Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Appiani [i. e. Andreas] - Domenico del Barbiere
Person:
Meyer, Julius Schmidt, Wilhelm Lücke, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1600064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1601674
Antonio 
Alb erti  
1.37 
im J. 1396 wenigstens ein Jüngling von 18 Jah- unter dem J. 1351 in der Florentiner Maler- 
ren , also etwa. um 1378 geboren sein musste, rolle eingetragen ist) entstanden sein , da 
während von dem obigen Meister kein früheres sie in Folge letztwilliger Verfügung eines 
bezeichnetes Werk als von 1439 erhalten ist und Bartolommco della Scta nach 1408 ausgee 
er seine Tochter erst 25 Jahre später, also etwa führt worden. Doch sind im Paradiese 
in seinem 87. Jahre, verheiratete. Daher ist wol manche Figuren von guten Verhältnissen 
anzunehmen, dass, wenn wir es hier nur mit und Köpfe von einer gewissen Kraft des 
Einem Meister zu thun haben, Antonio von Fer- Ausdrucks. 
rara nur insofern zu den Schülern des Agnolo 3) In dem inneren ahoi. von S_ Antonio Abate 
zu zählen ist, als er sich nach dessen Werken zu Ferrara Freskogemäide dei- Jungfrau, 
gebildet hat, ohne von ihm direkte Unterwei- Weiche dem Kinde dieBiiist reicht, zwischen 
sung empfangen zu haben. Diese Vermuthung drei Heiligen iiiid einem Engel mit (im. 
bestätigt in der That das schon gedachte erhal- Waage y aus dem J_ 1433 i wie die Inschrift 
tene Werk des Meisters, sofern es von dem Ein- zeigt: Hoc Opus i-ecit iieri Soroi. Agiietis de 
tluss Gaddfs und der Schule Giottds überhaupt Fontaiia MCCOCXXXIIL 
nur schwache Spuren zeigt. Es ist eine grosse     
Altartafel in verschiedenen Abthcilungen, welche 4l ägeiäää:änäuäääaäiälxsiifeeäarsiiibzf 
iiitzt getiennt in der Sakrlstel v0? 8' B.ernar_ kleine Halbliguren von Heiligen, sehr be- 
dmo b.el Urbino uuihuwdh" wird: Die Jung schädigt und fälschlich dem Giotto zuge- 
frau mit dem auf ihrem Schooße schlafenden schrieben 
Kinde zwischen den hh. Petrus, Paulus, Ludwig  
Von Toulouse: Juhuuues dem Täufer uuu Hiem" Was die Geschichtschreiber von Ferrara Nähe- 
nyinus (ganze fußt lebeuiigiusse Figuren) i in u" res über den Meister berichten, stimmtzum Theil 
Oberen Reihe Sechs andere Heilige in Hdlhiigu" mit dieser Thätigkeit Antonids an verschiede- 
ren: das Mittelstück mit der Bezeichnung: 1439 iieii Orten) von der uns Werke hinteriassen sind, 
Anidniuu ue Feimiiiu- Diesem Bilde nach zu überein; nur dass sie darnach ihre Nachrichten 
schliessen hatA. das Gepräge der florentinischen gebiidet und den Rest zur Vei-knüpfung- del-sei- 
Kunst, wenn er es in der Jugund gehabt hat: iuui ben hinzugefügt zu haben scheint. Sie melden : 
ganz Verhören, oder 91' ist niemals in Fldienz gu- Antonio sci nach dem Tode Gaddils von Florenz 
wesen. Er erscheint hier halb als Realist, halb (wo ei- abei- wie bemerkt gal- nicht gewesen ist) 
in illiei Uelielliefeiung beiungen- Die Jungfrau zunächst nach Urbino gekommen und habe dort 
hat ein breites Gesicht von jener Feierlichkeit, in S_ Fi-tiiieesco gemalt; dann nach Qittgt di Ca- 
die den älteren Schulen eißeniliiinllißll ist; Sie stello gerufen, sei er daselbst längere Zeit thä- 
trägt ein illiuiihuusig und kniiieiig gefaltetes G9" tig gewesen. In seine Vaterstadt zurückgekehrt 
wand, in dessen reichen Saum Schriftstellen ein- habe ei- in dem Piiiast der Fürstgn von Fan-am, 
gestickt sind. Das Kind auf ihrem Schooße ist (Später Universität) große Waiidmttiereien am- 
Sehr hässlich. die Figuren dniHuiligen V0" hiei- geführt. Die letztere Angabe ist richtig, und die 
ten kurzen Formen mit ausdrucksloscn Köpfen Thatsache i dass dem Meister solche Arbeiten 
und hölzernen Stellungen. Dem entsprechend übertragen wurden, bezeugt, dass er damals in 
ist die Färbung ilddh und l'0l1- nicht gewöhnlichem Ansehen stand, wenn er 
S0 ist das Bild Von Interesse 11111 als daS Werk gleich über das Mittelmässigc nicht hinausge- 
eillen Malers Von Ferrara Zll jener ZCii, dßidn kommen ist. Aber Nichts von diesen Malereien, 
Kennzeichen in anderen Gemäldßn Wißderkßh- die bald nach 1438 fielen und ein interessantes 
Yen, Welche sich, Wie Viisnii ganz richtig hß- Ereigniss der Zeit darstellten, hat sich erhalten. 
merkt, zu Urbino und Ferrara iindßn- Diese Ihr Gegenstand war die Union der griechischen 
Malereien Sindi mit der lateinischen Kirche, die damals von dem 
1) In S. Maria della Nunziata extra muros bei byzantinischen Kaiser, Johannes VII. Palaelo- 
Urbino: Ueberreste eines verkündigenden gos, auf dem nach Ferrara berufenen Konzil, 
Engels, zum Theil durch einen Altar vcr- dem auch Papst Engen IV. beiwohnte, lebhaft 
deckt; von warmer Färbung und die Gestalt angestrebt wurde; auf dem Bilde hat A. nebst 
nicht ungefällig. den vornehmsten Mitgliedern desselben auch den 
2) In der Kapelle Bolognini in S. Petronio zu Papst und den Kaiser dargestellt. Auf den übri- 
Bologna eine Reihe von Mönchen, Bischö- gen Wänden malte er die Glorie des Paradieses 
fen und anderen Heiligen an den Pilastern mit den himmlischen Heerschaaren (daher der 
und Gewölben, an den Wänden Szenen aus Palast auch Palazzo del Paradiso genanntwurdc) ; 
der Leidensgcschichtc, Darstellungen des Cittadella sah noch 1780 Reste davon, bis auch 
Paradieses und der Hölle (wobei der Erzen- dieses Gemach bald darauf zerstört wurde, nach- 
gel Michael auffallend an den eben erwähn- dem schon 1683 die anderen Malereien über- 
ten verkündigenden Engel erinnert). Diese tüncht worden waren.  Längere Zeit hat sich 
Malereien werden von Vasari dem Florenti- dann der Meister in Bologna aufgehalten, wo er 
ner Bulfalmacco zugeschrieben, können aber ja auch seine Tochter vermälte. Als sein Todes- 
erst nach dem Tode dieses Künstlers (der jahr gibt Barulfaldi fälschlich 1450 an; er starb 
Meyer, Künstler-Lexikon. II. 18
        

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