Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601999
Apelles. 
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strakten begriiflichen Denken verdankt. Die delt es sich bei ihm nicht um eigentliche Genre- 
Darstellungen der Gewittererscheinungen mögen malerci.; sondern seine Gestalten gehören noch 
allerdings in ihrer künstlerischen Gestaltung durchaus dem Gebiete an, welches die Griechen 
sich an manche aus unmittelbarer Anschauung als Megalographie bezeichnen. Aber es fangt 
der Natur herausgeschaifene Wesen oder Perso- die freie, rein aus der Idee schaffende poetische 
nifikationen, wie die Dämonen des Meeres, die Kraft zu mangeln an, und an die Stelle eigent- 
Windgötter u. a. angeschlossen haben, aber licher Idealgestalten treten vCharaktereu, nicht 
schon in der Benennung der drei Gestalten be- Individualitäten, sondern Gestalten als Träger 
gcgnen wir wieder einer Scheidung nach be- gewisser, bestimmt begrenzter Eigenschaften. 
stimmten Begriifen. Die Verleumdung in ihren Ursachen und ihren 
Auf diese den Kiinstlerdurchaus beherrschende Fcigcn Wird dnrch rciicktircndcc, abstrakt Phi" 
Geistesrichtung muss mit allem Nachdruck bei icncphinchcn Dcnkcn in cinc Rcihc Vcn cinnci" 
der Beurtheilung eines Werkes hingewiesen ncn Eigcnschitttcn und Bcgritiicn Zcificgt und ein 
Werdgn, welgheg man dem Küngtlgr enfwgder jBdBI (lGfSGlbGIl wird dllYCh eine bGSOIIdGTB G6- 
gänzlich hat absprechen oder höchstens als eine Siuit Sinniich veranschaulicht Ncch c-hcr gc" 
Verirrung seines Greisenalters hat gelten lassen Schicht dieS nicht durch äusserliche, häufig nur 
wollen: das Bild der Verläumdung. Wir mögen im metaphorischen Sinne angewendete Attribute, 
berechtigt sein, die Allegorie im Pfinzipg zu SOIIÖGFII der Begriff findet seinen Allßdfllßli i!) 
vorwerfen; aber wir dürfen dnrnni don oin- der Charakteristik des geistigen Wesens der 
zelnen Künstler und das einzelne Werk nicht Figuren 861118151 die Verleumdung ist erhitzt und 
für die gesammten Sünden des Prinzips verant- VOn Zcrn erregt, (icr Neid hiuSS und n-hgcnchrt, 
wQrtlich macheir Das Bild der Verleumdung die Reue traurig und verschämt. SO haben wir 
ist allerdings eine Allegorie, aber als solche darf cS 8180 hier, Wenn auch das ganze Bild einen 
es nicht 3,15 nmongtröso, als; neing Graugn eri-e- durchaus allegorischen Charakter trägt, dOGh im 
gende Erfindung, eine Verirrung der Phantasien Einzelnen kaum mit eigentlich allegorischen Ge- 
bezeichnet werden, sondern vor-dient innerhalb stalten, sondern mit Personiiikationen ethischer 
der Grenzen des Prinzips eher Anerkennung als Bcgriitc nnd psYchoicginchcr Afcktc zu thiin- 
Tadel. Die Gefahr, welche eine vereinzelte allc- Es ist gcWiSS ilnrichtig, Wcnn man das Her- 
gorische Figur wie etwa der Kairos des Lysipp vortreten dieser symbolisch-allegorischen Rich- 
darbietet, ist hier wenigstens zum Theil dadurch hing hci Apelles auf einen EiniiuSS der Schule 
vermieden, dass der Gedanke in einer Reihe von Vcn Sikyon hat Znriickfiihrcn und iibcrhnnpt sein 
Figuren entwickelt ist, welche sioh in begtimm- Verhältniss zu derselben so hat darstellen wol- 
ten Gegensätzen von einander nbhobon und len, als 0b der videalistische Grundzugw seiner 
ausserdem durch eine, wenn auch noch so adurch und durch ionischen Natur" durch die 
schwache Handlung, das Heranschleppen des vrealistische Richtung der dorischen Kunst Si- 
unschuldigen Jiinglings, unter einander ver- kyon'sa im innersten Grunde eigentlich mehr 
bunden sind. Die Komposition zeigt uns also Einbusse erlitten als Förderung erfahren habe. 
nur die weitere Entwickelung derjenigen Auf- SChOII der Umstand, dass cr dcrt nicht Scinc 
fassung, welcher wir bereits am Kasten des crstc Biidnng crhicit, Sondern dass 91' mit 86' 
Kypselos (Paus. V. 18, 1) in der Grnppo der reiftem Bewusstsein zur Vollendung und Abrun- 
Diko und Adikin in dor Nokyin den Poiygnot dung seiner Studien Sikyon aufsuchte, hätte 
(Paus. x. 28) in den Gruppen des Vatermördorg von einer solchen Auffassung abmahnen sollen. 
und Tempelräubers, wie in der des Qknos und Die Klarheit, mit welcher er auf der Höhe seines 
der Uneingeweihten begegnen (vgl. Meiner. dell' Rninncc hci ciicrn berechtigten Scihstgcfiihi 
Inst. arch. 11. 383). In der Durchbildung der dßch auch die Grenzen seines Verdienstes anzu- 
einzelnen Gestalten mochte vielfach die Tragö- erkennen wusste. scheint ihm auch schon in 
die vorangegangen sein: die Hauptfigur der jüngeren Jnhrcn cigcn gcwcccn zu ccin- Er mag 
Diabole erinnert an Lyssa und Oistros; Apate gefühlt haben, dass die ihm V0n der Natur ver- 
und Phthonos finden wir unter den tragischen liehenen Gaben der strengen und systematischen 
Masken bei Pollux IV. 142, wie auf unteritali- Durßhhiidnng hciinrttcn, Wie Sie gerade und 
sehen Vasenbildern. Ausserdem aber dürfen eben nur die sikyonische Schule darzubicten ver- 
wir nicht vergessen, wie auch in der Literatur Iucchlic- Und in dißßer Richtung hat sie ihm ge- 
durch Aristoteles, Theophrast n, a, die ab- leistet, was er erwartet, währendaufdenjenigen 
strakte philosophische Schilderung und Zerglie- Gebieten, auf welchen ihn die Natur weniger 
derung von moralischen Charakteren sich der freigebig hciiccht, auch Sie nicht S0 Vici Ver- 
Auffassung des Apelles durchaus parallel ent- mochte, dass sie ihn über andere erhoben hätte, 
wickelte, und wie auch die nonoro Komödie wenn sie auch manche Mängel verringert undab- 
Charaktere von allgemein typischer Geltung äccchwiicht haben Wird. 
auszubilden bestrebt war. Das Bild des Apelles Diese Gebiete bezeichnet Apelles selbst, in- 
ist also durchaus charakteristisch für die ganze dem er dem Melanthios de dispositione, dem 
Zeit, und der Künstler erweist sich durch das- Asklepiodor de mensuris oder, wie es in einer 
selbe als ein Kind eben dieser Zeit. Noch han- zweiten Erwähnung heisst: in symmetria den 
Meyer, Künstler-Lexikon. II.  22
        

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