Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601951
Apelles. 165 
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Peirene begegnete (Athen. X111. p. 558 e; Alci- mehr zufällig von einem Sturme verschlagen am 
phron fr. 5). Da wir ferner von einem späteren Hofe des Ptolemaeus zu Alexandria. Dass sich 
Aufenthalte in Athen nichts erfahren, so möchte Werke von ihm in Smy1'na, Samos, Rhodos, 
in diese frühere Zeit auch sein Zusammentreffen Alexandria befanden, gestattet noch nicht die 
mit Phryne in Eleusis gehören (s.  deren Annahme eines längeren Aufenthaltes an allen 
Blüte wir wegen ihres Verhältnisses zu Praxite- diesen Orten. Nur zu Kos scheint er dauernde 
les doch wol vor Alexander ansetzen müssen.  Beziehungen gehabt zu haben, da er einige Male 
In seinem weiteren Leben tritt besonders sein sogar Koer genannt wird. Handelte es sich da- 
Verhältniss zu dem makedonischen Königshofe bei nicht um ein blosses Ehrenbürgerrecht, so 
in den Vordergrund; 0b es sich direkt von Si- erlaubt vielleicht der Umstand, dass sein letztes 
kyon aus, etwa durch Vermittelung des ausAm- unvollendet gebliebenes Werk für Kos bestimmt 
phipolis gebürtigen Pamphilos ankniipfte, lässt war, die Vermuthung, dass er dort die letzte 
sich nicht beweisen. Jedenfalls bestand es schon Zeit seines Lebens zubrachte. 
zu den Zeiten Philipps gestaltete sich aber be- Ausser diesensehr spärlichen Nachrichten gibt 
sonders glänzend unter Alexander. Die be- es noch eine Reihe von anekdotenartigen Erzä- 
kannte, in verschiedenartigen Wendungen aus- hingen, welche sich nicht sowol mit den ausse- 
gedrüekte Nachricht, dass Alexander sein Bild- ren Lebensumstiinden des Künstlers, als mit sei- 
niss nur von Apelles habe wollen malen lassen, nein persönlichen Charakter beschäftigen. Wie 
dürfen wir wol in den modernen Begriif über- er mit Freimut dem Alexander gegenüber tritt, 
setzen, dass er der erste uns bekannte vHofma- so zeigt er sich auch als Kritiker. Der Anmaß- 
lerr eines griechischen Königs war; denn trotz sung eines Schnellmalers begegnet er mit dem 
des angeblichen Verbotes gab es doch auch von Urtheil, dass man sich nicht über seine Schnel- 
andern gleichzeitigen Künstlern gemalte Bild- ligkeit, sondern vielmehr darüber wundern 
nisse des Alexander (Plin. vn. 93 u. 125; Horat. müsse, dass er von solchem Zeuge in der gleichen 
epist. II. 1, 239; Ciead fam. v. 12, 13; Valer. Max. Zeit nicht noch mehr zu Stande gebracht habe: 
vnr. 11, ext. 2; Apul. florid. p. 117). Ueber Plut. de educatpuer. 9. Die vgoldreichen Helena 
das intime Verhältniss zwischen Herrscher und eines seiner Schüler, meinte er, habe dieser gold- 
Kiinstler werden allerlei Anekdoten erzält; als reich gemalt, weil er nicht im Stande gewesen 
Alexander einst in ungeschicktcr Weise über sie schön zu malen: Clem. Alex. protr. II. 12. 
Malerei gesprochen, habe ihn Apelles bedeutet, Er lässt sich von einem Schuster einen falsch- 
sich nicht vor den Jungen lächerlich zu machen, gemalten Stiefel korrigiren, weist aber die Kri- 
die im Atelier Farben rieben. Wie wenig zu- tik des Schenkelsfrnit der sprichwörtlich gewor- 
verlässig indessen dieses Geschichtchen ist, geht denen Redensart ab: Schuster bleibe beim Lei- 
daraus hervor, dass nach einer andern Version sten: Plinxxxv. 84; Valer.Max.v1Ir. 12, ext.3. 
statt des Alexander der ephesische Megabyzos Bedeutungsvoller erscheinen die Nachrichten, 
und in einer dritten statt des Apelles Zeuxis ge- dass er keinen Anstand nahm, die Verdienste 
nannt wird (Plin. xxxv. 85; Plut. de adul. et anderer Künstler, wie Melanthios undAsklepi0- 
amico 15; de tranquill. animi 12; Aelian. v. h. doros, offen anzuerkennen, ja nach bestimmten 
n. 2). Nicht besser steht es um die Glaubwür- Richtungen ihnen den Vorrang vor sich selbst 
digkeit einer andern Erzälung: als Alexander einzuräumen  Besonders aber war es Pro- 
ein von Apelles gemaltes Pferd nicht genügend togenes, den er nicht nur laut und aufrichtig be- 
bewundert, ein lebendiges Pferd aber dasselbe wunderte, sondern auch durch seine Anerken- 
angewiehert, habe sich der Künstler geäussert: nung aus materiell ungünstigen Verhältnissen zu 
es scheint. dass das Pferd von Malerei mehr _ver- befreien strebte. Er soll das Gerücht verbreitet 
steht als  3; h. a. IV. 50). Denn haben, dass er beabsichtige die fertigen Bilder 
auch hier finden wir eine zweite Version: dass des Protogenes für einen theueren Preis zu er- 
Apelles seinem Gemälde durch das Wiehern den werben, um sie als seine eigenen Arbeiten wie- 
Sieg über Konkurrenzgemälde verschalft habe; der zu verkaufen, und erst dadurch die Rhodier 
Plin. xxxv. 95. Etwas beglaubigter erscheint die veranlasst haben, bessere Preise zu zahlen: Plin. 
Nachricht, dass Alexander dem Apelles eine sei- xxxv. 87. So tritt uns aus diesen verschiedenen 
ner Konkubinen, Pankaste oder Pakate, nackt Notizen ziemlich übereinstimmend das Bild eines 
zu malen aufgetragen und, als der Künstler bei Mannes entgegen, welcher im Bewusstsein der 
diesem Anlass sich in sie verliebte, sie ihm ge- hohen Stellung, die er einnahm, doch ohne Hoch- 
schenkt habe, was als ein Zeichen der Selbst- muth gerechte Kritik annimmt, der Anmassung 
überwindung des Königs über Gebühr gepriesen entgegentritt und fremdes Verdienst, wenn auch 
wird (Plin. xxxv. 86; Aelian v. h. x11. 34).  in bestimmter Begrenzung, doch oifen und ohne 
Die Kriegszüge Alexander's mochten den Anlass Rückhalt anerkennt. 
bieten, dass auch Apelles sich wieder nach sei- 
ner kleinasiatischen Heimat zurückwandte und, 11- Werke- 
Wie es Scheint, Epheßos zu Seinem Hallptäufellt- So lehrreich es für die Entwickelungsge- 
haltsorte wählte. Wir begegnen ihm sodann bei schichte des Künstlers sein würde, wenn wir im 
einem Besuche des Protogenes in Rhodos, und Stande wären, seine Werke nach der Zeit ihrer
        

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