Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601818
 Antonio da. Trento.  
E1 
war und mit Antonio da Trento bloss den Tauf- Hclldunkel unmittelbar angelegen sein liess und, 
namen gemein hatte. Die verkehrte Deutung wie der kenntnissreiche Mariette glaubte, eigen- 
kam hauptsächlich davon, dass der Endbuchstabe händig dabei mitwirkte, indem er dem Form- 
des Wortes Fantuzi, das I, die zweite Zeile der schneider die Aufzeichnungen auf die Holzstöcke 
Inschrift anfängt, deshalb nicht zu dem Namen machte. Ohne der Achtung, die man der An- 
Fantuzi mit hinzugezogen, sondern für sich ge- sieht eines so feinen Kritikers schuldig ist, zu 
nommen und als Abkürzung von Inventor aus- nahe zu treten , möchte ich diesen Umstand be- 
gelegt wurde. Man las nun Inventor De Bologna, zweifeln. Parmegianino war zu viel beschäftigt 
und bezog diese Worte auf Primaticcio , der in und arbeitete zu schnell, als dass er die mühsame 
Frankreich bekanntlich den Beinamen Bologna und langsame Arbeit solcher Aufzeichnungen 
hatte (s, den Artikel Fantuzzi). Uebrigens be- hätte übernehmen sollen; höchst wahrscheinlich 
darf es- nicht einmaljenes so positiven Umstan- begnügte er sich die Ausführung des Form- 
des, um die Ueberzeugung zu gewinnen, dass schneiders sorgfältig zu beaufsichtigen und durch 
Antonio da Trentds Holzschnitte in l-lclldunkel andeutende und vcrbessernde kritische Nach- 
nach Parmegianino und Fantuzzis Radirungcn hülfe zu gelungener und wirksamer Durchbil- 
nach eben diesem Meister nicht von einer und dung zu befördern. 
derselben Hand verfertigt sein können. Ich Antonio da Trentds Helldunkel scheinen thcils 
Weise W01, Wie jeder Teprednzinende Künstler in in Rom, theils in Bologna unter den Augen die- 
Seinen Arbeiten nnglelen iet- Es gibt aber Zwei ses immer geistreichcn und talentvollen, wenn 
Arten von Ungleichheiten, mögliche und unmög- gleich schon etwas inanierirten Meisters ent- 
lißhe- Wenn ein Ferlnnenneidei- edel" Kdpfer- standen zu sein. Sie sind meistens von zwei 
stecher denselben Meister ein Mal gründlich und Platten; die eine, die Sii-ichpiade, di-ügkt ver- 
genau, ein anderen Mel eberddenlieh und nnge" mittelst Schraffirungen die Umrisse und Schatten 
treu wiedergibt, so handelt es sich bloss um vcr- aus; die andere, die Tonplatte, gibt die Halb- 
Sßhiedene Grade den illeehwenkß , die ganz Ent tinten und enthält die für die Lichter ausgespar- 
derselben Werkmeisterhand angehören können, im Höhimgen mit Weise, A119 Seine Blätter ge- 
und unsere Erfahrung hat Nichts dagegen; Wenn hören zu den Seltenheiten, zumal in guten Exem- 
aber derselbe Meister in einigen Blättern mit plaren. Die klarsten und reinsten Abdrücke 
aller Liebe und Treue nßehäebiidet, in ilildßiön sind die besten. Man trifft einige mit Verschie- 
dagegcn aufs Nachlässigste behandelt und bis denliditdii, die sich in den Aiiihöliiingen mit 
Zllf Ußkßlliltllßhkßit GDiJSiIGllt lSlZ, SO sind (13,8 Wgisg "und in (1911 Sghraffil-ungen bgmgykligh 
durchaus entgegengesetzte Eigenschaften der machen, abcr lediglich von dem Abmitzen der 
Behandlung und Auffassung, Eigenschaften, die Platten herrühren. 
gar nicht in einem Kiinstlerindividuum existi- Bartsch beschreibt 25 Stücke, von Weichen er 
1'911 können! und wir sind genödngt zwei Per" bloss sechs als unbezweifelt ächt gelten zu 
sönlichkeiten anzunehmen. Das ist auch im vor- lassen scheint; Das Monogramm des hieisters, 
liegenden Fall das Richtige. Antonio Fantuzzi 
und Antonio da Trcnto sind zwei ganz vcrschie- Q 
dene Künstler, die nicht für eine Person ge- ein grossesgothisches A.  findet 
halten werden dürfen, wie auch die Radirungen 
des Ersteren von den Tondruekblättern des Letz- 
teren ganz und 5M" zu trennen eind- Fdntnnlin man nur auf zwei Blättern (No. 6 und 35); die 
Ausführung ist hart lind Ohne alle Wirkiinää; anderen haben weder Namen noch Zeichen, so 
man erkennt darin freilich eine Künstlerhand, (lass die Bggtimlijiung der Werke dieses Meisters 
über eine Seleile, die beliebig und lüdeldieh 7111 nicht immer sicher und leicht ist. Das nachfol- 
Wefke geht; er bei Velneniedenee neeil Pdinle- gende Verzeichniss umfasst 36 Stücke. Um nicht 
gianino mit flüchtiger Nadel radirt; aber das von der herkömmlichen Benennung plötzlich ab- 
vorzüglich Charakteristische dieses Meisters, zugghgn, sind darin die 13 Biiitter der Apostei- 
das Elegante und Graziöse mit einem schwäche- folge (N0. 7 bis 19) aufgenommen, bei welchen 
ren oder stärkeren Anflug von übertriebener es sehr zweifelhaft ist, 0b sie von Antonio da 
Zierlichkeit und Lieblichkeit, ist verschwunden Ti-enio her-stammen, und die im Macliwei-k so 
und in Fantuzzfs rohe und Wilde Manier Vßr- entschieden an die eigenthümliche zweite Manier 
zerrt. Antonio da Trcnto war ein tleissig und des Ugo da Carpi erinnern, dass ich diesen 
sorgfältig ausführender Meister, welcher den Künstler als ihren Urheber vermuthe. Auch un- 
zierlichen Formencharakter, den pikanten Effekt ter den andern Nummern befinden sich vielleicht 
und den geistigen Gehalt seiner Vorbilder sehr noch einige Stücke, wobei es ungewiss ist, ob 
glücklich auf die Heizplatte übertrug und seinen sie von Antonio da, qirento oder von Giuseppe 
Nachbildungen den Reiz der Originale gab. Er Niccole Vicentini sind; denn da diese beiden 
arbeitete nllßßßiliißßßlißh nach den eigens zu Meister eine ziemlich gleicheArt derBehandlung 
diesem Zweck verfertigten Zeichnungen Parme- an sich haben, ist es Schwer über ihre Werkß 
gianinds, welcher sich die Vervielfältigung und zu entscheiden, wenn sie nicht ihren Namen 
Verbreitung derselben durch den Formschnitt in oder ihr Zeichen darauf gesetzt haben. Demnach
        

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