchitekt, sehr 
zweifelhaft, dass sein Name in der Grabschrift wahrscheinlich auch Baumeister der Kirche. 
enthalten war, und dass sich auf den Vater Jan Den Namen Appelmans trifft man dann noch 
der Anfang, auf den Sohn Peter das Ende der- einmal in einem Akt von 1407 und dann in den 
selben bezieht. Antwerpener Archiven nicht wieder bis 1420. 
Diese Inschrift, so ungenau sie ist, hat Von da an gebeir sie uns einige Daten über 
doch den Werth, dass man aus ihr den Jan Ap- seine Person: sein Name kommt von 1421-33 
pchxian als Meister der Maurerci kennen lernt, in zehn Aktenstücken vor, thcils als Käufer,
        

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