Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600343
 5941199. WEQYY: 
Andreasi. Ippolito Andreasi (auch An- 
dreasino genannt), Maler zu Mantua in der 
zweiten Hälfte des I6. Jahrh, der seiner Zeit 
eine gewisse Bedeutung gehabt hat, aber sei- 
nen Werken naeh, von denen sich beglaubigte 
nur in lllantua finden, zweijedoeh im Louvre 
zu Paris ihm mit Wahrscheinlichkeit zuge- 
schrieben werden können, gegenwärtig wenig 
gekannt ist. Er war nicht, wie sich öfters 
(auch von Lanzi) angegeben findet, Schüler 
des Giulio Romano, da er nicht einmal ge- 
boren war, als dieser Meister starb; das Sterbe- 
register von Mantua berichtet, dass er am 
5. Juni 1608 sechzig Jahre alt aus dem Leben 
schied (und zwar eines gewaltsamen Todes: nvon 
vielen Wundens), also um 1548 geb. war. Schon I 
ein Giovanni Andreasi, vermuthlich sein Ur- 
grossvater, kommt um 1428 zu Mantua als Maler 
vor. Der erste Lehrer des Ippolito war (nach 
Carlo d'Arc0) Lorenzo Costa, der J iingere; doch 
wandte er sich später der Manier des Francesco 
Mazzola (Parmigianino) zu. Er soll zu Mantua 
viel in Oel und Fresko gemalt haben; nurWeni- 
ges hat sich erhalten. Darin erweist er sich als 
einen gewandten Meister, tüchtig in der Form, 
anmuthig und harmonisch im Kolorit; doch hat 
er natürlich zugleich die Mängel der Manieristen 
seiner Zeit. Solche Züge hat das noch erhaltene 
Altarbild in S. Andrea zu Mantua in der 
dritten Kapelle links: Die Verkündigung in zwei 
Abtheilungen. Man erkennt in der Manier noch 
eine gewisse Tüchtigkeit, und die Madonna ist 
im Ausdruck noch recht anmuthig. Auch die 
Fresken in der zweiten Kapelle rechts, Geburt 
Maria und Verkündigung (sehr verdorben), 
möchte Susani (s. Literatur) dem Andreasinol 
zuschreiben; doch sind sie offenbar aus der 
Schule Giulio Romamfs, und daher nicht von 
unserem Meister. Dagegen ist von ihm noch ein 
Bild in der Kirche S. Barbara: die hl. Mag- 
dalena, welche dem Heiland die Füsse wäscht. 
Von ihm ferner, gemalt in Gemeinschaft mit 
Teodoro Ghigi, einem Schüler des Giulio, sollen 
die Fresken im Chor der Kathedrale von 
Mantua sein, welche die beiden in Mantua von 
Papst Alexander II. im J. 1067 und von Pius II. 
im J. 1459 abgehaltenen Konzilien darstellen, 
sowie die Fresken in der grossen Kapelle der 
Madonna Incoronata in derselben Kirche. 
Auch in dem Palazzo del Te , wo Giulio R0- 
mano seine Meisterwerke geschaffen, hat A. ge- 
arbeitet. Er selbst meldet in einem Briefe von 
1587 , dass er damals beauftragt war, den Sieg 
des Francesco Gonzaga am Taro im J  1495 zu 
malen. Das Bild kam ohne Zweifel zu Stande; 
doch hat sich Nichts davon erhalten. 
Neuerdings wird dem Meister wol mit Recht 
im Louvre zu Paris eine hl. Familie von En- 
geln bedient (kleine Fig.) beigemessen, die früher 
ganz sinnlos den Namen Ingegno trug, Das Bild 
ist in älteren Verzeichnissen einem Maler Namens 
Andrea Azio zugetheilt, welche Benennung um 
so eher auf Andreasi hinzudeutcn scheint, al 
Zani unter den verschiedenen Lesarten seine 
Namens auch Andreatio anführt. Das anmuthigi 
kleine Gemälde zeigt im Kolorit einen Nachfol 
ger des Parmigiano, in den" Bewegungen dei 
Einfluss Giulio Romands, in der Elisabeth da 
Studium Mantegnafs: Züge; welche deutlich au 
unseren zu Mantua gebildeten Meister hinwei 
sen (s. Stiche N0. 4 und 5). Auch die noch er 
haltenen Gemälde zu Mantua zeigen in ihre 
anmuthigen Bewegtheit und Frische des Kolorit 
ganz ähnliche Ziige.  Mündler schreibt den 
Meister im Louvre noch ein zweites Bild zu 
eine hl. Familie (kleine Fig.), das dort als Par 
migiano bezeichnet ist; es zeigt in der That fas 
dieselben Eigenschaften, und es scheint berech 
tigt, wenn das eine Bild, auch das andere den 
Andreasi zuzuschreiben (s. Stiche No. 6  9) 
Beide Werke aber bezeugen, dass A. unter dei 
Malern der Nachblüte eine bernerkenswerthi 
Stelle einnimmt. 
s. Oadioli, Descrizione delle Pitture etc. d 
Mantova. Mantova 1763. pp. 14. 23. 53.  
Mariette, Abecedario.  Susani, Nuov 
Prospetto etc. di Mantova. Mantova 1818. pp. 7 
9. 26. 120. 132.  Codde, Memorie Biogra 
tlche. Mantova 1837.  Carlo d'Arco, Dell 
Arti e degli Arteüci di Mantova. I. 79. II. 145 
243. 244. 251.  Gualau cli , Memorie Origi 
nali Italiane etc. S. III. 3.  Mündler, Esse 
d'une analyse critiqne etc. pp. 225-227. 
 i 
Nach ihm gestochen: 
1) David die Harfe spielend. Hipp. Andreasiu 
 inuen. Franc. Villamena fec. Ph. Thc 
massinus exc. Romae 1603. s. gr. Fol. 
2)  Dass. Gest. von J. Briot. gr. Fol. 
3) Verkündigung. Maria kniet in einer Säulen 
halle; oben Engelsglorie. Vielleicht nach der 
Bilde in S. Andrea zu Mantua. Hipp. Andrea 
sius innen. Franc. Villamena fec. Ph. Tho 
massinus exc. 1598. s. gr. Fol.  
4) Hl. Familie, von Engeln bedient. Nach der 
Bilde im Louvre. Gest. unter dem Name 
des Andrea Luigi gen. Ingegno von Nir 
Tardi eu , in: Crozat, ReoueildEstampee 
Fol. 
5)  Dass. Rad. von Chataigixer, unter der 
Namen des Parmigiano. Im Musee Filhol. gr. E 
6) Hl. Familie: die sitzende Jungfrau hält a1 
ihren Knien das Kind; dieses umarmt de 
kleinen Johannes, der auf die Wiege ge 
klettert ist. Hinter der Jungfrau zur Recl 
ten die hh. Joseph und Elisabeth. Nac 
dem Bilde im Louvre, dort Parmigian 
bez. , aber wahrscheinlich von Andreas 
Gest. von Abr. Bloemart. Fol. 
7)  Dass. Ebenso. Anonym. Fol. 
8)  Dass. Ebenso. Im Musee Filhol. gr. 8. 
9)  Dass. Ebenso. In Umriss gest. in: Lan 
don , Choix de Tableaux etc. 8. 
s. Heineken, Dict. -Katalog Winckler. 
i. W. Schmidt. 
Andrejanow. Zwei russische Heiligenbild 
maler: lwan undPhilipp Andrejanow. Si
        

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