Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601833
Antonio 
jlai Trento. 
153 
9) Paulus, geht nachjrechts hin und wendet" 
seinen Kopf nach der anderen Seite herum,  
hat die linke Hand erhoben und hält unter 
dem rechten Arm ein nach oben gekehrtes 
Schwert. B. 12. 
10) Andreas, der Kopf nach rechts proillirt und 
der Körper nach derselben Seite hingewen- 
det, hält mit beiden Armen das schräge 
Balkenkreuz. B. 2. 
11) Simon, der Kopf nach links proiilirt und 
der Leib nach derselben Seite hingewexx- 
det, hält mit der Rechten die Säge und 
stützt sich mit der Linken auf seine Hüfte. 
B. 10. 
12) Judas Thaddäus, von vorn gesehen, kreuzt 
die Arme vor der Brust und blickt vor sich 
nieder. B. 11. 
13) Jacobus der Aeltere, der Kopf nach links 
profllirt und der Körper beinahe rückwärts 
gesehen, geht nach der linken Seite hin; 
er hat einen Hut auf dem Kopfe, stützt 
sich mit der Rechten auf seine Hüfte und 
hält in der Linken einen Pilgerstab. Bei 
Bartsch unter N0. 3 erwähnt, aber nicht 
beschrieben, weil ihm kein Abdruck dieser 
Figur zu Gesicht kam. 
14) Johannes, der Kopf nach rechts proiilirt 
und der Körper nach derselben Seite hin- 
gewendet, hält in der linken Hand einen 
Kelch, aus dem sich eine Schlange em- 
porwindet, und hat zu seinen Füssen den 
Adler. B. 4. 
15) Bartholomäus, der Kopf lläßll links proii- 
lirt, hält in der vom Gewande bedeckten 
rechten Hand das Messer. Von Bartsch 
unter N0. 6 erwähnt, aber nicht be- 
schrieben. 
I6) Matthäus, mit Nimbus und Glorie, der 
Kopf nach rechts proiilirt und der Körper 
nach derselben Seite hingewendet, hält 
mit der rechten Hand eine Hellebarde und 
trägt ein Buch auf der Schulter. B. 7. 
17) Philippus, mit einer Strahlenglorie um den 
Kopf, der 3h nach rechts hingewendet ist, 
geht nach derselben Seite hin, hat beide 
Hände gefaltet und hält zwischen den 
 Armen einen Kreuzstab. B. 5. 
18) Jakobus der Jüngere, der Kopf nach rechts 
profllirt und der Körper nach derselben 
Seite hingewendet, hat die rechte Iland 
auf der Brust und hält damit sein Gewand 
in die Höhe; er trägt einen Gürtel, wo- 
ran eine Tasche oder ein Beutel befestigt 
ist. B. 8. Der Apostel heisst hier T ho m a s. 
19) Thomas, der Kopf nach rechts profllirt und 
der Körper nach derselben Seite hinge- 
wendet; er hat in der Linken einen Speer 
und hebt mit der Rechten sein Gewand in 
die Höhe. Von Bartsch unter N0. 9 erwähnt 
und Jakobus der Jüngere genannt, aber 
nicht beschrieben. 
Dieselbe Folge der Apostel existirt in Ra- 
dirungen von einem Aetzkünstler, den ich nicht 
kenne. Er setzte auf seine Platten folgendes 
Zeichen: F. P., was Manche glauben liess, dass 
sie von Parmegianino gearbeitet wären; aber sie 
sind gewiss nicht von ihm, es ist weder sein Vor- 
trag noch seine A_rt zu zeichnen, Ich bin sogar 
überzeugt, dass diese Platten nach den Holz- 
schnitten in Helldunkel radirt worden; sie sind 
M 6 y er , Künstler-Lexikon. II. 
von gleicher Grösse, auf gleiche Art schattirt, 
die Figuren nach der entgegengesetzten Seite 
hingewendet, und eigenthümlich ist, dass die- 
ser Kupferstecher nichts radirt hat, was nicht 
gleich gross als Formschnitt in Helldunkel aus- 
geführt worden. S. weiter unten N0. 24, 25, 28 
 
20) Die Marter der Apostel Paulus und Petrus. Der 
römische Statthalter lässt in seiner Gegenwart 
den Paulus enthaupten, und verurtheilt zu einer 
anderen Todesart den Petrus, den ein Henker 
beim Bart gefasst hat und gewaltsam fortschleppt. 
Nach P a r m e gi an in o. Reiche Komposition 
von beinahe 30 Figuren? Helldunkel von 3 Plat- 
ten. Ohne Namen und Zeichen. qu. Fol. B. XII. 
Abth. IV. 28. 
Vasari berichtet, dass Antonio da Trento die- 
ses Helldunkel verfertigte, und hätte er es auch 
nicht gesagt, so könnte man sich hierüber nicht 
irren, wenn man sich die Mühe nähme, es mitdem 
vJobannes in der Wüsten und mit dem vLauwn- 
spielera, d. h. mit den zwei Blättern, worauf der 
Meister sein Zeichen gesetzt hat, zu vergleichen. 
Auch darf man sich nicht verwundern, dass die- 
ses Stück eines der schönsten ist, die nach Par- 
megianino in Helldunkel geschnitten worden 
sind, weil es unter seiner unmittelbaren Auf- 
sicht von Antonio da Trento ausgeführt wurde 
und er dabei die Arbeit des Formschneiders 
leitete.  Bartsch unterscheidet bei diesem 
Helldunkel zwei Plattenzustiinde, indem zuerst 
 das Ganze, nachher nur ein kleiner Theil des 
Vordergrundes mit drei, das Uebrige bloss mit 
zwei Platten gedruckt worden sei. Das sind aber 
keine verschiedenen Plattenzustände, die nur 
durch Hinzufügung neuer Arbeiten bedingt 
werden, sondern blosse Druckvarianten, Ab- 
drücke, die zu verschiedenen Zeiten abgezogen 
wurden, was verursacht, dass sich etliche Ver- 
schiedenheiten vorfinden, besonders in den Auf- 
höhungen mit Weiss für die Lichter, die auf den 
einen breiter sind als auf den andern. Auch 
triiit man in den Abdrücken mit breiten Lichtern 
klecksige Stellen; aber alles das kommt lediglich 
her von der abgenutzten Platte, die sich erbrei- 
tert oder an gewissen zarten Stellen zerbrochen 
hat. 
Zanetti behauptet in der Sammlung des Grafen 
Oicognara einen Abdruck gesehen zu haben, wo 
unten rechts das Datum DXXXV (1535) deut- 
lich bemerkbar gewesen wäre, nebst einigen 
senkrecht eingeschnittenen Buchstaben, die man 
nur mit Mühe lesen konnte, weil dicht dabei das 
Papier beschnitten war, man hätte aber ganz ent- 
schieden darin ein wirkliches Formschneiderzei- 
chen erkannt; auf einem andern in derselben 
Sammlung befindlichen Exemplar sah man hin- 
gegen kein Zeichen und Datum. Ich habe mehr 
als zwanzig Abdrücke dieses Blattes, Abdrücke 
von allen Sorten, zu Gesicht bekommen, aber 
auf keinem einzigen weder Zeichen noch Datum 
angetroffen, und so lange ich mich nicht mit eig- 
nen Augen von dem Vorhandensein eines mit 
Monogramm und Jahrzal bezeichneten Abdrucks 
überzeugt habe, muss ich das von Zanetti be- 
schriebene Exemplar für fälschlich halten. 
Wenn aber auch Datum und Zeichen auf jenem 
Exemplar nicht etwa hinzugeschrieben, sondern 
wirklich hinzugedruckt sein sollten, so wären 
sie jedenfalls später von fremder Hand hinzuge- 
20
        

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