Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602098
Apollonios. 
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nutzung aller Kräfte im Kampfe gegen die phy- 
sisch überwiegende Gewalt des wüthenden Stie- 
res erfordert, sondern auch in dem Beschauer 
durch die kühne Aufgipfelung aller, die schreck- 
liche Katastrophe unabwcndbar vorbereitenden 
Umstände den höchsten Grad tragisch-patheti- 
scher Erregung hervorrufen muss. So gehören 
beide Werke einerGeistesrichtung an, für welche 
sich nur in der alexandrinischen Epoche die 
nothwendigcn Voraussetzungen finden; und die 
Annahme einer Entstehung in der römischen 
Kaiserzeit, die hinsichtlich des Laokoon noch 
einige Vertheidiger findet, fällt für den Stier 
schon darum weg, weil derselbe bereits in der 
Zeit des Augustus nicht etwa neu gearbeitet, 
sondern von Rhodus nach Rom versetzt wurde. 
s. Welcker, Alte Denkm. I. p. 352.  Brunn, 
Gesch. der griech. Künstler. I. 495.  Frie- 
derichs, Bausteine. p. 317.  Overbe ck, 
Gesch. der griech. Plastik. II. p. 240. 
Abbildungen z. B. bei Müller, Denkmäler 
alter Kunst. I. 47. 215 und im Museo Borbonico. 
XIV. 5-6. Lieber antike Nachbildungen auf 
Münzen u. s. w. vergl. Arch. Zeit. 1853. p. 651i". 
3) Ap ollonio s, Bildhauer, Sohn des Nester 
aus Athen, der Künstler des berühmten Hera- 
klestorso im Belvedere des Vatikans Da der- 
selbe beim Theater des Pompeius in Rom ge- 
funden ist, und die Züge der Inschrift auf die 
Zeit der Erbauung desselben hinweisen , so 
scheint das Werk zur Ausschmückung dieses 
Baues gearbeitet zu sein. Die Spuren antiker 
Restaurationen erklären sich dann durch die Be- 
schädigungen, die es bei den mehrfachen Brän- 
den des Theaters erlitten haben mochte. Nach 
dieser Zeitbestimmung ist es wenigstens möglich, 
auf denselben Künstler eine Nachricht des Chal- 
cidius zu Platds Timaeus (p. 440 ed. Meurs.) 
zu beziehen, in welcher ein Apollonios als 
Künstler der Statue des J uppiter Capitolinus aus 
Gold und Elfenbein angeführt wird. Der Tem- 
pel war nämlich 84 v. Chr. Geburt abgebrannt, 
zwar 69 von Catulus schon neu geweiht, aber 
noch 62, also gerade in der Zeit des Pompeius 
nicht ganz vollendet (vgl. Tac. hist. 3, 72; Dio 
37,  Die Nachrichten über zwei andere In- 
schriften mit des Apollonios Namen sind nicht 
hinlänglich verbürgt.  
Uebcr die Restauration des Torso sind die 
Meinungen noch getheilt. Ziemlich allgemein 
aufgegeben ist wohl die Ansicht, dass zur Lin- 
ken des Heros noch eine weibliche Gestalt, sei 
es Hebe oder Auge, gestanden habe. Zweifel- 
haft erscheint auch die Annahme, dass er ermii- 
det dasitzend, die Keule oder einen Stab neben 
sich gestellt und einen oder beide Hände auf 
dieselbe gestützt gehabt habe. Die meiste Wahr- 
scheinlichkeit hat die Vermuthung E. Petersenls, 
dass der Heros auf den linken Schenkel die 
Leier gestellt, mit der Linken das Horn dersel- 
ben oder den Steg gefasst, mit der Rechten aber 
die Saiten berührt habe, wobei das Haupt so 
23' 
Todesjahr 1654, 1- 1729. Auch er kannte keinen  
grösseren Ruhm als die Bassano nachzuahmen," 
nur dass er darin weit hinter seinem Grossoheim 
zurüekblieb. In den J. 1681 und 1697 malte er 
Fresken in der Kirche S. Giambattista zu Bas- 
sano, aber seine Arbeiten wurden bei einem Um- 
bau zerstört. 
s. Verci, Notizie alla vita etc. de" pittori di Bas- 
sano. 1775. p. 230. 
Jansen. 
Apollonios. 1) Apollonios, Architekt zur 
Zeit des Kaisers 'l'rajan, Sohn des Ammonios: 
aus Alexandria. Sein Name findet sich auf einem 
von ihm geweihten Altare bei Mons Clandianus 
in Aegypten wo er vielleicht mit der Leitung 
der dortigen Steinbrüche betraut war. 
2) Apollonios, Bildhauer, der in Gemein- 
schaft mit Tauriskos die berühmte Gruppe des 
farnesisehen Stieres ausführte, welche von Rho- 
dus in den Besitz des Asinius Pollio gelangt, im 
16. Jahrh. in den Thermen des Caracalla wie- 
der aufgefunden, spater- mit der farnesisehen 
Erbschaft nach Neapel gebracht wurde. Nach 
der Angabe des Plinius (xxxvr. 34): parentum 
hi certamen de se feeere, Menecraten videri 
professi, sed esse naturalem Artemidorum, schei- 
nen sie Brüder gewesen und ausser ihrem wirk- 
lichen noch einen Adoptivvater gehabt zu ha- 
ben, dessen sie (ob vielleicht in einem Epi- 
gramme unter der Gruppe?) in besonderer Ver- 
ehrung gedenken mochten. Ihre Vaterstadt war 
nach anderweitigen Nachrichten über Tauriskos 
Tralles in Karien ; doch schliessen sie sich ihrer 
ganzen Kunstrichtung nach durchaus der Schule 
von Rhodos an, wo ihr gemeinsames Werk ur- 
sprünglich aufgestellt war. Keine andere Kunst- 
sehöpfung des Alterthums ist dem Stier ver- 
wandter, als der Laokoon (s. unter Agesandros). 
Selbst ganz ausserlich in der Erwähnung bei 
Plinius tritt diese Verwandtschaft hervor: wie 
er beim Laokoon die Schwierigkeit der Kompo- 
sition durch die Einweisung auf vden Vater, die 
Söhne und die wunderbaren Windungen der 
Schlangens und ihre Ausführung in einem Mar- 
morblocke hindeutet, so finden wir bei dem Stier 
wiederum nZethos, Amphion und Dirke, den 
Stier und das Tau aus demselben Marmorblockec, 
wobei sogar die Antiope, der Ortsdämon und 
die reich verzierte Plinthe nicht einmal er- 
wähnt sind. Wir finden also hier noch eine Stei- 
gerung in der Komplikation derProbleme, deren 
Lösung sich die Künstler versetzten, eine Stei- 
gerung, die noch bedeutsamer durch den Um- 
stand wird, dass der Laokoon für eine Haupt- 
ansicht komponirt ist, während der Stier etwa 
für dieAufstellung auf einem öffentlichen Platze 
berechnet ist, wo er von allen Seiten gesehen 
werden konnte. Nicht weniger zeigt sich diese 
Verwandtschaft in der Wahl des Momentes, der 
nicht nur von Seiten der handelnden Personen 
die höchste Anspannung und gewandteste Be-
        

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