Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1602001
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Vorrang vor sich selbst zuerkannte : Plin. xXxv. Linie mit anderer Farbe eine noch feinere hin- 
80 u. 107; s. u. Asklepiodoros. Beiden ein: alio eolore tenuiorem lineam in illa duxisse. 
Künstlern gegenüber handelt es sich um die Als endlich Apelles wiederkommt, theilt er die 
räumlichen Verhältnisse der Komposition und Linie nochmals mit einer dritten Farbe: tertic 
ihrer Theile zu einander, namentlich wol, wenn colore lincas secuit, nullum relinquens amplius 
auch nicht um eigentliche Perspektive, doch um subtilitati locum. Die Tafel mit den kaum sicht- 
die Aufstellung und Anordnung der Figuren baren Linien soll später in Rom gewesen und 
innerhalb des Rahmens der Komposition nach besonders von den Künstlern bewundert werden 
ihrer Breite und Tiefe. So wenig nun sonst et- sein, bis sie bei einem Brande der Kaiscrpaläste 
was über die Werke des Apelles in dieser Be- auf dem Palatin (4. n. Oh. G.) zu Grunde ging. 
ziehung überliefert wird, so lehren doch die Die Glaubwürdigkeit des Einzelnen mag uner- 
Gegenstände selbst, wie der Künstler in ricliti- öi-tcrt bleiben; der Sinn der ganzen Erzälung 
ger Selbstbeschränkung sich hier bestimmte kann nur der sein, dass Apelles durch das 
Grenzen gesetzt hatte. Sehen wir von den ein- Ziehen einer tadellosen Linie durch oder quer 
zelnen Gestalten und den Bildnissen mit einem über eine grosse Tafel (amplae magnitudinis) 
Rosse oder Begleiter ab, so scheint er sich für von der ungewöhnlichen Feinheit seiner Hand 
seine figurenreicheren Gemälde ziemlich einseitig Zcugniss ablegen will und dass er nachher den 
auf eine einzige Form der Komposition be- unter ersehwercnden Umständen mit ihm rivali- 
schränkt zu haben: eine Aufstellung der Figu- sirenden Protogenes auch noch innerhalb dieser 
ren in der Breite, nicht in der Tiefe des Bildes. engeren Schranken an Subtilität und Sicherheit 
Die Pompa des Megabyzos ist ein Festzug; übcrbietet. So gefasst zeigt uns die Erzälung 
Alexander mit dem Kriegsdämon ein Triuinph- nur den letzten Erfolg des sprichwörtlich gewor- 
zug; der König mit Nike und den Dioskuren denen: nulla dies sine linea. Apelles liess näm- 
das Seitenstück dazu. In der Verleumdung be- lieh keinen noch so beschäftigten Tag ohne 
wcgt sich alles wie in einem Zuge auf die Haupt- Iiinienübung vorübergehen: ut non lineam du- 
figur, den sitzenden Mann zu; und endlich cendo exerceret artem: Plin. xxxv. 84. Es ist 
Diana, wie sie mit ihren Nymphen durch die also die höchste Virtuosität der Hand, welche 
Wälder streift, ordnet sich am einfachsten in Apelles erstrebte, und welclieals die ersteGrund- 
derselben Weise. Nirgends wird cine besondere lage jener Oharis betrachtet werden darf, indem 
Tiefe des Bildes verlangt, für welche ein tieferes sie die aufgewendete Kunst vergessen und das 
Verständniss der mathematischen Bedingungen Werk als ein gewordenes, nicht als ein gemach- 
des Raumes mit Nothwendigkcit erforderlich tes erscheinen lässt. Die Anwendung dieser 
gewesen wäre: für die einfache Entfaltung in Virtuosität musste zunächst in der Zeichnung 
der Breite konnte schon ein natürliches, halb hervortreten und auch hier begegnen wir wieder 
unbewusstes Gefühl für Anniuth und Schönheit einer charakteristischen Anekdote. Nach Alex- 
der Linien genügen. So erkennen wir also mit andria durch einen Sturm verschlagen wird ihm 
dem Künstler selbst die Beschränkung seines nach einem hinterlistigen Anschlage seiner Ne- 
Talcntes an; ein Tadel indessen würde ihm da- benbuhler eine falsche Einladung zur Tafel des 
raus nur in dem Falle erwachsen sein, wenn cr, mit ihm auf gespanntein Fusse lebenden Ptole- 
anstatt diese Grenzen zu achten, sie zu über- maeus zugestellt. Als nun der erbitterte Fürst 
schreiten gewagt hätte. ihn fragt, wer ihn geladen, nimmt eneine Kohle 
Sein besonderes Verdienst suchte Apelles in nnS einem K0hinnbenken_ und miffhflet den 
einer anderen Richtung und er fand es vorzugs- Boten an die Wand, dass liln der Knniß schon 
weise in der noharißtt: ein Ausdruck, welcher, bei den ersten Strichen erkennt: Plin. iixxv..8ii_ 
voi-läuiig als nvßnendete Anmut. übgfgßtzt] Hier finden wir alsdwiederuiii die Virtuositat 
doch erst vollständig gewürdigt werden kann der Hand und zwar im Dienste einer scharfen 
durch die Erkenntniss der Grundlagen, auf Charakteristik, die uns einen Schluss auf ana- 
welclien diese Eigenschaft als Inbegriff der Voll- lege Verdienste im Fache der Portratmalerei ge- 
endung beruht. Die Künstleranekdote ist frei- stattet. Unter diesem Gesichtspunkte dürfen 
lieh für die Untersuchung so wichtiger Fragen WiT Viniißinili? Sogar die Naßhrufht des borflchtlg" 
eine trübe Quelle, die mit Recht einigermassen tßn APinn nicht Vöiiiä Vßfwefißn, dass ein Kra- 
in Verruf gekommen ist; aber bei der Dürftig- nininge (CK fMiC hnnliniß divlnaninin) flnon 1110- 
keit sonstiger Nachrichten darf sie dennoch nicht TJQPOSCOPOS Voßnnt) aus den sprechend ähnlichen 
unberücksichtigt bleiben. Bekannt ist die Er- POITYätS den Apßiins die Lfibensdauei der dal'- 
zählung von der "Linien des Apelles: Plin. xxxv. gestellten Personen zu bestimmen unternommen 
81. Er kommt nach Rhodus, um Protogencs zu habe: Plin. xxxv. 88. Auch das Verdienst der 
besuchen findet ihn nicht zu Hause und anstatt Bildßl" Von Sterbenden lnng Weniger nn Psynhn- 
seines Naiincns läissteijjauf einer für ein Gemälde logischen Ausdrucke begründet Bewiesen sein, 
bereitstehenden Tafel eine feine Linie zurück: 3-19 in der Wahrheit und der Schärfe, Inli? W61- 
adrcptoque penicillo lincam ex colore duxit eher in ihnen der pathologische Prozess des Ster- 
summae tenuitatisperjtabulain. Protogenes er- bens zur Anschauung gebracht sein wird. End- 
kennt die Hand des Apelles und zieht in dieselbe lieh muss eine grosse Feinheit der Zeichnung
        

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